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Ausstattung und Verhandlungsklima: Berufungspraxis aktuell

von HUBERT DETMER und SANDRA FISCHER

Der Deutsche Hochschulverband veröffentlicht seit einigen Jahren einen Überblick zu Trends und Fakten in Berufungs- und Bleibeverhandlungen. Grundlage sind aktuell mehr als 1.800 Fragebögen, in denen Professorinnen und Professoren über die Ergebnisse ihrer abgeschlossenen Berufungs- oder auch Bleibeverhandlung Auskunft geben. Ein Überblick.

Ausstattung und Verhandlungsklima: Berufungspraxis aktuell© testfight - photocase.deDer DHV präsentiert die diesjährigen Ergebnisse der Erhebung zur aktuellen Berufungspraxis
Über die Jahre nahezu konstant geblieben ist der Anteil der Berufungen in ein Beamtenverhältnis auf Lebenszeit. In den Jahren 2012 bis 2016 lag dieser Wert bei 77 Prozent (Langzeitmittelwert: 77,6 Prozent). Der vor einigen Jahren zu beobachtende Trend zu mehr Beamtenverhältnissen auf Zeit (2006: 12,9 Prozent, 2007: 15,7 Prozent; 2009: 17 Prozent; 2012: 16 Prozent) ist mit 14,6 Prozent im aktuellen Erhebungszeitraum rückläufig. Dem steht freilich ein leichter Anstieg der Berufungen in ein unbefristetes (6 Prozent) oder befristetes (2,3 Prozent) privatrechtliches Dienstverhältnis gegenüber.

Verhandlungsklima

Nochmals deutlich verbessert scheint sich aus Sicht der Befragten das Verhandlungsklima zu haben. Dieses bewertete knapp die Hälfte derjenigen Wissenschaftler, die seit 2012 Verhandlungen geführt haben, mit der Schulnote "sehr gut" (46,75 Prozent). Nur 3,5 Prozent vergaben die Schulnoten "mangelhaft" oder "ungenügend". Bis 2012 bewertete lediglich ein knappes Drittel (30,2 Prozent) das Verhandlungsklima mit "sehr gut", während 7,7 Prozent dieses als "schlecht" empfanden.

Verhandlungs- und Verfahrensdauer

Nach wie vor zügig ist die Phase der Berufungs- und (gegebenenfalls) Bleibeverhandlungen. So waren die Berufungsverhandlungen im Erhebungszeitraum 2012 bis 2016 in neun von zehn Fällen (89,7 Prozent) innerhalb von sechs Monaten abgeschlossen. Dies entspricht in etwa dem Langzeitmittelwert von 90,9 Prozent. "Beeindruckend" ist der Umstand, dass knapp die Hälfte aller Verhandlungsprozesse (46,5 Prozent) gar innerhalb einer Zeitspanne von drei Monaten durchgeführt wurde. Auch hinsichtlich der Dauer des gesamten Verfahrens von der Bewerbung bis zur finalen Zusage bzw. zur Annahme eines Bleibeangebots ergeben sich kaum Abweichungen gegenüber dem langfristigen Mittelwert. Zwischen 2012 und 2016 konnten ein Drittel der Verfahren (34,2 Prozent) innerhalb eines Jahres abgeschlossen werden; 29,8 Prozent dauerten allerdings länger als 18 Monate.

Fächerspezifische Ausstattung

Das Bundesverfassungsgericht hat einen aus der Forschungs- und Wissenschaftsfreiheit folgenden Anspruch auf eine Grund- bzw. Mindestausstattung einer Professur anerkannt. Dieser Anspruch ist jedoch weder gesetzlich noch durch eine belastbare Rechtsprechung quantifiziert oder konkretisiert. Die Erhebungen des DHV hinsichtlich der jeweils erfolgreich ausgehandelten Ausstattungspositionen bieten daher einen einzigartigen Überblick über die durchschnittlichen Ausstattungsquantitäten von Professuren. Da diese Werte von dem jeweiligen Fach geprägt sind, wird nach den Fachbereichen der Geisteswissenschaften, der Rechtswissenschaften, der Mathematik/Naturwissenschaften, der Medizin, der Ingenieurwissenschaften und der Wirtschaftswissenschaften differenziert. Die diesbezügliche Auswertung basiert auf mehr als 300 "neuen" Fragebögen aus dem Zeitraum 2015 bis 2016 und schließt an die insoweit einschlägige letzte Erhebung an (Die Ausstattung von Professuren - Ergebnisse einer aktuellen Auswertung). Ermittelt wurden auch die jeweiligen Langzeitmittelwerte, welche die jüngsten Ergebnisse (2015 - 2016) mit erfassen.

In den Geisteswissenschaften wurden im aktuellen Erhebungszeitraum durchschnittlich folgende Ausstattungspositionen verhandelt:
  • Investitionsmittel: 56.560 Euro
  • Laufende Mittel: 10.000 Euro
  • Wissenschaftliches Personal: 1,37 Stellen
  • Nichtwissenschaftliches Personal: 0,56 Stellen
  • Räume: 2,78
Wie schon in den Vorjahren zeigt sich dabei ein leichter Zuwachs an Investitionsmitteln, während hinsichtlich der übrigen Positionen ein leichter Rückgang im Verhältnis zu dem langfristigen Durchschnitt (54.170 Euro/11.650 Euro/1,42 Stellen/0,57 Stellen/3,28 Räume) zu verzeichnen ist.

Im Bereich der Rechtswissenschaften ist es gegenüber dem Langzeitmittelwert (47.660 Euro/12.360 Euro/1,76 Stellen/0,7 Stellen/4,13 Räume) zuletzt zu einem deutlichen Anstieg der Investitionsmittel gekommen, während die laufenden Mittel demgegenüber leicht zurückgegangen sind:
  • Investitionsmittel: 67.540 Euro
  • Laufende Mittel: 10.940 Euro
  • Wissenschaftliches Personal: 1,74 Stellen
  • Nichtwissenschaftliches Personal: 0,73 Stellen
  • Räume: 4,27

Im Fachbereich der Mathematik/Naturwissenschaften wurden im aktuellen Erhebungszeitraum durchschnittlich folgende Verhandlungsergebnisse erzielt:
  • Investitionsmittel: 402.560 Euro
  • Laufende Mittel: 20.600 Euro
  • Wissenschaftliches Personal: 1,98 Stellen
  • Nichtwissenschaftliches Personal: 1,49 Stellen
  • Räume: 8,42
Auch hier kommt es gegenüber dem Langzeitmittelwert (308 570 Euro/ 27 200 Euro/2,17 Stellen/1,35 Stellen/ 6,34 Räume) zu einer deutlichen Steigerung der Investitionsmittel, während weniger laufende Mittel gewährt werden. Wie schon in den Vorjahren ist zu beobachten, dass in einigen Fällen an die Stelle von zugeordneten Personalstellen Geldmittel zur Finanzierung entsprechender Stellenanteile getreten sind.

Große Unterschiede im Hinblick auf einzelne Professuren gibt es traditionell im Fachbereich der Medizin. Auch in der aktuellen Auswertung weichen die Angaben erheblich voneinander ab, sodass eine Orientierung an den langfristigen Durchschnittswerten zu empfehlen ist:
  • Investitionsmittel: 202.000 Euro
  • Laufende Mittel: 48.800 Euro
  • Wissenschaftliches Personal: 2,29 Stellen
  • Nichtwissenschaftliches Personal: 1,46 Stellen
  • Räume: 4,61

Vergleichbares gilt im Bereich der Ingenieurwissenschaften. Aufgrund stark voneinander abweichender Verhandlungsergebnisse im letzten Beobachtungszeitraum ist auch hier die Betrachtung der Langzeitmittelwerte vorzugswürdig:
  • Investitionsmittel: 278.070 Euro
  • Laufende Mittel: 31.610 Euro
  • Wissenschaftliches Personal: 2,68 Stellen
  • Nichtwissenschaftliches Personal: 1,59 Stellen
  • Räume: 7,2

Im Bereich der Wirtschaftswissenschaften wurde im aktuellen Erhebungszeitraum durchschnittlich folgende Ausstattung verhandelt:
  • Investitionsmittel: 44.380 Euro
  • Laufende Mittel: 15.370 Euro
  • Wissenschaftliches Personal: 1,47 Stellen
  • Nichtwissenschaftliches Personal: 0,43 Stellen
  • Räume: 4,2
Damit liegt hinsichtlich der meisten Positionen ein Rückgang gegenüber dem langfristigen Mittelwert (56.000 Euro/ 12.510 Euro/2,07 Stellen/0,6 Stellen/4,67 Räume) vor. Die gesunkenen Durchschnittswerte sind dabei jedoch vor allem auf die Angaben der an privaten Hochschulen tätigen Wissenschaftler zurückzuführen.

Wie immer gilt: Jede Berufungsverhandlung führt ein Eigenleben, bedingt durch Fächerspezifika, das "standing" der Rufinhaberinnen und Rufinhaber, lokale Finanzkraft und nicht zuletzt das persönliche Verhandlungsgeschick und "Glücksmomente". Gleichwohl: Im Rahmen einer ersten Orientierung können die Durchschnittswerte eine Hilfestellung bieten. Im Übrigen aber gilt: Erfolgreiche Berufungsverhandlungen sind höchst komplexe Vorgänge. Der Deutsche Hochschulverband berät seine Mitglieder bei anstehenden Berufungs- und Bleibeverhandlungen. Gerade Erstzuberufende sollten sich darüber hinaus aber auch vor Ort über lokale und fächerspezifische "Standards" informieren.


Über die Autoren
Dr. Hubert Detmer ist Rechtsanwalt und stellvertretender Geschäftsführer des Deutschen Hochschulverbandes (DHV).
Sandra Fischer ist Rechtsreferendarin und wissenschaftliche Mitarbeiterin im Deutschen Hochschulverband.

Aus Forschung & Lehre :: Januar 2017