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Bachelorarbeit als Eintrittskarte

Das Interview führte Frauke Zbikowski

Wirtschaftschemie bietet die ideale Kombination aus Chemie und Wirtschaft und damit eine wunderbare Möglichkeit die Arbeit im Labor mit weiteren Unternehmensbereichen zu kombinieren. Jennifer Then, Absolventin der Wirtschaftschemie an der Hochschule Fresenius in Idstein, über ihre Arbeit als Business-Analystin.

Bachelorarbeit als Eintrittskarte© bluedesign - Fotolia.comDie Kombination aus Chemie und Betriebswirtschaftslehre bietet vielseitige Möglichkeiten auf dem Arbeitsmarkt

Wirtschaftschemie studieren

Fünf Universitäten und eine Fachhochschule bieten in Deutschland Wirtschaftschemie-Studiengänge an:

1. Universität Düsseldorf:
Bachelor und Master
www.wirtschaftschemie.hhu.de

2. Universität Kiel:
Bachelor und Master
www.uni-kiel.de

3. Universität Ulm:
Bachelor und Master
www.uni-ulm.de

4. Universität Münster:
Master mit stark wirtschaftswissenschaftlicher Ausrichtung, einzige Universität mit entsprechendem Institut (Institut für betriebswirtschaftliches Management im Fachbereich Chemie und Pharmazie)
www.uni-muenster.de/Chemie

5. TU Kaiserslautern:
Wirtschaftsingenieurwesen, Fachrichtung Chemie, Bachelor und Master. Für das Wintersemester 2014/ 2015 ist ein neuer Bachelorstudiengang Wirtschaftschemie geplant.
wiwi.uni-kl.de/studium-lehre

6. Hochschule Fresenius, Idstein:
Bachelor, berufsbegleitender Masterstudiengang:
www.hs-fresenius.de

Allgemeine Informationen zum Studium sowie noch ein Interview mit einer Wirtschaftschemikerin stehen in der GDCh-Broschüre "Chemie studieren".
Nachrichten aus der Chemie: Was ist Ihre Aufgabe im Unternehmen?

Jennifer Then: Bei Celanese führe ich hauptsächlich Marktrecherchen durch, mache Wettbewerbsanalysen, werte externe wie interne Daten aus und versuche dabei, Trends herauszufinden. Dabei geht es um Produkte wie Essigsäure, Essigsäureanhydrid, verschiedene Lösungsmittel und auch Spezialchemikalien.

Nachrichten: Mit wem arbeiten Sie zusammen?

Then: Mit den Produkt- und Marketingmanagern sowie den Verkäufern und dem Qualitätsmanagement. Meine Kollegen in Sulzbach haben fast alle eine kaufmännische Ausbildung, die Qualitätsmanager sind Chemiker. Aufgrund meines Studiums kann ich hier sozusagen als Kommunikationsbrücke dienen.

Nachrichten: Wie ist dabei Ihre Chemieausbildung gefragt?

Then: Beim Vorstellungsgespräch wurde deutlich, dass jemand ins Team kommen sollte, der zusätzliche chemische Kenntnisse in die Abteilung einbringen kann. Das Basiswissen in Chemie habe ich in den ersten vier Semestern des Bachelorstudiengangs Wirtschaftschemie an der Hochschule Fresenius gelernt. Für eine Spezialisierung war da allerdings keine Zeit. Das Spezialwissen über unsere Produkte muss ich mir jeweils noch aneignen.

Nachrichten: Warum haben Sie Wirtschaftschemie studiert?

Then: Naturwissenschaften haben mich schon in der Schule interessiert, und nach dem Abitur war klar, dass ich Chemie studieren würde. Ich wollte aber nicht nur im Labor stehen, sondern mit vielen verschiedenen Bereichen eines Unternehmens agieren. Chemie mit Wirtschaft zu verbinden, kam mir daher entgegen.

Nachrichten: Wie kamen Sie auf die Hochschule Fresenius?

Then: Wirtschaftschemie wurde 2009, als ich mit dem Studium begann, ja nur an wenigen Universitäten angeboten. Auf die Hochschule Fresenius kam ich über einen Infotag, bei dem ich Gelegenheit hatte, mich mit einem Dozenten der Hochschule über den Studiengang zu unterhalten. Den Studiengang fand ich interessant, da er Chemie mit wirtschaftswissenschaftlichen Grundlagen verbindet. Ich habe dann einen Schnuppertag besucht und mich auch mit Studenten dieser Fachrichtung unterhalten. Der Ruf der Hochschule hat mich bestärkt, dort zu studieren.

Nachrichten: Warum haben Sie sich dafür entschieden, direkt nach dem Bachelor in den Beruf einzusteigen?

Then: Nach dem Studium wollte ich das Gelernte zunächst einmal in die Praxis umsetzen. Mich interessierte, welche Aufgaben auf mich zukommen und wie das Arbeitsumfeld in der chemischen Industrie aussehen würde. Die Hochschule Fresenius bietet seit diesem Wintersemester einen berufsbegleitenden Masterstudiengang in Wirtschaftschemie an, der auch für mich eine Weiterbildungsoption ist. Allerdings möchte ich mich zunächst in meinen Job einfinden, bevor ich dies in Erwägung ziehe.

Nachrichten: Wie verlief Ihr Berufseinstieg?

Then: Nach dem Abschluss im August schrieb ich viele Bewerbungen, woraus sich einige Vorstellungsgespräche für Praktika bei verschiedenen Unternehmen im Raum Frankfurt ergaben. Schließlich entschied ich mich für ein Praktikum in der Marketingabteilung von Clariant.

Nachrichten: Haben Sie sich initiativ oder auf Stellenausschreibungen beworben?

Then: Auf Initiativbewerbungen erhielt ich kaum Resonanz, deshalb habe ich mich nur noch auf Stellenausschreibungen beworben, vor allem auf den Internetseiten der Chemieunternehmen. Explizit für Wirtschaftschemiker habe ich kaum Ausschreibungen gefunden, sondern entweder für Absolventen mit BWL- oder mit Chemiestudium. Da ich durch die Kombination Chemie- und BWL-Studium weniger Chemie hatte als Chemiestudenten und auch weniger BWL als Betriebswirtschaftsstudenten, trafen beide Stellenausschreibungstypen nicht ganz auf mein Profil zu. Über diese Problematik hatte ich mir während des Studiums noch gar keine Gedanken gemacht. Während der Bewerbungsphase habe ich mich dann oft gefragt, ob ich das Richtige studiert habe. Fokussiert habe ich mich dann auf Stellen im Marketing und für Business-Analysten, denn bei Positionen mit technischer Ausrichtung ist entweder ein vollständiges Chemiestudium mit Promotion oder jahrelange Berufserfahrung Voraussetzung.

Nachrichten: Und wie kamen Sie dann an Ihre Stelle bei Celanese?

Then: Die Eintrittskarte in das Unternehmen war meiner Meinung nach meine Bachelorarbeit, die ich im sechsten Semester beim Dispersionsgeschäft von Celanese hier in Sulzbach anfertigte. In dieser Zeit konnte ich Kontakte knüpfen, auch zur Personalabteilung. Als ich mich auf eine Stellenausschreibung bei Ticona, die zum Celanese-Konzern gehört, bewarb, bekam ich gleich die Einladung zum Vorstellungsgespräch. Die Stelle wurde dann zwar anderweitig besetzt, aber wenige Tage später rief mich die Personalabteilung an und lud mich zum Vorstellungsgespräch für meine jetzige Stelle ein.

Nachrichten: Woran arbeiten Sie zurzeit?

Then: Im Moment bin ich noch in der Einarbeitungsphase mit vielen Meetings, in denen ich die Zusammenhänge im Unternehmen und in der Abteilung kennen lerne. Außerdem recherchiere ich zu verschiedenen Projekten, in die ich immer mehr einbezogen werde. Angefangen habe ich mit einer Marktanalyse über einige der Lösemittel von Celanese.


Über die Interviewte
Jennifer Then hat an der Hochschule Fresenius in Idstein Wirtschaftschemie studiert und im August 2012 mit dem Bachelor abgeschlossen. Seit Mai arbeitet sie als Business-Analystin bei Celanese in Sulzbach.

Aus Nachrichten aus der Chemie» :: Februar 2014

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