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Bachelorarbeitsthema finden: Hohes Interesse und gute Betreuung im Fokus

von Verena Manhart

Zu viele Optionen oder Brett vorm Kopf? Bei der Suche nach einem Thema für die Bachelorarbeit verzweifeln viele Studierende. Wer einige wichtige Punkte berücksichtigt und rechtzeitig los legt, kann diese Herausforderung meistern.

Bachelorarbeitsthema finden: Hohes Interesse und gute Betreuung im Fokus© olly - Fotolia.comDas Thema für die Bachelorarbeit sollte klar eingegrenzt sein
An den meisten deutschen Hochschulen heißt es zum Ende des Bachelorstudiums: "freie Wahl beim Abschlussthema". Während Studierende im Laufe des Studiums in erster Linie vorgegebene Themen bearbeiten, ist nun auf einmal alles möglich. Bei Vielen sorgt das für große Fragezeichen im Kopf und Angstschweiß auf der Stirn.

Schritt für Schritt vorgehen

Mit der Bachelorarbeit sollen Studierende beweisen, dass sie eine wissenschaftliche Fragestellung eigenhändig bearbeiten können. Nicht mehr und nicht weniger. Dabei geht es nicht darum, ein möglichst großes Feld zu beackern oder etwas ganz Neues zu erfinden. Im Gegenteil: In der Bachelorarbeit sollte das Thema klar eingegrenzt sein. Die wichtigste Frage dabei ist: Was interessiert mich? Erste Vorkenntnisse aus Hochschulveranstaltungen sowie berufspraktische Erfahrungen während des Studiums können dabei als Inspiration dienen. Wenn sich innerhalb eines Themenbereiches ein besonders spannender Aspekt findet, sollte der Forschungsstand überprüft werden. Nur so lässt sich herausfinden, was es zu diesem Thema bereits gibt und wo noch spannende Fragestellungen lauern. Das endgültige Thema sollte sich von den bestehenden Themen unterscheiden.

Die richtigen Fragen stellen

"Ich hatte anfangs ein bisschen Sorge, weil ich zu meinem Thema nur wenige Quellen gefunden habe", sagt Thomas Düllmann rückblickend über die Anfänge seiner Bachelorarbeit. An der Hochschule Heilbronn studiert er Software-Engineering. Mit seinem Professor bespricht er sich intensiv darüber, was wissenschaftliches Arbeiten genau bedeutet. "Nicht nur die Quellenrecherche ist wichtig, sondern auch die logische Schlussfolgerung", weiß der 26-Jährige. "Diesen Punkt sollte man früh abklären, damit man sich nicht in den Quellen verirrt und unnötig Zeit verliert." Ein frühzeitiges Gespräch mit einem Professor des Fachbereichs hilft dabei, erste Ideen einzuordnen und festzustellen, ob das Thema überhaupt wie angedacht durchführbar ist. "Studierende müssen in der Sprechstunde die richtigen Fragen stellen", betont Kai Stapelfeldt, Geschäftsführer von Studi-Lektor.de. Der Diplom-Kaufmann betreut als Coach Studierende in der Phase der Abschlussarbeit und rät ihnen, sich vor einem Gespräch genau zu überlegen, welche Informationen sie brauchen, um effektiv zu arbeiten. "Die wichtigste Frage ist die nach der Komplexität", so Stapelfeldt. "Der Professor muss einschätzen, ob das vorgeschlagene Thema für eine Bachelorarbeit in Frage kommt." Ist das gewählte Thema zu leicht, zu schwer oder noch nicht ausformuliert genug, sollte der Studierende dies rechtzeitig in Erfahrung bringen, um nachjustieren zu können.

Themenvorschlag vom Unternehmen prüfen

Mittlerweile schreiben viele Unternehmen eigene Bachelor- und Masterarbeiten aus, längst haben sie das Potential dieser Zusammenarbeit mit Studierenden erkannt. Das bedeutet allerdings auch, dass die Bachelorstudierenden meist ein Thema vom Unternehmen vorgegeben bekommen - ein wichtiger Unterschied im Vergleich zu der Bachelorarbeit an der Hochschule. Initiativbewerbungen mit einem eigenen Thema sind prinzipiell möglich, dafür sollten Studierende allerdings mehr Vorlaufzeit einplanen. "Die Entscheidung, wo man seine Bachelorarbeit schreibt, sollte man vom Thema abhängig machen", meint Düllmann. Und rät Studierenden, an der Hochschule zu schreiben, sollte sich kein Unternehmen finden, bei dem sich eine interessante Thematik umsetzen lässt. "Wer aber ein spannendes Thema in einem Unternehmen angeboten bekommt, das idealerweise räumlich in der Nähe ist und die Bachelorarbeitsphase vergütet, sollte zugreifen." Nach mehreren Anfragen bei regionalen Firmen wird dem Studenten Düllmann beim Heilbronner IT-Unternehmen Cirosec ein Themenbereich vorgeschlagen, der seinen Interessen entspricht. In kurzen Absprachen wird das Thema abgesteckt, flache Hierarchien und gute Betreuungsbedingungen überzeugen endgültig. Schriftlich werden die inhaltlichen Bedingungen festgehalten und ein Vertrag aufgesetzt, der auch die rechtliche Nutzung und Verwertung der Bachelorarbeit beinhaltet.

Enge Absprachen einfordern

Düllmanns Professor hält Rücksprache mit dem Betreuer im Unternehmen und klärt offene Fragen. Zudem achtet er darauf, dass die Arbeit den wissenschaftlichen Anspruch erfüllt. "Der Aufgabenbereich im Unternehmen und der Inhalt der Bachelorarbeit sollten möglichst früh klar definiert werden", weiß Düllmann. Schriftliche Vereinbarungen und enge Absprachen zwischen Hochschule und Unternehmen sind eine wichtige Unterstützung, aber nicht immer die Regel. Studierende sollten sich unbedingt dafür einsetzen, denn nur so wird verhindert, dass sie in eine Praktikantenrolle hineinrutschen und den wissenschaftlichen Anteil der Arbeit während ihrer Tätigkeit im Unternehmen vernachlässigen. Hilfreich ist auch der Blick in spezielle Merkblätter zu externen Abschlussarbeiten, die bereits mehrere Hochschulen veröffentlicht haben.

Probleme besprechen und lösen

Die Zeit für eine Bachelorarbeit beträgt je nach Hochschule und Studienfach durchschnittlich acht bis zwölf Wochen. Verlängerungen sind oft nur in Ausnahmefällen möglich. Wer bereits angemeldet hat und mehr Zeit benötigt, sollte Rücksprache mit seinem Professor halten und rechtzeitig in der Prüfungsordnung nachlesen, ob und bis wann dies möglich ist. In der Regel ist ein schriftlicher Antrag mit Begründung vor dem Fristende beim zuständigen Prüfungsamt einzureichen. Die Anmeldung so weit wie möglich nach hinten zu schieben, ist bei Bachelorarbeiten im Unternehmen schwieriger als an der Hochschule. Damit der Vertrag zu Beginn der Zusammenarbeit aufgesetzt werden kann, muss die Anmeldung in der Regel bereits vorliegen. Ein Themenwechsel nach der Anmeldung kann zum Problem werden. Auch hier ist die Rücksprache mit den Betreuern und dem Prüfungsamt nötig. Kleine Themenverschiebungen lassen sich oft regeln, ohne dass das gewählte Thema für die Bachelorarbeit umgeschrieben werden muss.

Eine intensive und offene Kommunikation zwischen dem Studierendem und seinen Betreuern während der Bachelorarbeitsphase kann kleine und große Schwierigkeiten rechtzeitig verhindern.

academics :: November 2013