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Befreiungsschlag: Obama fördert Forschung


Von Harro Albrecht

US-Präsident Barack Obama lässt der Stammzellforschung freie Hand.

Befreiungsschlag: Obama fördert Forschung© Dan Moore - iStockphoto.com
Auf diesen Moment haben vor allem amerikanische Wissenschaftler seit acht Jahren gewartet. Am Montag unterschrieb Barack Obama eine präsidiale Verfügung, die er schon vor seiner Wahl angekündigt hatte: Als Präsident wolle er das Verbot der bundesstaatlichen Förderung für Forschung an embryonalen Stammzellen (ES) aufheben, die nach dem 9. August 2001 hergestellt wurden. Untersagt hatte dies die Bush-Regierung.

Diese Stammzellen, ließ der neue Präsident wissen, könnten zerstörte Gewebe ersetzen und so Parkinson-Patienten helfen, Rückenmarksverletzte stützen und geschwächte Herzen stärken. Eine mehr oder weniger freie Forschung an ES war in vielen amerikanischen Bundesstaaten zwar möglich, aber eben ohne den Segen und das Geld der Bundesregierung. Mit Obamas Erlass können nun die staatlichen National Institutes of Health (NIH) groß in diese Forschung einsteigen. Da trifft es sich gut, dass die Regierung erst Mitte Februar im American Recovery and Reinvestment Act den NIH 8,5 Milliarden Dollar extra für die Gesundheitsforschung überantwortet hat. Jetzt fürchtet man in Asien und Europa, dass sich die eigene Forscherelite massenweise in das neue Stammzell-Eldorado USA absetzen wird. Noch aber sind die letzten Bremsen nicht gelöst. Zwar hat Obama mit seiner Unterschrift den entscheidenden Schritt getan, aber im Detail sind viele Fragen offen. Zunächst bezieht sich Obamas Votum nur auf die Verwendung von tiefgekühlten, übrig gebliebenen Embryonen für künstliche Befruchtungen.

Die Neuproduktion von ES aus Embryonen bleibt weiterhin verboten. Das untersagt der sogenannte Dickey-Wicker-Zusatzantrag aus dem Jahr 1995. Auch die eingeschränkte Öffnung für föderale Stammzellprojekte steht auf wackligem Fundament, könnte doch Obamas Votum von einem konservativen Nachfolger wieder kassiert werden. Dann hätten Wissenschaftler vier Jahre lang Zeit und Geld investiert und müssten ihre Labors doch wieder einmotten. Wünschenswert wäre es deshalb, wenn sich der Kongress einsichtig zeigte und die neue Offenheit in Sachen Stammzellforschung in ein solides und beständiges Gesetz gösse.

Aber im Grunde ist das alles gar nicht mehr so drängend. Obamas Erlass kommt einige Jahre zu spät. Er selbst sprach im Vorwahlkampf zwar noch von den embryonalen Stammzellen als dem »Goldstandard der Forschung«, aber seit zwei Jahren vergeht kaum eine Woche, ohne dass andere Zellen für Furore sorgen. Immer besser gelingt es Wissenschaftlern etwa, aus Hautzellen von Erwachsenen sogenannte induzierte pluripotente Stammzellen zu generieren, die offenbar genauso flexibel sind wie »echte« ES. Inzwischen ist diese Methode ausreichend effizient, seit Neuestem sind die gewonnenen Zellen auch ohne Verunreinigung mit Viren zu haben. Und weil man sie aus der Haut des Empfängers selbst gewinnt, dürfte es keine Probleme mit der Abstoßung von aus ihnen gezüchtetem Ersatzgewebe geben. In dem Augenblick, in dem sich der Traum der ES-Forscher manifestiert, haben ihre Traumzellen erheblich an Reiz verloren. Jetzt müssen sie nur noch die Größe haben, das auch zuzugeben.

Aus DIE ZEIT :: 12.03.2009

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