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Berufliche "Sinnkrise" - wie soll es weitergehen?

Berufliche © Martin Allinger - iStockphoto.com

Ich habe ein Diplom (FH) in der Tasche, war im Ausland, habe mich zusätzlich weiterqualifiziert, spreche mehrere Fremdsprachen und stecke jetzt in einer Sinnkrise. Auf meiner aktuellen Position (mittleres Management) trete ich auf der Stelle, für meine Tätigkeit bin ich eigentlich überqualifiziert, die Bezahlung ist unterirdisch. Aufstiegschancen im eigenen Haus sehe ich keine, meine intensiven Bewerbungsversuche laufen seit einem guten halben Jahr ins Leere. Ich komme aus dem aktuellen Fahrwasser nicht heraus, wenn ich Stellen angeboten komme, ist es im Wesentlichen immer wieder dasselbe.

Ich trage mich mit dem Gedanken, zurück an die Hochschule zu gehen. Einen Master machen, um anschließend eventuell promovieren zu können. Vielleicht an der Hochschule verbleiben und einen Lehrauftrag annehmen. Das hieße aber, zurück auf die Schulbank, finanzielle Nöte eines Studentenlebens und danach?

Dazu kommt, ich bin eine Frau Ende 20, irgendwann kommt vielleicht doch der Wunsch nach einer Familie (auch wenn er momentan nicht da ist). Ich weiß nicht, was ich tun soll, ich weiß nur, so wie es ist, kann es nicht bleiben! Was raten Sie mir?

Die Antwort des DHV-Expertenteams: Wie Sie darlegen, befinden Sie sich derzeit in einer beruflichen "Sinnkrise". Die Antwort auf Ihre Frage, welche beruflichen Möglichkeiten Sie haben, bedarf sicherlich einer individuellen Analyse, die im Rahmen der Karriereberatung auf academics.de leider nicht zu leisten ist.

Eine ebenso sorgfältige Analyse bedarf die Frage, ob es in Ihrer speziellen Situation förderlich ist, an die Hochschule zurückzukehren. In diesem Rahmen stellt sich zunächst die Frage, welche Art von Hochschule (Universität oder Fachhochschule) generell in Betracht kommen könnte.

Bei all diesen Hochschularten wird es vor allem auf die "Passgenauigkeit" auf das Anforderungsprofil der konkreten Stelle ankommen. Eine dauerhafte Karriereoption an einer Universität setzt dabei sicherlich den Erwerb des Doktorgrades voraus. Einen solchen können Sie u. a. im Rahmen eines Arbeitsverhältnisses als wissenschaftliche Mitarbeiterin erwerben. Im Falle des Interesses an einer Tätigkeit an einer Universität ist es dabei regelmäßig notwendig, dass frühzeitig Kontakte in der Scientific Community geknüpft werden. An einer Fachhochschule ist diese Netzwerkbildung regelmäßig von weniger Gewicht, da hier viele Berufene "von außen" kommen. Zu bedenken ist im Zusammenhang mit einer universitären Karriere stets, dass unterhalb einer Professur Dauerstellen selten sind. Häufig handelt es sich um sog. "Qualifikationsstellen", die für einen begrenzten Zeitraum eingegangen werden, um etwa zu promovieren oder aber zu habilitieren bzw. habilitationsadäquate Leistungen zu erbringen.

Aber auch wenn Sie keine Karriere an der Hochschule anstreben, wird man sicherlich sagen können, dass die Promotion eine wichtige Voraussetzung für einen weiteren Karriereschritt außerhalb der Hochschule darstellt. Freilich werden Sie auch dann die jeweiligen Ausschreibungstexte sorgfältig zu analysieren haben, um festzustellen, ob und inwiefern die sonstigen Anforderungen an das Qualifikationsprofil des Bewerbers erfüllt sind.

Abschließend sei noch darauf hingewiesen, dass die Anfertigung einer Doktorarbeit selbstverständlich nicht nur im Rahmen eines wissenschaftlichen Mitarbeiter-Verhältnisses möglich ist, sondern auch als "Externe" neben der beruflichen Tätigkeit. Hier ist jedoch zu berücksichtigen, dass ein enger Kontakt zum Doktorvater bzw. -mutter unabdinglich ist.
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