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Berufsbilder im Fokus: Doktorand

Von Denise Haberger

Wer promoviert, verbessert seine Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Ob in der Wissenschaft oder in der Wirtschaft, der Doktortitel öffnet Türen und erhöht das Gehalt. Ein Überblick zum Berufsbild Doktorand.

Berufsbilder im Fokus: Doktorand © Kay Herschelmann Andreas Keller empfiehlt Doktoranden Durchhaltevermögen im Hinblick auf eine wissenschaftliche Karriere

Checkliste - Fakten zum Berufsbild Doktoranden

1. Definition:

Doktoranden sind Hochschulabsolventen, die an Lehrstühlen von Universitäten oder Graduiertenschulen promovieren. Sie werden von einer Professorin oder einem Professor betreut, der Doktormutter oder dem Doktorvater.

2. Einstieg:

Die Promotionsquote in Deutschland ist im internationalen Vergleich überdurchschnittlich hoch. Etwa ein Fünftel eines Jahrgangs promoviert. Möglichkeiten gibt es genug, die Herausforderung ist eher, geeignete Betreuer zu finden.

3. Aufgaben:

Die Hauptaufgabe ist natürlich das Verfassen der Dissertation. Wer als Wissenschaftlicher Mitarbeiter an einem Lehrstuhl angestellt ist, muss außerdem sogenannte Dienstaufgaben übernehmen. Das sind meist Lehrtätigkeiten im Rahmen von Seminaren und Übungen.

4. Voraussetzungen:

Grundbedingung ist ein - nicht allzu schlechter - Hochschulabschluss. Auch FH-Absolventen können eine Doktorarbeit schreiben, allerdings nur am Lehrstuhl einer Universität oder im Ausland.

5. Soft Skills:

Doktoranden sollten vor allem Geduld, Durchhaltevermögen und eine hohe Frustrationstoleranz mitbringen. Eigenmotivation und Selbstorganisation sind ebenso Pflicht. Sinnvoll ist auch, sich vernetzen zu können und eigene inhaltliche Positionen strategisch anzugehen.

6. Gehalt:

Wer berufsbegleitend promoviert, bekommt sein Gehalt von seinem Arbeitgeber. Die Höhe hängt von der jeweiligen Stelle ab. Stipendiaten können zum Beispiel beim DFG-Promotionsstipendium mit einer monatlichen Förderung zwischen 1.100 und 1.470 Euro rechnen. Wissenschaftliche Mitarbeiter werden in die Entgeltgruppe 13 des Tarifvertrags für den öffentlichen Dienst eingestuft und bekommen je nach Bundesland im ersten Berufsjahr ein Bruttojahresgehalt von 40.000 Euro bis 41.500 Euro. Das gilt allerdings nur für eine volle Stelle.

7. Perspektiven:

Der Doktortitel verbessert die Chancen auf einen Job und sorgt für ein höheres Gehalt. Für eine wissenschaftliche Karriere ist er Grundvoraussetzung. Allerdings sind gute Positionen in der Wissenschaft rar. Das Berufsziel Professur sollte also wohl überlegt sein und frühzeitig vorbereitet werden.
Deutschland hat im internationalen Vergleich eine überdurchschnittlich hohe Promotionsquote: Laut dem Bundesbericht Wissenschaftlicher Nachwuchs 2013 (BuWin) wurden 2010 etwa 25.600 Doktortitel vergeben, das entspricht einem Fünftel aller Absolventen. Der Altersdurchschnitt lag bei 33 Jahren, 44 Prozent der Dissertationen wurden von Frauen geschrieben.

Wer promoviert, hat bessere Chancen, eine Stelle zu finden. Promovierte sind im Alter von 35 bis 45 Jahren in allen Fächergruppen fast vollständig erwerbstätig, so die Studie. Auch in Sachen Gehalt ist die Doktorarbeit hilfreich: Das Bruttojahreseinkommen von Promovierten ist zehn Jahre nach dem ersten Studienabschluss um etwa 20 Prozent höher ist als das der Nicht-Promovierten des gleichen Prüfungsjahrgangs.

Allerdings ergeben sich deutliche Unterschiede zwischen Wissenschaft und Privatwirtschaft. In der Industrie verdienen Mitarbeiter mit Doktortitel deutlich mehr als ihre Pendants an Hochschulen, auch gibt es dort viel weniger befristete Stellen als in der Wissenschaft.

Selbst wenn die Promotion laut BuWin mit ihrer "doppelten Qualifizierungsfunktion" viele Karrierewege im wissenschaftlichen und nicht wissenschaftlichen Bereich eröffnet, sind die Chancen an Hochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen schlecht, weiß Mathias Winde vom Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft: "Der Flaschenhals nach der Promotion wird immer enger." Das bestätigt auch Andreas Keller von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW): "Es gibt zu wenig Stellen für den Verbleib von Nachwuchswissenschaftlern".

Mehrere Wege zur Promotion

Über die Nachteile ist sich Hristina Markova im Klaren, dennoch will sie versuchen, sich als Wissenschaftlerin durchzusetzen. Die Soziologin hat im Februar 2013 an der Uni Heidelberg promoviert. Derzeit ist sie an der Uni Jena Postdoc. Ihre Promotionszeit hat sie positiv in Erinnerung. "Ich wurde gut betreut, hatte regelmäßigen Kontakt zu meinem Doktorvater und bekam am Schluss von ihm eine sehr umfassende Rückmeldung zu meiner Arbeit", fasst die 30-Jährige zusammen.

Ihre Promotion erst ermöglicht habe ihr ein Stipendium der Friedrich-Ebert-Stiftung im Rahmen der Graduiertenförderung. Eine Stelle am Institut hatte sie nicht, da sie dort vorher allerdings als wissenschaftliche Hilfskraft gearbeitet hatte, durfte sie ihren Arbeitsplatz behalten. Außerdem hat sie am Institutskolloquium teilgenommen, in dessen Rahmen sich einmal wöchentlich alle Doktoranden treffen und austauschen. Diese Einbindung habe ihr sehr geholfen: "Alleine hätte ich das nicht geschafft", so Markova.

In Deutschland gibt es mehrere Möglichkeiten zu promovieren. Der häufigste Weg ist eine Promotion an einem Lehrstuhl (interne Promotion). Manche schreiben ihre Dissertation berufsbegleitend, andere bekommen Geld über Stipendien. Der klassische Weg der Finanzierung ist allerdings die Tätigkeit als Wissenschaftlicher Mitarbeiter. Das sind häufig halbe und befristete Stellen. Bezahlt werden die Doktoranden nach dem Tarifrecht für den öffentlichen Dienst und meist nach der Entgeltgruppe 13. Das entspricht je nach Bundesland im ersten Berufsjahr einem Bruttojahresgehalt von 40.000 Euro bis 41.500 Euro - für eine volle Stelle.

Zusätzlich zu ihrer Promotion müssen sie sogenannte Dienstaufgaben übernehmen, etwa Seminare und Übungen halten. "Oft sind Doktoranden auf den halben Stellen überlastet und haben nicht genug Zeit für ihre eigentliche Arbeit", weiß Anke Burkhardt vom Institut für Hochschulbildung, "das verzögert oft den Promotionsabschluss oder ist sogar ein Grund abzubrechen". Andreas Keller sieht auch in den kurzen Zeitverträgen ein großes Problem: "Doktoranden müssen ständig um eine Verlängerung zittern".

Als Doktorand klare Positionierung anstreben

Neben dem Lehrstuhl gibt es auch die strukturierte Promotion, etwas an einer Graduiertenschule, einem Graduiertenkolleg oder im Rahmen eines strukturierten Promotionsprogramms. Das sind Einrichtungen an Hochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen, an denen man seine Doktorarbeit schreiben kann und gleichzeitig an einem strukturierten Ausbildungsprogramm teilnimmt.

Volker Tjaden wählte diesen Weg. Er schloss gerade an der Bonner Graduate School of Economics seine Promotion ab. Den größten Vorteil an einer Graduiertenschule sieht der Volkswirt in der Gemeinschaft. "Dort ist man kein Einzelkämpfer", sagt der 30-Jährige, "ich konnte von den Mitpromovierenden am meisten lernen". Tjaden hatte keine Verpflichtungen und konnte sich so vollkommen seiner Forschung widmen. Seinen Lebensunterhalt sicherte er sich über ein DFG-Promotionsstipendium.

Berufsbilder im Fokus: Doktorand Volker Tjaden schätzte als Doktorand an einer Graduiertenschule die Gemeinschaft der Mitpromovierenden
Das bringt monatlich zwischen rund 1.100 und 1.470 Euro. Allerdings erwirbt man so während der Promotion keine Rentenansprüche und muss sich selbst um die Krankenversicherung kümmern. Aktuell arbeitet Tjaden in Bonn als Postdoc, ist sich der Risiken einer wissenschaftlichen Karriere aber ebenfalls bewusst: "Ich gebe mir zwei Jahre, wenn es bis dahin nicht mit einer Juniorprofessur geklappt hat, orientiere ich mich um", sagt er.

Wer eine wissenschaftliche Karriere anstrebe, sollte sich vor allem gut vernetzen und präsentieren können, so Tjaden. "Wichtig ist ebenso, die inhaltliche Positionierung strategisch anzugehen", sagt der 30-Jährige, "auch Wissenschaft unterliegt Trends. Denen sollte man nicht hinterherhinken". Für Hristina Markova sind Geduld und eine hohe Frustrationstoleranz hilfreiche Eigenschaften für Doktoranden. Laut Mathias Winde sollten Nachwuchswissenschaftler außerdem Eigenmotivation und Selbstorganisation mitbringen. "Ganz wichtig ist Durchhaltevermögen", weiß Andreas Keller, "denn Forschungsvorhaben sind oft steinig, da zahlt sich Hartnäckigkeit aus".

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academics :: September 2013