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Berufsbilder im Fokus: Entwicklungsingenieur


Von Denise Haberger

Entwicklungsingenieure sind Problemlöser. Sie klären, warum etwas nicht funktioniert und bringen Dinge zum Laufen. In Unternehmen fast aller Branchen entwickeln sie neue Technologien oder optimieren bereits bestehende Lösungen.

Berufsbilder im Fokus: Entwicklungsingenieur © Foto Hemstedt in Leck Philipp Rostalski, Entwicklungsingenieur bei Dräger, kann in der Grundlagenentwicklung Theorie und Praxis kombinieren
Dr. Philipp Rostalski reizte die industrielle Praxis: Nach Promotion und Postdoc-Phase wollte der Elektrotechniker unbedingt etwas Angewandtes machen. "Ich habe an den Unis spannende theoretische Projekte bearbeitet, aber mir fehlte immer der Schritt dahin, das Theoretische auch umzusetzen", sagt der 34-Jährige. 2011 stieg er bei der Dräger in Lübeck als Entwicklungsingenieur ein. Das Unternehmen stellt Produkte im Bereich der Medizin- und Sicherheitstechnik her. Philipp Rostalski arbeitet dort in der Grundlagenentwicklung. Seine Aufgabe: wissenschaftliche Neuerungen im Blick haben und überprüfen, ob diese Ideen für seinen Arbeitgeber interessant und umsetzbar sind. Dafür hält er den Kontakt zu Hochschulen und fährt regelmäßig zu Konferenzen. Ist das Unternehmen von einer Idee begeistert, geht es im nächsten Schritt um deren Realisierbarkeit.

Checkliste - Fakten zum Berufsbild Entwicklungsingenieur

1. Aufgaben:

Entwicklungsingenieure arbeiten an neuen Produkten und/oder technischen Verfahren. Sie entwickeln sie neu oder optimieren sie. Je nach Größe des Auftrags kann dies in Teilprojekten geschehen.

2. Einsatzgebiete:

Entwicklungsingenieure sind in nahezu jeder Branche gefragt, besonders jedoch in der Automobilbranche, im Maschinen- und Anlagenbau sowie in der Elektroindustrie. Typische Einsatzgebiete sind Weiße Ware (Haushaltsgeräte), Automatisierungs-, Fahrzeug- und Medizintechnik.

3. Einstieg:

In den meisten Unternehmen mit Entwicklungsabteilungen können Hochschulabsolventen bei entsprechender Eignung direkt einsteigen. Manchmal gibt es alternativ auch Traineeprogramme.

4. Voraussetzungen:

Mit nahezu jedem ingenieurwissenschaftlichen Studiengang kann man als Entwicklungsingenieur Fuß fassen. Die Klassiker sind Maschinenbau und Elektrotechnik. In vielen Stellenausschreibungen wird keine Berufserfahrung vorausgesetzt. Bewerber sollten sich allerdings bereits im Studium Grundlagen für das jeweilige Fachgebiet angeeignet haben. Das fachspezifische Wissen folgt dann im Unternehmen.

5. Soft Skills:

Die Entwicklungsgeschwindigkeit in Deutschland ist hoch, daher müssen Entwicklungsingenieure am Ball bleiben können. Wer problemlos von einem Thema zum nächsten springen und sich schnell in neue Probleme einarbeiten kann, bringt wichtige Voraussetzungen mit. Kreativität, Detailverliebtheit, Teamfähigkeit und Kommunikationsfähigkeit sind ebenso notwendige Eigenschaften. Entwicklungsingenieure arbeiten zunehmend international, daher sind Sprachkenntnisse, vor allem Englisch, ein Muss.

6. Gehalt:

Die Verdienstmöglichkeiten sind vielversprechend. Laut Gehaltsdatenbank Personalmarkt können Entwicklungsingenieur-Einsteiger mit 48.000 Euro brutto im Jahr rechnen. Bei Entwicklungsingenieuren mit mehr als zwei Jahren Berufserfahrung kann das Gehalt auf knapp 67.000 Euro klettern. Generell gilt: Je höher die Karrierestufe, desto höher auch der Verdienst. Bei Personalverantwortung und entsprechender Berufserfahrung sind bis zu 97.000 Euro Jahresgehalt möglich.

7. Perspektiven:

Deutschland steht für Innovation. Daher werden Entwicklungsingenieure gesucht und das wird auch in Zukunft so bleiben.
Besonders faszinierend finde er an seinem Job die Möglichkeit, Einfluss auf neue Technologien zu nehmen. Eine große Herausforderung sieht er in der zunehmenden Komplexität der Systeme und darin, gut vernetzt zu sein: "Heutzutage macht man nichts mehr alleine, daher muss man mit vielen verschiedenen Menschen zusammenarbeiten können", erklärt Rostalski. Auch die Kompetenz, sich schnell in neue Probleme hineinzuarbeiten, hält er für eine bedeutende Fähigkeit für seinen Beruf.

Entwicklungsingenieure auf dem Arbeitsmarkt gefragt

Berufsbilder im Fokus: Entwicklungsingenieur © privat Thomas Hegger
Das bestätigt auch Thomas Hegger, Personalberater aus Berlin und beim "Verband der Elektrotechnik, Elektronik Informationstechnik" (VDE) Mitglied im Ausschuss "Beruf Gesellschaft und Technik". "Die Entwicklungsgeschwindigkeit ist in Deutschland sehr hoch", sagt Hegger, "Ingenieure müssen da mithalten können." Gute Entwicklungsingenieure seien außerdem kreativ, detailverliebt und gingen an die Grenzen des technisch Machbaren. Sie müssen kommunikativ sein und in Gruppen arbeiten können. "Mittlerweile findet man keinen Daniel Düsentrieb mehr, der alleine in der Garage tüftelt", so Hegger.

Die Karrieremöglichkeiten für Entwicklungsingenieure beurteilt der Personalberater als sehr gut. Sie kommen in fast allen Branchen unter, besonders gefragt sind sie in der Automobilbranche, im Maschinen- und Anlagenbau sowie in der Elektroindustrie. Auch die Fachrichtung spielt kaum eine Rolle. Die Klassiker sind Maschinenbau und Elektrotechnik. Betrachtet man die Stellenanzeigen, wird häufig keine Berufserfahrung vorausgesetzt. "Die Grundlagen für die Arbeit im jeweiligen Fachgebiet haben sich die Entwicklungsingenieure in ihrem Studium erarbeitet, das fachspezifische Wissen eignen sie sich im Unternehmen an", weiß Hegger. Im Laufe ihrer Karriere können sie sich dann meist zwischen einer Fachkarriere, zum Beispiel als Projektleiter oder Spezialist, oder einer Managementlaufbahn entscheiden.

Häufige Einsatzgebiete: Automatisierungs-, Fahrzeug- und Medizintechnik

Berufsbilder im Fokus: Entwicklungsingenieur © privat Sonja Hanselmann
Häufig werden die Ingenieure für die Entwicklung von Produkten im Bereich der sogenannten Weißen Ware, also Haushaltsgeräte, sowie in den Bereichen Automatisierungs-, Fahrzeug- oder, wie Dr. Sonja Hanselmann, in der Medizintechnik eingesetzt. Die 37-jährige Maschinenbauerin hat im Bereich Produktionstechnik promoviert und ist seit zwei Jahren beim Elektronikkonzern Philips für diagnostische Röntgensysteme zuständig. Sie entwickelt die Anlagen als solche weiter und optimiert sie. Ihre Arbeit beginnt meist mit einem konkreten Kundenwunsch, den sie dann einer Machbarkeitsstudie unterzieht. "Ganz wichtig in der Medizintechnik ist auch die Risikoanalyse", erklärt Hanselmann, "denn mit unseren Produkten kommen Patienten direkt in Kontakt."

Nach Konzepten, Detailentwicklungen, Prototypen und Zulassungstest können einige Wünsche dann in Serie gehe. Manche hingegen scheitern an Sicherheitsvorgaben. "Das ist aber auch das Spannende: zu sehen wo die Grenzen zwischen Vorstellung und Umsetzung sind", sagt Hanselmann, "genau das regt ja zum Weiterdenken an". Eines in dem stark regulierten Umfeld der Medizintechnik gefällt ihr hingegen nicht ganz so gut: "Auch wenn ich die meisten für sinnvoll halte, aber als Entwicklerin sind mir einige Einschränkungen zu strikt", so Hanselmann, "manchmal möchte ich Dinge auch einfach umsetzen können."

Jahresgehalt von 60.000 Euro und aufwärts realistisch

Vor allem die internationale Arbeit sei eine spannende Herausforderung: "Die Anforderungen sind in jedem Land anders und ich muss kulturelle sowie sprachliche Barrieren überwinden können." In der Medizintechnik sieht Sonja Hanselmann ein großes Jobpotenzial für Entwicklungsingenieure: "Wir werden immer älter und brauchen viel länger und mehr medizinische Versorgung", weiß Hanselmann, "daher hat die Entwicklung solcher Geräte Zukunft." Die positiven Aussichten überträgt Thomas Hegger vom VDE auf alle Einsatzbereiche: "Wir leben von der Kreativität unserer Ingenieure", erklärt er, "Deutschland steht für Hightech-Produkte und um unsere führende Position auf dem Weltmarkt behaupten zu können, brauchen wir gute Entwicklungsingenieure."

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academics :: September 2013