Das Karriereportal für Wissenschaft & Forschung von In Kooperation mit DIE ZEIT Forschung und Lehre

Berufsbilder im Fokus: Juniorprofessor

Von Denise Haberger

2002 wurde die Juniorprofessur eingeführt, um dem wissenschaftlichen Nachwuchs eine Perspektive zu geben. Elf Jahre danach ist das Ziel noch lange nicht erreicht. Doch eins hat sich gezeigt: Die Juniorprofessur ist in manchen Fächern eine Alternative zur Habilitation geworden.

Berufsbilder im Fokus: Juniorprofessor © privat Alexander Danzer, Juniorprofessor an der LMU, sieht die befristete Anstellung von Juniorprofessoren kritisch
Weniger Stellen und die starke Befristungstendenz machen wissenschaftliche Karrieren in Deutschland zunehmend schwierig. Die fehlende Planungssicherheit macht vielen Nachwuchswissenschaftlern zu schaffen. Julia Tjus hat das nicht abgeschreckt und wurde für ihren Mut belohnt. Die 34-Jährige ist seit Juli Professorin für Astrophysik an der Ruhr-Universität Bochum. Das Bemerkenswerte daran: Julia Tjus kam 2009 als Juniorprofessorin nach Bochum. Bereits drei Jahre später bot ihr die Uni eine volle Professur an. Rückblickend sagt Tjus heute: "Die Juniorprofessur war eine anstrengende Zeit." Die neuen Aufgaben und die höhere Verantwortung haben sie unvorbereitet getroffen, "aber durch den kleineren Rahmen hatte ich genug Zeit, mich einzufinden."

Mit dem "kleineren Rahmen" meint Tjus die geringeren Lehrverpflichtungen. Vollprofessoren müssen im Semester neun Stunden pro Woche lehren, Juniorprofessoren vier bis sechs Stunden. "Sie werden so langsam an die Lehr- und Prüfungspflichten einer vollen Professur herangeführt und haben mehr Zeit für die Forschung", erklärt Sibylle Baumbach, Sprecherin der Jungen Akademie, der nach eigenen Angaben weltweit ersten Akademie für den wissenschaftlichen Nachwuchs.

Auch in Sachen Gehalt unterscheiden sich die beiden Positionen. Im Gegensatz zu den Vollprofessoren werden Juniorprofessoren nicht nach den Besoldungsgruppen W2 oder W3 bezahlt, sondern nach W1. Je nach Bundesland bewegt sich das monatliche Gehalt zwischen knapp 3.700 Euro (in Berlin) und 4.150 Euro (im Bund). Nach drei Jahren kann es eine Zulage von 260 Euro geben. Doch selbst damit können sie nicht aufschließen: mit einer W3-Professur sind Gehälter zwischen 5.100 Euro (in Berlin) und 5.800 Euro (Bund, Stufe 1) möglich. Die Differenz vergrößert sich noch einmal, wenn Juniorprofessoren nicht - wie im Regelfall - als Beamte auf Zeit, sondern als Angestellte beschäftigt werden. Dann müssen sie nämlich Sozialversicherungsabgaben zahlen.

Berufsbilder im Fokus: Juniorprofessor © HBZett/Stefan F. Sämmer Sibylle Baumbach, Sprecherin der Jungen Akademie, rät Juniorprofessoren sich parallel nach beruflichen Alternativen umzusehen

"Juniorprofessoren müssen sich erst noch als Hochschullehrer bewähren"

Der größte Unterschied ist jedoch, dass Juniorprofessoren befristet angestellt werden. Ihr Anstellungsverhältnis läuft erst einmal drei Jahre und wird nach einer erfolgreichen Evaluation um bis zu weitere drei Jahre verlängert. "Die Juniorprofessur ist eine Qualifikationsphase, in der sich Juniorprofessoren erst noch als Hochschullehrer bewähren müssen", weiß Wiltrud Christine Radau vom Hochschulverband, der Berufsvertretung der Universitätslehrer in Deutschland. Die Befristung selbst bei positiver Evaluation sei ein "katastrophaler Konstruktionsfehler", findet Alexander Danzer. Der 34-Jährige ist seit November 2010 Juniorprofessor für Volkswirtschaftslehre an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Vor seiner Zwischenevaluation im Herbst hat er keine Angst, allerdings bangt er um die Zeit danach: "Die Juniorprofessur gibt einem Unabhängigkeit und Freiraum, aber es fehlen einfach die langfristigen Perspektiven", sagt der Wirtschaftswissenschaftler.

Abhilfe sollte der sogenannte tenure track schaffen. Diese Option soll Juniorprofessoren nach spätestens sechs Jahren eine Festanstellung garantieren. "Es ist allerdings eher ein 'Kann' als ein 'Muss' ", sagt Sibylle Baumbach. Außerdem bieten kaum Hochschulen diese Option an. "Der tenure track ist in Deutschland noch lange nicht die Regel", sagt Radau, "aber auch wenn es nicht explizit in der Ausschreibung erwähnt wurde, gelingt es doch immer häufiger, nach der Juniorprofessur eine Lebenszeitprofessur zu erhalten." Um ihre Position in den Bleibeverhandlungen zu stärken, empfiehlt sie, sich zeitgleich auch an anderen Hochschulen umzusehen und so den Druck zu erhöhen.

Juniorprofessur in einigen Fächern eine Alternative zur Habilitation

Einen klassischen Weg zur Juniorprofessur gibt es nicht. Rein theoretisch befähigt schon eine sehr gute Promotion für die Position. Tjus und Danzer sind den "Umweg" über eine Postdoc-Stelle gegangen. Laut Wiltrud Christine Radau hat sich die Juniorprofessur seit ihrer Einführung in nicht wenigen Fachdisziplinen "als Baustein auf dem Weg zur Vollprofessur etabliert".

Das deuten auch die Zahlen des Statistischen Bundesamtes an: 2011 haben sich 1.563 Wissenschaftler habilitiert, 2002 waren es noch knapp 750 mehr. Die Zahl der Juniorprofessuren stieg im selben Zeitraum von 102 auf 1.332. Allerdings zeigt sich ein deutlicher Schwerpunkt bezüglich der Fächergruppen: Juniorprofessuren gibt es hauptsächlich in Mathematik und Naturwissenschaften, Sprach- und Kulturwissenschaften sowie Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften. Dennoch bleiben die Aussichten, am Ende eine volle Professur zu erreichen, begrenzt. 2010 gab es lediglich 650 Neuberufungen, der Anteil der Professoren am gesamten wissenschaftlichen Personal deutscher Hochschulen macht lediglich neun Prozent aus.

Juniorprofessoren, die vermeintlich kurz vor Erreichen ihres Zieles stehen, sollten sich daher parallel nach beruflichen Alternativen umsehen. Wie Alexander Danzer: "Für den Fall, dass es nach den sechs Jahren nicht weitergeht, pflege ich schon jetzt Kontakte zu Internationalen Organisationen. Ich werde nicht mein Leben lang im wissenschaftlichen Betrieb hängen bleiben, ohne echte Perspektive auf die Professur." Auch Sibylle Baumbach warnt davor, sich "zu weit weg von anderen Berufsbildern" zu bewegen. Denn sollte es nicht klappen, falle es oft schwer, sich umzuorientieren. Dennoch würde sie nicht grundsätzlich von einer wissenschaftlichen Laufbahn abraten. Wer sich trotz der Umstände dafür entscheide, müsse neben der fachlichen Expertise vor allem Durchhaltevermögen und eine hohe Motivation mitbringen, so Baumbach. Für Julia Tjus ist vor allem die Bereitschaft, für eine Stelle umzuziehen, wichtig. Und laut Alexander Danzer ist der Wille zum hohen Arbeitspensum ausschlaggebend: "Die Verteilung der Begabung ist in diesen Positionen sehr dicht", so der Juniorprofessor, "am Ende entscheidet der Fleiß."

Lesen Sie auch die Checkliste: "Wie hoch ist das Gehalt bei einer Juniorprofessur?"»
Zurück zur Einstiegsseite: "Berufsbilder im Fokus"»

academics :: September 2013