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Berufsbilder im Fokus: Postdoc

Von Denise Haberger

Als Postdoktorand vertieft man nach der Promotion sein Fachgebiet und sammelt wichtige Erfahrungen auf dem Weg zur Professur. Doch die Postdocs sollten vor allem eines bedenken: Eine Strategie für den Ausstieg vom Einstieg in die Wissenschaft ist nicht verkehrt, denn sichere Stellen sind dort Mangelware.

Berufsbilder im Fokus: Postdoc © privat Stefanie Eyerich hatte Glück und konnte nach ihrer Zeit als Postdoc weiter in der Wissenschaft arbeiten
Stefanie Eyerichs Karriere verlief wie am Schnürchen: Biologie-Studium in München, Promotion am Zentrum Allergie und Umwelt, ein Jahr Postdoc in London sowie eines in München und seit Anfang des Jahres Nachwuchsgruppenleitung am Helmholtz Zentrum München. Dort beschäftigt sie sich mit biologischer Grundlagenforschung, ihr Schwerpunkt sind allergische Erkrankungen der Haut. "Ich wollte schon immer wissen, wie Krankheiten funktionieren", erzählt die 35-Jährige. Den größten Nachteil einer wissenschaftlichen Laufbahn sieht sie insbesondere darin, dass man sich auf nichts verlassen könne. Dennoch habe sie das Risiko nicht gescheut und sich mit einer großen Portion Mut und Überzeugung darauf eingelassen. "Ich hatte aber auch viel Glück und fand immer direkt Anschluss", sagt die Biologin.

So wie bei Stefanie Eyerich läuft es jedoch nur für die Wenigsten. Zwar gibt es mittlerweile immer mehr Postdoc-Stellen, doch Sibylle Baumbach von der Jungen Akademie warnt vor allzu großen Hoffnungen: "Spätestens nach der Postdoc-Phase sind die Chancen extrem schlecht. Dann verengt sich der Flaschenhals rapide und die Stellen werden immer weniger." Die zunehmende Förderung von Postdocs sei ein falsches Signal, wenn nicht gleichzeitig auch Perspektiven für die Zeit danach geschaffen würden, so Baumbach.

Checkliste - Fakten zum Berufsbild Postdoc

1. Definition:

Postdoc ist ganz grob erklärt die Phase zwischen Promotion und Professur. Es ist eine Qualifizierungsphase, in der sich Postdocs vertiefend mit ihrem Fachgebiet beschäftigen. Typischerweise ist eine Stelle auf zwei Jahre begrenzt.

2. Einstieg:

Es gibt immer mehr Förderprogramme und daher zunehmend Postdoc-Stellen. Nachwuchswissenschaftler haben also gute Chancen, eine davon zu ergattern.

3. Aufgaben:

Ein Postdoc forscht zu einem bestimmten Thema. Je nach Stelle kommen auch Lehrtätigkeiten hinzu.

4. Voraussetzungen:

Die formale Voraussetzung für eine Postdoc-Stelle ist eine möglichst sehr gute Promotion.

5. Soft Skills:

Neben den wissenschaftlichen Fähigkeiten sind Methodenkenntnisse im Projektmanagement hilfreich, da Postdocs häufig in Projekten arbeiten. Begeisterung, Idealismus und Ehrgeiz sollten sie ebenso mitbringen. Ein Auslandsaufenthalt kann die Chancen verbessern.

6. Gehalt:

Postdocs bekommen entweder Forschungsstipendien oder werden als Wissenschaftliche Mitarbeiter bezahlt. Das bedeutet in der Regel eine Einordnung in die Entgeltgruppe TV-L 13, sprich im ersten Berufsjahr ein Jahresgehalt zwischen fast 40.000 Euro und knapp 41.500 Euro (je nach Bundesland).

7. Perspektiven:

Postdoc-Stellen sind befristet. Rein theoretisch könnte man eine Postdoc-Stelle nach der anderen annehmen. Doch das Wissenschaftszeitvertragsgesetz setzt ein paar Grenzen: Handelt es sich nicht um eine Drittmittelstelle, ist meist sechs Jahre nach der Promotion Schluss. Der wissenschaftliche Nachwuchs muss dann entweder unbefristet beschäftigt werden oder hat an Hochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen kaum noch Chancen. Mögliche Schritte nach dem Postdoc sind die Juniorprofessur, die Nachwuchsgruppenleitung und die Habilitation.

Befristete Verträge sorgen für mangelnde Planbarkeit

Berufsbilder im Fokus: Postdoc © privat René Krempkow
Eine weitere Problematik: Inhalte, Dauer und Grenzen der Postdoc-Phase sind undefiniert. "Postdoc ist eine zeitlich begrenzte wissenschaftliche Tätigkeit an einer Forschungseinrichtung nach der Promotion", erklärt Hochschulforscher René Krempkow grob, "sie ist häufig eine Übergangsphase, die der wissenschaftlichen Weiterqualifikation dient." Laut dem Experten solle die Postdoc-Phase idealerweise nicht länger als zwei bis vier Jahre dauern, doch hängen einige Nachwuchswissenschaftler viel zu lang in Postdoc-Stellen fest. Krempkow sieht in der "Kettenbefristung" eine große Hürde: "Das Wissenschaftszeitvertragsgesetz begrenzt die befristete Tätigkeit in der Wissenschaft nach der Promotion zwar auf sechs Jahre", sagt er, "doch auf Drittmittelforschungsstellen ist es möglich, noch lange jenseits des 40. Lebensjahres zum "wissenschaftlichen Nachwuchs" gezählt zu werden".

Die Folge ist mangelnde Planbarkeit und eine große Unsicherheit über die eigene Zukunft. "Das findet in der Phase im Leben statt, in dem normalerweise die Weichen für Karriere und Privatleben gestellt werden", erklärt Anjana Buckow von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG). Die Postdoc-Phase könne dennoch als Durchgangsphase sinnvoll sein und müsse keine Position zum Zwischenparken sein. "In dieser Zeit kann man wertvolle Erfahrungen sammeln, bis hin zur wissenschaftlichen Unabhängigkeit", sagt Buckow.

Postdocs werden meist wie Wissenschaftliche Mitarbeiter bezahlt

Berufsbilder im Fokus: Postdoc © privat Postdoc Timo Kehl
Finanziert werden Postdoc-Stellen meist über Drittmittel. Die Postdocs selbst bekommen entweder Forschungsstipendien für einen Auslandsaufenthalt oder befristete Projektstellen, wie etwa von der DFG, oder werden von den Hochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen bezahlt. Rein formal sind sie dort Wissenschaftliche Mitarbeiter und werden daher meist auch so entlohnt. In der Regel verdienen Postdocs je nach Bundesland im ersten Berufsjahr zwischen fast 40.000 Euro und knapp 41.500 Euro (TV-L 13) brutto im Jahr. In Einzelfällen ist auch eine Entgeltgruppe höher drin.

Weder das vergleichsweise geringe Gehalt noch die eher schlechten Rahmenbedingungen für langfristige Beschäftigungsverhältnisse haben Timo Kehl davon abgehalten, sich für eine wissenschaftliche Laufbahn zu entscheiden. Der 36-Jährige ist seit 2011 Postdoc am Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg. Sein Arbeitsschwerpunkt ist die angewandte Tumorvirologie. Er erforscht tierische Retroviren und die mögliche Übertragung derer auf den Menschen sowie mögliche daraus resultierende Erkrankungen. Die Arbeit mache ihm Spaß, aber er beurteile seine Situation realistisch, so Kehl. Seine aktuelle Stelle läuft noch ein halbes Jahr, dann wird sie entweder verlängert oder Timo Kehl muss sich anderweitig umschauen. Seine Alternative: raus aus der aktiven Forschung und rein in die Administration. Denn in diesem Bereich stünden die Chancen gut, eine Stelle zu bekommen. "Ich wollte nicht mit Scheuklappen herumlaufen", sagt Kehl, "der Plan B war mir von Anfang an wichtig." Eyerichs Plan B, sollte es nach der Nachwuchsgruppenleitung nicht weitergehen, ist noch etwas wage. In die Industrie abzuwandern könne sie sich vorstellen, doch "bisher gab es immer einen Weg", sagt Stefanie Eyerich und ergänzt: "Eine gesunde Portion Optimismus ist ganz wichtig in der Wissenschaft."

Auslandsaufenthalte verbessern die Chancen

Wer Spaß an der Arbeit habe und vorher wisse, worauf er sich einlässt, sollte an seinen Zielen trotz der Umstände festhalten, plädiert Eyerich. Auch Timo Kehl rät jungen Forschern vom Schritt in die Wissenschaft nicht grundsätzlich ab. Wichtig sei, dass sie "viel Begeisterung, Idealismus und Ehrgeiz" mitbrächten und sich auch "nicht von Misserfolgen abschrecken lassen". Auch Kenntnisse im Projektmanagement sind sinnvoll, da Postdocs oft in Projekten involviert seien, so Kehl. Stefanie Eyerich rät zum Schritt ins Ausland, um die Chancen zu verbessern.

academics :: September 2013

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