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Berufsbilder im Fokus: Wissenschaftsmanager


Von Denise Haberger

Das deutsche Wissenschaftssystem befindet sich seit Jahren im Wandel. Neue Rahmenbedingungen erfordern neue Strategien. Wissenschaftsmanager als Berufsbild gewinnen zunehmend an Bedeutung: Sie leiten, steuern und organisieren die Hochschulen und Forschungseinrichtungen. Noch müssen sie allerdings vielerorts um Anerkennung kämpfen. Carsten Feller, Mitgründer des Netzwerks Wissenschaftsmanagement, spricht im Interview über fehlende Identität, mangelnde Karrierewege und warum sich der Beruf trotzdem lohnt.

Berufsbilder im Fokus: Wissenschaftsmanager © Hochschule Fulda Carsten Feller sieht durch die verstärkte Wettbewerbssituation an Hochschulen einen steigenden Bedarf an Wissenschaftsmanagern
academics: Wissenschaftsmanagement ist ein vergleichsweise junges Berufsbild. Warum brauchen Hochschulen und Forschungseinrichtungen heute überhaupt Wissenschaftsmanager?

Carsten Feller: Die Bedeutung von Wissenschaftsmanagement ist in den vergangenen Jahren vor allem aus zwei Gründen gestiegen: Zum einen gibt es heute eine stärkere Wettbewerbssituation im deutschen Wissenschaftssystem. Zum anderen sind Hochschulen autonomer als früher. Beides führte dazu, dass sie ihre strategische Steuerung verbessern mussten. Zu den bisherigen Tätigkeitsfeldern kamen weitere Managementaufgaben, beispielsweise im Bereich der neuen Professionen hinzu.

academics: Wie wichtig sind Wissenschaftsmanager für Hochschulen und Forschungseinrichtungen?

Feller: Sie spielen eine entscheidende Rolle. Nehmen wir das Beispiel Exzellenzinitiative: Es gibt keine exzellente Uni ohne exzellente Leitung. Hinter jeder erfolgreichen Universität steht eine ausgezeichnete Managementleistung.

"Managementaufgaben sind sehr vielfältig und in vielen Bereichen notwendig"

academics: Ist der Wissenschaftsmanager mittlerweile als eigenständiger Beruf anerkannt?

Feller: Das Berufsbild formiert sich gerade. Die Branche ist gerade im Findungs-, im Ausprägungsprozess. Andere Länder sind da schon weiter, etwa die USA und Großbritannien. Dort ist das Berufsbild längst etabliert. Das liegt vor allem daran, dass in diesen Ländern der Wettbewerb zwischen den Hochschulen schon seit langer Zeit viel ausgeprägter ist. Deutschland hängt in dieser Entwicklung noch hinterher.

Zur Person

Carsten Feller (46) studierte Geschichte, Politikwissenschaft, Philosophie, öffentliches Recht und Wirtschaftswissenschaften in Gießen und Lissabon. Nach Stationen im Referat für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Universität Gießen und als Projektleiter beim Transferzentrum Mittelhessen gründete er eine PR-Agentur.

An der FH Schmalkalden leitete er von 1997 bis 2007 das Referat für Kommunikation und Hochschulentwicklung. Danach war er gut vier Jahre lang Kanzler der Hochschule Fulda. Währenddessen absolvierte er berufsbegleitend das zweijährige MBA-Studium Hochschul- und Wissenschaftsmanagement an der Hochschule Osnabrück. Seit 2011 leitet er das Referat Universitäten und Kunsthochschulen im Sächsischen Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst. Feller ist zudem stellvertretender Vorsitzender des Netzwerks Wissenschaftsmanagement.
academics: In welchen Positionen arbeiten Wissenschaftsmanager üblicherweise?

Feller: Wissenschaftsmanager arbeiten vor allem in Hochschulen, außeruniversitären Forschungseinrichtungen, Wissenschaftsorganisationen und Ministerien. Management findet sich überall dort, wo selbstständig Steuerungsaufgaben wahrgenommen werden.

academics: Was sind typische Aufgaben?

Feller: Das kann man schlecht auf bestimmte Tätigkeiten beschränken. Die Managementaufgaben sind sehr vielfältig und in vielen Bereichen notwendig. Natürlich denkt man zunächst an Führungsfunktionen in der Hochschulleitung, Fakultätsleitung, in Verwaltung und zentralen Einrichtungen. In den vergangenen Jahren kamen ganz neue Felder hinzu, zum Beispiel Diversity-, Alumni- und Qualitätsmanagement. Und bestehende Funktionen bekamen neue Perspektiven, wie etwa die Personalentwicklung und das Gebäudemanagement.

"Je höher die Position, desto mehr Männer finden sich."

academics: Welche Kompetenzen müssen Wissenschaftsmanager dafür mitbringen?

Feller: Sie müssen vor allem eine hohe Affinität zum Wissenschaftsbetrieb haben und um dessen Besonderheiten wissen. Natürlich ist auch Fachkompetenz für die jeweilige Funktion notwendig, die für jede Funktion spezifisch ist. Wichtig sind darüber hinaus Methodenkompetenzen, wie zum Beispiel Führungs-, Organisations- und Kommunikationsfähigkeiten.

academics: Streben dieses Berufsfeld mehr Frauen oder mehr Männer an?

Feller: Auf den unteren Karriereebenen des Wissenschaftsmanagements sind es mehr Frauen. Vor allem in den neuen Professionen arbeiten häufig Frauen. Leider ist es hier wie in vielen Bereichen: Je höher die Position, desto mehr Männer finden sich.

academics: Besteht die Gefahr, dass die Arbeit zu einem trockenen Verwaltungsjob verkommt?

Feller: Überhaupt nicht. Wissenschaft ist ein spannendes Anwendungsfeld von Management. Natürlich vollziehen sich viele Prozesse im Verwaltungshandeln, das ist schließlich der rechtliche Rahmen. Aber das übergeordnete Leitbild macht die Arbeit herausfordernd.

"Der Anspruch nach Professionalisierung von Wissenschaftsmanagement wird steigen"

academics: Wo gibt es aktuell Schwierigkeiten?

Feller: Es sind keine klaren Karrierewege vorhanden, keine klassischen Pfade wie in anderen Berufen. Das könnte potenzielle Interessenten abschrecken. Außerdem fehlt es teilweise noch an professioneller Identität. Es gibt inzwischen viele Akteure, die sich selbst als Wissenschaftsmanager verstehen, das ist allerdings noch am Wachsen und stellt die Herausforderung für das Netzwerk dar.

Das Netzwerk für Wissenschaftsmanager

Das Netzwerk Wissenschaftsmanagement e.V. ist eine noch junge Initiative, die Wissenschaftsmanager - vom Einsteiger bis zur Führungskraft - organisiert. Sie wurde im März 2011 gegründet. Mit eigenen Förderangeboten, einer großen Jahrestagung aller Wissenschaftsmanager und Kooperationen betreibt das Netzwerk nach eigenen Angaben die "Professionalisierung des Wissenschaftsmanagements". Der Verein hat es sich zum Ziel gesetzt, "Wissenschaftseinrichtungen professionell zu entwickeln und damit zum Erfolg der Wissenschaft beizutragen."

www.netzwerk-wissenschaftsmanagement.de
academics: Wie bewerten Sie das Vorurteil, dass Wissenschaftsmanager nirgends so richtig dazugehören?

Feller: Manche sprechen davon, dass Wissenschaftsmanager "inbetween" seien. Sie gehörten nicht mehr richtig zur Wissenschaft, aber auch nicht zur klassischen Hochschulverwaltung. Manche nennen das auch den "third space". So sehe ich das nicht. Wissenschaftseinrichtungen sind komplexe Organisationen, in denen sehr viele unterschiedliche Funktionen wahrgenommen werden. Alle Organisationseinheiten leisten in ihrer jeweiligen Funktion einen Beitrag zum Erfolg der Einrichtung. Eine Trennung von Wissenschaft auf der einen Seite und Verwaltung auf der anderen und irgendetwas "inbetween" scheint mir nicht sinnvoll. Wenn neue Aufgaben dazukommen, müssen die entsprechenden Organisationseinheiten sinnvoll in die Organisation eingebunden werden.

academics: Wie wird sich das Berufsbild in Zukunft entwickeln?

Feller: Es wird an Bedeutung gewinnen. Die deutsche Wissenschaftslandschaft durchläuft gerade einen Veränderungsprozess. Wettbewerbsorientierung und Autonomie sind die Stichwörter. Die Einrichtungen werden immer mehr selbst für ihren Erfolg oder Misserfolg verantwortlich sein. Der Anspruch nach Professionalisierung von Wissenschaftsmanagement wird steigen, das Berufsfeld wird sich ausweiten.

academics: Trotz fehlender Karrierepfade: Wie beurteilen Sie die Karriereaussichten?

Feller: Wissenschaftsmanagement ist ein Berufsfeld der Zukunft. Es besteht aktuell ein großer Bedarf an qualifiziertem Personal und das wird auch erst einmal so bleiben.

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academics :: November 2012

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