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Berufsfelder mit Zukunft: Ruhig mal testen

VON KATHRIN FROMM

Fünf Berufsfelder mit Zukunft. Für alle, die sich nicht für Technik allein begeistern.

Ruhig mal testen© fotogestoeber - Fotolia.comEinige Berufe liegen nicht nur im Trend - sie versprechen auch zukünftig Erfolg

Big Data

Worum geht es?
Um die Erfassung, Analyse und Aufbereitung von Massendaten. »Das Ziel ist es, Daten sinnvoll auszuwerten und effizient bereitzustellen, zum Beispiel als personalisierten Service oder als Grundlage für neue Anwendungen«, sagt Stephan Pfisterer von Bitkom, dem Branchenverband der digitalen Wirtschaft.

Ein Beispiel aus der Medizin: Die Datenbank eines Herzzentrums wird mit der einer Stoffwechselklinik verbunden, um nach Zusammenhängen zwischen Begleiterscheinungen und Vorerkrankungen zu suchen. Da die Daten oft nicht einheitlich vorliegen, müssen sie erst aufbereitet werden.

Wie sind die Aussichten?
»Diese großen Datensätze sind in ganz unterschiedlichen Bereichen wie Produktion, Handel und Verwaltung vorhanden, bislang bleiben sie weitgehend ungenutzt«, sagt Stephan Pfisterer. Es gibt also viel Potenzial.

Für wen ist das was?
Für Informatikerinnen, die sich mit In-Memory-Datenbanken auskennen oder Kenntnisse in Datensicherheit, Datenschutz und Rechtemanagement mitbringen. In großen Unternehmen arbeiten oft auch interdisziplinäre Teams daran, Daten anders zu managen. Neben Technik- und Wirtschaftsinformatikerinnen können dabei auch BWLerinnen, Juristinnen oder auch mal Absolventinnen von Studiengängen der Mathematik, Physik oder Elektrotechnik mit IT-Kenntnissen tätig sein. Typische Berufsbezeichnungen sind Data Scientist, Data Manager und Data Analyst.

Industrie 4.0

Worum geht es?
Um die Automatisierung von Produktionsabläufen. »Ein großer Trend in der Industrie, entsprechend verändern sich auch die Arbeitsplätze«, sagt Rainer Benien vom Verein Deutscher Ingenieure. Wenn heute in einer Firma ein Werkstück von einer Maschine geschliffen wird und das Schleifpapier abgenutzt ist, blinkt irgendwo eine Lampe, und ein Arbeiter kommt, um das Papier auszuwechseln. Bald könnte diese Arbeit komplett von einem Roboter übernommen werden, der während des Schleifens selbstständig erkennt, wann das Schleifpapier ausgetauscht werden muss, sich im Lager neues Schleifpapier holt und das alte unterwegs in den Müll schmeißt.

Wie sind die Aussichten?
Das Thema betrifft die gesamte produzierende Industrie. Nach und nach beschäftigen sich mehr Unternehmen damit. Denn, sagt Rainer Benien: »Ohne Automatisierung wird man den Industriestandort Deutschland nicht erhalten können.«

Für wen ist das was?
Bei der Umsetzung der Industrie 4.0 arbeiten Ingenieurinnen unterschiedlicher Disziplinen zusammen, etwa aus Maschinenbau, Informatik, Mechatronik, Elektrotechnik und Verfahrenstechnik. Egal, aus welcher Disziplin man kommt, wichtig ist, dass man gerne im Team arbeitet und gerne Lösungen findet und umsetzt.

Ressourceneffizienz

Worum geht es?
Darum, Produktionsprozesse möglichst effizient zu gestalten, sodass unter anderem weniger Wasser und Energie verbraucht wird. »Ressourceneffizienz spielt in vielen Branchen eine Rolle«, sagt Nadine Bernhardt vom Zentrum Ressourceneffizienz des Vereins Deutscher Ingenieure. Bauingenieurinnen bauen zum Beispiel Passivhäuser und beschäftigen sich mit energetischer Sanierung; für Maschinenbauerinnen und Verfahrenstechnikerinnen geht es eher darum, in der Produktion mit möglichst wenig Material auszukommen.

Wie sind die Aussichten?
»Das Thema Ressourceneffizienz steht über der gesamten industriellen Produktion der Zukunft«, sagt Nadine Bernhardt. Neben Energie geht es dabei vor allem um Material, denn bei Unternehmen im verarbeitenden Gewerbe fallen 45 Prozent der Kosten für Material an, während es für Personal nicht einmal 20 Prozent sind. Hier besteht also viel Einsparpotenzial.

Für wen ist das was?
Egal, ob Maschinen- und Anlagenbau, Verfahrenstechnik, Chemie- oder Bauingenieurwesen - in jeder dieser Disziplinen kann man sich auf das Thema Ressourceneffizienz spezialisieren. Auch für Wirtschaftsingenieurinnen ist Ressourceneffizienz interessant, und zwar auf dem Gebiet des Stoffstrommanagements. »Vor allem kleine und mittlere Unternehmen wissen oft nicht im Detail, wie hoch der Verbrauch von verschiedenen Materialien und Energie ist und wo die Kostentreiber liegen«, sagt Nadine Bernhardt.

Innovationsmanagement

Worum geht es?
»Innovationsmanager beobachten Trends auf dem Markt und fragen sich: Wo und wie muss sich das Unternehmen platzieren, um wettbewerbsfähig zu bleiben? In welchen Bereichen lassen sich eigene Produkte entwickeln?«, sagt Rainer Benien vom Verein Deutscher Ingenieure. »Sie kommunizieren aber auch mit Kunden, um herauszufinden, welche Anforderungen diese an das Unternehmen und die Produkte stellen.« Viele Unternehmen der Chemiebranche und auch fast alle Autobauer unterhalten eigene Innovationsabteilungen.

Wie sind die Aussichten?
In immer mehr Unternehmen entstehen Innovationsabteilungen zusätzlich zur Forschung und Entwicklung. »Innovationen waren schon immer wichtig, aber derzeit erkennen die Firmen, dass sie spezielle Abteilungen benötigen, um den Innovationsprozess zu fördern und zu optimieren«, sagt Rainer Benien. »Vor allem stark spezialisierte Unternehmen, unabhängig von ihrer Größe, müssen sehr innovativ sein, um am Markt zu bestehen.«

Für wen ist das was?
Für Neugierige, die fachlich breit interessiert sind. Häufig arbeiten neben Ingenieurinnen auch Naturwissenschaftlerinnen in den Teams mit. Weil sich Innovationsabteilungen zudem mit den Bedürfnissen der Kunden beschäftigen, sollte man gerne kommunizieren.

Stadt der Zukunft

Worum geht es?
Um Bauvorhaben im urbanen Raum. Die Ballungsgebiete wachsen. Immer mehr Menschen wollen in der Stadt leben, und zwar in einem gut durchmischten Viertel, was die soziale Struktur und die Nutzung angeht. Die Herausforderung: Fast überall stehen schon Gebäude, die mit einbezogen werden müssen. »Die Bauvorhaben werden immer komplexer. Häufig setzen sich Projekte aus einer Sanierung, einem Umbau und einem Neubau zusammen«, sagt Thomas Welter vom Bund Deutscher Architekten.

Wie sind die Aussichten?
Beim Städtebau wird immer stärker in Quartieren gedacht, für die individuelle Lösungen gesucht werden. Die Leitfrage: Wo und wie wollen die Leute wohnen? Außerdem werden bei Bauvorhaben mehr Akteure integriert. Ein Beispiel sah man kürzlich in Frankfurt am Main: Die Uni zieht um, das ehemalige Campusgelände liegt brach. Dazu gibt es ein Bürgerbeteiligungsverfahren, bei dem es darum geht, welchen Bedarf die Anwohner und die umliegenden Viertel haben. Erst danach kommen die Architekturwettbewerbe. »Solche Partizipationsverfahren müssen sinnvoll organisiert und gekonnt moderiert werden. Da entsteht ein neues Tätigkeitsfeld für Architekten«, sagt Thomas Welter.

Für wen ist das was?
Architektinnen, Stadtplanerinnen, Bauingenieurinnen. Immer wichtiger wird die Zusammenarbeit, denn Großprojekte werden nur an Teams vergeben. Dabei geht die Tendenz zu Generalplanungsbüros, in denen Architekten mit Bauingenieuren sowie Heizungs- und Sanitärexperten zusammenarbeiten und alle Planungsleistungen aus einer Hand anbieten.

Cloud-Computing

Worum geht es?
Um eine neue Art der Datenverarbeitung und
-aufbewahrung. Bislang haben die meisten Unternehmen eigene Serverstrukturen. Immer häufiger werden diese Services in den virtuellen Raum ausgelagert. Es geht um Fragen wie: Wo liegen die Daten? Sind sie dort sicher? Wer kann darauf zugreifen? Wie schnell ist die Datenübertragung? Welche Möglichkeiten gibt es überhaupt? Wer Public Clouds nutzt, muss sich für einen Anbieter entscheiden. Damit wählt er auch einen bestimmten rechtlichen Rahmen, je nachdem, ob die Server in Deutschland oder der EU oder anderswo auf der Welt stehen.

Wie sind die Aussichten?
»Das Thema hat inzwischen fast die gesamte Wirtschaft erreicht. Gerade befinden wir uns in der Umsetzungsphase«, sagt Stephan Pfisterer von Bitkom. Im Cloud-Monitor 2014 von KPMG und Bitkom gaben 40 Prozent der befragten Unternehmen an, dass sie bereits Cloud-Computing nutzen, weitere 30 Prozent planen oder diskutieren den Einsatz. Neben der IT-Branche kommt die neue Technologie vor allem in Handels- und Dienstleistungsunternehmen zum Einsatz, aber teils auch im Produktionsbereich, wenn dieser über entsprechende Datenmengen verfügt.

Für wen ist das was?
Fürs Cloud-Computing muss man Informatik-Know-how mitbringen und sich mit Sicherheits- und Rechtsfragen auskennen, etwa um die verschiedenen Modelle einschätzen zu können. »Hier sind Wirtschaftsinformatikerinnen ideal positioniert«, sagt Stephan Pfisterer.

Aus DIE ZEIT :: 30.10.2014

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