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Berufungspraxis Deutschland

von Hubert Detmer und Moritz Metzler

Ergebnisse der aktuellen Auswertung zum Berufungs- und Bleibeverhalten, ermittelt vom Deutschen Hochschulverband (DHV).

Berufungspraxis Deutschland© Kzenon - Fotolia.comDer Deutsche Hochschulverband hat die aktuelle Auswertung zum Berufungs- und Bleibeverhalten in Deutschland veröffentlicht
Seit einigen Jahren veröffentlicht der Deutsche Hochschulverband Daten zu Berufungs- und Bleibeverhandlungen. Die aktuelle Auswertung basiert auf nunmehr 1.200 Fragebögen, die von Wissenschaftlern nach Abschluss ihrer Berufungs- oder Bleibeverhandlung ausgefüllt worden sind.

Erst- und Mehrfachrufe - Beamter oder Angestellter

Über die Jahre hinweg ist festzuhalten, dass knapp zwei Drittel aller zu besetzenden Professuren an Erstzuberufende vergeben werden. Insoweit erklärt sich auch, dass ca. 81 Prozent aller Rufinhaber dem Ruf auch Folge leisten. Auch im Bereich Beamtenverhältnis versus privatrechtliches Dienstverhältnis sind die Zahlen konstant: Von zehn Berufungen werden neun im Beamtenverhältnis realisiert. Freilich müssen sich 16 Prozent der Professoren zunächst mit einem Beamtenverhältnis auf Zeit begnügen. Dies entspricht in etwa auch dem Langzeitmittel der Erhebung (Abb. 1). Noch 2006 lag der Anteil der Beamtenverhältnisse auf Zeit jedoch lediglich bei ca. elf Prozent.

Verhandlungsdauer

In den vergangenen Jahren hatte sich kontinuierlich sowohl der Zeitraum von Ausschreibung bis zur Besetzung der Professur als auch die Dauer der Verhandlungsphase verkürzt. Die jüngsten Ergebnisse bestätigen diesen Trend zumindest, was die Verhandlungsphase anbetrifft. Bei der jüngsten Betrachtung (2010-2012) wurden 57 Prozent aller Verhandlungen innerhalb von drei Monaten finalisiert; ca. 95 Prozent aller Verhandlungen wurden innerhalb von sechs Monaten abgeschlossen.

Lob und Kritik

Seitens der Rufinhaber wird der Verhandlungsprozess in atmosphärischer Hinsicht gelobt. Lediglich acht Prozent aller Befragten bezeichneten das Verhandlungsklima in den Hochschulen im jüngsten Erhebungszeitraum als "schlecht" (Abb. 2 = Langzeitmittel). Bedenklich ist allenfalls, dass es immer seltener zu Reisekostenerstattungen im Rahmen der Berufungsverhandlungen kommt. Im aktuellen Auswertungszeitraum ist der Wert erstmals unter 40 Prozent gefallen.

Berufungspraxis Deutschland © Forschung & Lehre Abb. 1: Beamten- vs. Angestelltenverhältnis
Berufungspraxis Deutschland © Forschung & Lehre Abb. 2: Wie empfanden Sie das Verhandlungsklima?

Fächerspezifische Ausstattung

Unter Einbeziehung der neuesten Auswertung liegen die durchschnittlich ausgehandelten Investitionsmittel in den jeweiligen Fachgruppen bei ca. (Angaben in Euro):

Geisteswissenschaften 52.750
Rechtswissenschaften 40.460
Mathematik/Naturwissenschaften 277.960
Medizin 249.540
Ingenieurwissenschaften 287.680
Wirtschaftswissenschaften 57.070

Erwähnenswert ist, dass im letzten Auswertungszeitraum die durchschnittlichen Investitionsmittel im Bereich der Mathematik/Naturwissenschaften markant gegenüber dem Langzeitmittel gestiegen sind (aktuell 355.100 Euro). Die laufenden Mittel spiegeln die Fächerunterschiede deutlich wider: Geisteswissenschaften (12.000 Euro), Rechtswissenschaften (12.000 Euro), Mathematik/Naturwissenschaften (22.000 Euro), Medizin (51.000 Euro), Ingenieurwissenschaften (33.000 Euro) und Wirtschaftswissenschaften (11.000 Euro).

Im Bereich der Ausstattung mit wissenschaftlichen Mitarbeitern gibt es langfristig betrachtet eine weitgehende Konstanz:

Geisteswissenschaften 1,47 Stellen
Rechtswissenschaften 1,76
Mathematik/Naturwissenschaften 2,24
Medizin 2,95
Ingenieurwissenschaften 2,84
Wirtschaftswissenschaften 2,23

Vergleichbares gilt für die Ausstattung mit nicht-wissenschaftlichem Personal:

Geisteswissenschaften 0,61
Rechtswissenschaften 0,66
Mathematik/Naturwissenschaften 1,38
Medizin 1,96
Ingenieurwissenschaften 1,86
Wirtschaftswissenschaften 0,64

Im Hinblick auf die Ausstattung mit Räumen ist in allen Fachgruppen ein leichter Abwärtstrend erkennbar; vielleicht auch eine Folge der immer deutlicher werdenden infrastrukturellen und räumlichen Not auch sehr erfolgreicher Forschungsstätten. Im Langzeitmittel aber bleiben die Zahlen gleichwohl relativ konstant:

Geisteswissenschaften 3,41
Rechtswissenschaften 3,95
Mathematik/Naturwissenschaften 5,88
Medizin 5,8
Ingenieurwissenschaften 7,42
Wirtschaftswissenschaften 4,96

Resümee

Für manchen Erstzuberufenden mögen die hier publizierten Durchschnittswerte ein ambitioniertes und manchmal vielleicht auch nicht zu erreichendes Ziel darstellen. Dies darf aber nicht darüber hinweg täuschen, dass von einem angemessenen Wachstum der Ausstattungspositionen proportional zu den immer größer werdenden Verantwortungskatalogen der Professoren und vor allem zu den dramatisch wachsenden Studierendenzahlen wahrlich nicht die Rede sein kann.


Über die Autoren
Hubert Detmer, Rechtsanwalt, ist promovierter Jurist und stellvertretender Geschäftsführer des Deutschen Hochschulverbandes (DHV).

Moritz Metzler ist Referent beim Eisenbahn-Bundesamt und freier Mitarbeiter der Kanzlei Züll, Hermans, Schlüter.

Aus Forschung & Lehre :: November 2012

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