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Bewerbung auf Doktorandenstelle mit außereuropäischer Promotion sinnvoll?

Bewerbung auf Doktorandenstelle mit außereuropäischer Promotion sinnvoll?© Mellimage - iStockphoto.com

Ich habe im außereuropäischen Ausland promoviert und dadurch leider nicht das Recht, meinen Titel vor dem Namen zu führen. Die Promotion habe ich über Stipendien (aus In- und Ausland) finanziert; danach habe ich knapp 3 1/2 Jahre im Ausland als Postdoc (in befristeten Verhältnissen) gearbeitet.

Leider fehlen mir durch meine Auslandsaufenthalte nun persönliche Kontakte zu deutschen Forschungseinrichtungen. Um trotzdem in Deutschland langfristig eine berufliche Perspektive zu haben, habe ich bereits erwogen, mich auf entsprechende Doktorandenstellen zu bewerben. Wäre das im Rahmen der 12-Jahres-Regel überhaupt möglich? Würden Sie dies als sinnvoll erachten?

Die Antwort des DHV-Expertenteams: Wie Sie berichten, haben Sie im außereuropäischen Ausland promoviert. Regelmäßig kann ein ausländischer akademischer Titel in der Form, in der er verliehen wurde, unter Angabe der verleihenden Institution geführt werden, sofern der Titel von einer nach dem Recht des Herkunftslandes anerkannten Hochschule verliehen worden ist. Häufig existieren auch Vereinbarungen und Abkommen der Bundesrepublik Deutschland mit anderen Staaten über die Gleichwertig von akademischen Titeln. Ausführliche Informationen hält die Zentrale Stelle für ausländisches Bildungswesen unter www.anabin.de bereit.

Hierunter verbirgt sich ein Informationssystem zur Anerkennung ausländischer Abschlüsse. Sofern Sie also die Möglichkeit haben, Ihren Titel anerkennen zu lassen, sollten Sie dies entsprechend veranlassen. Bei erfolgreicher Anerkennung würde sodann nicht die Notwendigkeit bestehen, als Postdoc auf eine Doktorandenstelle zu wechseln, um etwa einen deutschen Doktortitel zu erwerben. Ganz grundsätzlich wäre es rein rechtlich aber durchaus möglich, dass Sie als Postdoc eine Doktorandenstelle an deutschen Universitäten bekleiden. Allerdings ist im Rahmen der sog. "12-Jahres-Regelung" des WissZeitVG zu beachten, dass regelmäßig befristete Verträge im Wissenschaftsbereich in der Vorpromotionsphase auf sechs Jahre befristet sind. In der Nachpromotionsphase sind ebenfalls befristete Verträge im Wissenschaftsbereich im Umfang von 6 Jahren zulässig.

Ihre Frage danach, ob es sinnvoll ist, als Postdoc eine Doktorandenstelle auszufüllen, lässt sich von hier aus nicht abschließend beurteilen. Wenn es Ihnen maßgeblich darum gehen sollte, Ihren im Ausland erworbenen Promotionstitel anerkennen zu lassen, sollten Sie sich um eine entsprechende Anerkennung bei den dafür zuständigen Behörden bemühen. Nur dann, wenn Sie unbedingt auch einen deutschen Doktortitel erwerben möchten, könnte es sinnvoll sein, eine weitere Promotion nach deutschem Recht durchzuführen. In diesem Fall ist allerdings zu beachten, dass dadurch, dass ja bereits ein ausländischer Promotionstitel vorliegt, sich möglicherweise die 12-Jahres-Grenze für befristete Verträge im Wissenschaftsbereich um die für die ausländische Promotion benötigten Zeiten reduziert.
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