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Bewerbung auf eine W3-Professur ohne Kontakte zur Hochschule?

Bewerbung auf eine W3-Professur ohne Kontakte zur Hochschule?© webphotographeer - iStockphoto.com

Macht es Sinn, sich ohne jegliche Kontakte zur Universität auf eine W3-Professur zu bewerben? Das Profil der Professur entspricht genau dem Aufgabenbereich, den ich zur Zeit an einem privaten Institut, das postgradual ausbildet, als Leiterin erfülle. Ich bin selber als Klinische Psychologin seit Jahren freiberuflich tätig und habe vorher lange als Lehrerin in der Schule gearbeitet. Lehrerfahrungen habe ich sehr viele - auch im universitären Bereich, meine Promotion liegt jetzt 10 Jahre zurück, hablilitiert habe ich mich damals aus familiären Gründen nicht.

Ich habe seitdem im Vertiefungsgebiet Psychoanalyse einiges veröffentlicht. Der Fachbereich dieser Universität ist aber eher verhaltenstherapeutisch ausgerichtet, hier habe ich sehr viel praktische Erfahrung. Kontakte an dieser Universität habe ich nicht - auch keine fachlichen.

Ist es überhaupt sinnvoll, dass ich mich bewerbe, oder ist es eher blamabel?

Die Antwort des DHV-Expertenteams: Die Frage, ob es sinnvoll ist, sich auf eine W 3-Professur zu bewerben, die genau Ihrem Aufgabenbereich, den Sie zur Zeit ausfüllen, entspricht, lässt sich von hier aus nicht abschließend beurteilen. Insofern kommt es sicherlich auf das fachliche Anforderungsprofil an, das vom Bewerber beachtet werden muss. Prüfen Sie also Ihre Fähigkeiten und Erfahrungen vor einer Bewerbung realistisch. Nutzen Sie das Internet, um möglichst viel über die Hochschule und den Fachbereich bzw. Studiengang zu erfahren. Daneben kommt es darauf an, ob Sie die Einstellungsvoraussetzungen für Professorinnen und Professoren erfüllen. Diese sind in den Hochschulgesetzen der einzelnen Bundesländer geregelt.

Bei Professuren an Universitäten werden regelmäßig neben einem abgeschlossenem Hochschulstudium und pädagogischer Eignung auch die besondere Befähigung zu wissenschaftlicher Arbeit, die in der Regel durch die Qualität einer Promotion nachgewiesen wird sowie darüber hinausgehende zusätzliche wissenschaftliche Leistungen erwartet. Diese zusätzlichen wissenschaftlichen Leistungen können im Rahmen einer Juniorprofessur oder einer Habilitation erbracht werden. Es ist aber auch möglich, den Nachweis der Befähigung zu wissenschaftlicher Arbeit anderweitig zu führen, etwa durch die Qualität erbrachter gleichwertiger wissenschaftlicher Veröffentlichungen.

Abseits der Professur besteht jedoch auch die Möglichkeit, zum Beispiel als Lehrkraft für besondere Aufgaben zu fungieren. Soweit für eine Tätigkeit überwiegend eine Vermittlung praktischer Fertigkeiten und Kenntnisse erforderlich ist, die nicht die Einstellungsvoraussetzungen für Hochschullehrer erfordert, kann diese hauptberuflich tätigen Lehrkräften für besondere Aufgaben übertragen werden. Weiterhin kommt eine Lehrbeauftragung in Betracht. Grundsätzlich können zur Ergänzung des Lehrangebotes Lehraufträge an Personen erteilt werden, die nach Fortbildung, Fähigkeit und fachlicher Leistung dem für sie vorgesehenen Aufgabengebiet entsprechen.

Im Hinblick auf die Erfolgsaussichten Ihrer Bewerbung wird es also insgesamt auf eine Gesamtabwägung Ihrer Qualifikationen ankommen. Sofern Sie die formalen Einstellungsvoraussetzungen für eine Professur erfüllen, können wir von hier aus keine Einschränkung im Hinblick auf Ihre Eignung erkennen.
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