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Bewerbungsfristen-Chaos in Berlin

Von Jan-Martin Wiarda

Der Berliner Bildungssenator Jürgen Zöllner verändert die Bewerbungsfristen für Referendare - und verursacht Chaos.

Bewerbungsfristen-Chaos in BerlinJürgen Zöllner, Berliner Bildungssenator (SPD)
Man kann den heutigen Studenten wirklich nicht vorwerfen, sie hätten den Zeitgeist namens Effizienz nicht verinnerlicht. Das Endlosstudium ist out, Fertigwerden möglichst in der Regelstudienzeit in, ganz so, wie es Politiker immer gefordert haben.

Entsprechend empört haben Berliner Lehramtsstudierende auf einen Plan von Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD) reagiert. Der will vom kommenden Jahr an den Bewerbungsschluss für das zweijährige Referendariat vorverlegen, von Ende März auf Ende Januar - auf die Empfehlung einer Expertengruppe hin, wie Zöllners Sprecher betont.

Bislang hätten die Schulen im Juni Klarheit über ihre Referendare gehabt, künftig schon Anfang Mai. Das Problem: Ein Monat mehr Planungssicherheit für die Schulen wird mit mindestens sechs Monaten Zeitverlust für die Studenten erkauft.

Denn für viele Absolventen sind es entscheidende Wochen, die ihnen durch die Reform verloren gehen. Bislang konnten sie ihre Staatsexamens- Prüfungen bis April ablegen und dann über eine großzügige sechswöchige Zeugnisnachreichfrist noch ins Bewerbungsverfahren rutschen.

Jetzt müssten sie mit ihrer Bewerbung bis Oktober warten, statt im August fangen sie frühestens im Februar des Folgejahres an - mitten im Schuljahr. Die neue Regelung kam so plötzlich, dass selbst im Amtsblatt für Berlin noch die ursprünglichen Bewerbungsfristen für 2009 ausgewiesen waren. Die Eile verwundert, zumal der Vorteil für die Schulen frustrierend gering ist. Es bleibt der Eindruck einer undurchdachten Reform, mit der sich der Senator unnötig Feinde schafft.

Aus DIE ZEIT :: 12.06.2008

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