Das Karriereportal für Wissenschaft & Forschung von In Kooperation mit DIE ZEIT Forschung und Lehre

Bewerbungsgespräche und Fernehe - wie gehe ich damit um?

Bewerbungsgespräche und Fernehe - wie gehe ich damit um?© hfng-stockxpert.com

Politik und Agentur für Arbeit verlangen Arbeitnehmern ein immer höheres Maß an Mobilität ab, was wenn man verheiratet ist, irgendwann zu Fernehen führt. Diese kann man, im Gegensatz zu Fernbeziehungen, leider nicht verschweigen, und - meine Erfahrung - sie kommen mindestens bei jedem zweiten Vorstellungsgespräch zur Sprache.

In meinem Fall ist es so, dass meine derzeitige Bewerbungsadresse bereits nicht mehr mit meiner Eheadresse übereinstimmt, weil wir schon seit mehreren Jahren eine Fernehe führen. Die Mitglieder der Auswahlgremien nehmen zunächst natürlich an, die Bewerbungadresse sei meine Eheadresse und fragen dann: "Was sagt Ihr Mann dazu, wenn sie wegziehen?" Ich weise dann in der Regel darauf hin, dass wir bereits eine Fernehe führen und dass sich durch die neue Stelle nur die Distanz ändern würde.

Während meinem letzten Bewerbungsgespräch - die Stelle hätte zu einer leichten Vergrößerung der Distanz geführt - wurde das mit Erstaunen, wenn nicht mit spürbarer Ablehnung zur Kenntnis genommen, und ich kam, obwohl mein Profil sehr gut zur Ausschreibung passte, nicht in die engste Auswahl.

Wie sollte ich künftig so mit dem Thema umgehen, dass meine Bewerbungschancen möglichst wenig davon tangiert werden? Eher offensiv oder lieber defensiv?

Die Antwort des DHV-Expertenteams: Zu Recht überlegen Sie, wie Sie mit der Begründung einer "Fernehe" umgehen sollten. Nach meinem Dafürhalten können Sie dies nur situativ anhand der Ihnen gegenübersitzenden Person entscheiden. Es ist bedauerlich, dass die bisherigen Partner in einem Bewerbungsgespräch kein Verständnis dafür aufbringen konnten, dass Sie in der Lage und willens sind, eine Fernehe zu führen. Ich glaube, dass der Hinweis auf Ihre Vita da sicherlich hilfreich ist.

Ich möchte Sie aber auch darauf hinweisen, dass ich schon viele Berufungsverfahren auf Professuren beobachten konnte, in denen die Berufungskommission dem Bewerber durchaus geglaubt hat, dass er eine Fernehe führen wird. Ob Sie mithin - um auf Ihre Frage zurückzukommen - offensiv oder lieber defensiv mit diesem Thema umgehen sollten, um Ihre Bewerbungschancen zu erhöhen, kann man so pauschal leider nicht sagen. Sie müssten es von den Menschen abhängig machen. Ich glaube aber, dass Ihre bisherige Vorgehensweise, offensiv und ehrlich mit dem Thema umzugehen, sicherlich zum Erfolg führen wird.