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Bitte nicht noch mehr Doktoranden!

Von MARION SCHMIDT

Warum Fachhochschulen kein Promotionsrecht haben sollten.

Bitte nicht noch mehr Doktoranden!© suze - photocase.comNicht die Quantität sondern die Qualität der Promotionen soll im Fordergrund stehen
Der Wunsch ist verständlich, und manche Wissenschaftsministerin ist derzeit geneigt, ihm nachzugeben: Die Fachhochschulen wollen auch Doktoren ausbilden, sie fordern das Promotionsrecht. Doch so nachvollziehbar dieser Wunsch ist: Er ist falsch. Wir brauchen in Deutschland nicht mehr Doktoranden - wir brauchen weniger. Wir haben kein Mengenproblem, wir haben ein Qualitätsproblem.

Mal ganz abgesehen von der Frage, wo all die Doktoren unterkommen sollen. In den Universitäten rangeln Nachwuchswissenschaftler schon jetzt um jede Stelle. Was wir vielmehr brauchen, ist eine bessere Qualität der Promotionsverfahren, vor allem in der Betreuung der Doktoranden. Aber wie soll ein FH-Professor, der 18 Stunden in der Woche lehren muss, nebenbei noch Doktoranden betreuen?

Und, denkt man den Gedanken einmal weiter: Wenn Fachhochschulen das Promotionsrecht bekommen - dann müssten auch die außeruniversitären Forschungsinstitute es haben. Das allerdings würde zu einer Abwanderung exzellenter Jungforscher zu Max-Planck- und Helmholtz-Instituten führen und die Universitäten enorm beschädigen. Doch die Unis dürfen sich auf ihrem Privileg keineswegs ausruhen. Die Plagiatsdiskussion der vergangenen Jahre hat gezeigt, wie nachlässig manche Fakultät mit diesem Recht umgeht. Die Unis müssen beweisen, dass sie die Qualität der Arbeiten sichern können. Dazu gehört auch, dass sie exzellente Absolventen von Fachhochschulen, die bei ihnen promovieren wollen, nicht abweisen dürfen. Heute müssen Fachhochschulen ihre Absolventen zur Promotion ins Ausland schicken, weil die örtliche Universität sich weigert. Das darf nicht sein. Eine Kooperationspflicht, wie sie etwa im neuen Hamburger Hochschulgesetz steht, ist der richtige Weg.

Es geht nicht darum, den Fachhochschulen ein akademisches Privileg vorzuenthalten, sondern darum, Doktoranden bestmöglich auszubilden, egal, wo sie vorher studiert haben.

Aus DIE ZEIT :: 27.02.2014

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