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Hochschulallianz: Bunte Truppe

Von Jan-Martin Wiarda

Auf den ersten Blick ist es nur einer dieser meist folgenlosen Aufrufe, wie sie Verbände oft in die Wissenschaftslandschaft hinausblasen. Was die neue "Hochschulallianz" will.

Hochschulallianz: Bunte Truppe© DSWAchim Meyer auf der Heyde, Generalsekretär des Deutschen Studentenwerks
"Schluss mit der chronischen Unterfinanzierung der Hochschulen!", steht auf dem Papier, das seit vergangenem Freitag in Berlin kursiert und sich als "Manifest" bezeichnet. Die Forderung darin ist so richtig wie abgedroschen: 2,3 Milliarden Euro zusätzlich sollen Bund und Länder für die Hochschulen lockermachen, pro Jahr, und zwar sofort.

Spannend wird es erst bei der Liste der acht Unterzeichner: Vom Deutschen Hochschulverband, der Dachorganisation der Universitätsprofessoren, über die CDU-Studentenvereinigung RCDS und den Promovierendenverband Thesis bis zum Deutschen Studentenwerk (DSW) finden sich dort fast alle Organisationen und Lobbygruppen, die in der Hochschulwelt Rang und Namen haben.

Als "Hochschulallianz" will die bunte Truppe Einfluss nehmen auf Wissenschafts- und Finanzpolitiker. DSW-Generalsekretär Achim Meyer auf der Heyde kündigt das "mutige Hinterfragen eingefahrener Prioritätensetzungen" an.

Ein Beispiel dafür, was sie für mutig hält, findet sich in dem ersten Papier der Allianz: "Ist eine Sozialquote von 70 Cent pro eingenommenem Steuer-Euro, sind ein jährlicher Wehretat von nahezu 30 Milliarden Euro wich tiger und vorrangiger als die Bildung junger Menschen?", heißt es dort seltsam unkonkret.

Meyer auf der Heyde betont auf Nachfrage: Die Allianz wolle der Politik nicht den Schwarzen Peter abnehmen, indem sie Umschichtungen weg von Sozialleistungen fordere, "aber wir wollen endlich einen öffentlichen Diskurs darüber, warum wir uns als Staat so oft gegen die Bildung entscheiden".

Das klingt dann, trotz aller Indirektheit, tatsächlich schon mutiger. Diese Forderung nach neuen Prioritäten war es, die zum Fehlen des linken Studentenverbandes fzs unter den Unterzeichnern führte. "Wir halten nicht die Verschiebung von Geldern für den richtigen Weg, sondern die Finanzierung zusätzlicher Bildungsaufgaben über Steu er erhö hungen ", sagt Regina Weber vom fzs. Doch auch sie bezeichnet die Allianz prinzipiell als "gute Idee". Die Gründung eines Trägervereins ist derzeit ebenso wenig geplant wie eine formale Mitgliedschaft. So bleibt die "Hochschulallianz" zunächst kaum mehr als ein schlagkräftig klingender Name auf einem mäßig kreativen Positionspapier.


Aus DIE ZEIT :: 30.04.2008

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