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Coaches und Netzwerke helfen bei der Unternehmensgründung

VON ILKA KREUTZTRÄGER

Am Anfang einer Unternehmensgründung steht die Idee - aber was dann? Wie wird aus einer wissenschaftlichen der Idee ein erfolgreiches Produkt? Gerade im Bereich Life Science können Netzwerke und die Zusammenarbeit mit Coaches den Weg ebnen.

Coaches und Netzwerke helfen bei der Unternehmensgründung© Trueffelpix - Fotolia.comCoaches und Netzwerke unterstützen Startup-Unternehmen bei der Gründung und darüber hinaus
Ein wissenschaftliches Startup braucht weit mehr als eine Idee. Für die Gründung eines Unternehmens im Life Science Bereich braucht es ein Team, das auch über Marketing reden kann, über Investitionen, Businesspläne, Verkaufsstrategien und Produkte. Es geht für die angehenden Gründer also plötzlich um Themen, mit denen sich ein Wissenschaftler erst mal gar nicht auskennt und die im Studium und während der Promotion in der Regel keine Rolle gespielt haben.

Vom Wissenschaftler zum Unternehmer

Aber gerade im Bereich Life Science kann die Unternehmensgründung mit sehr hohen Investitionen verbunden sein und eine externe Finanzierung ist in den meisten Fällen unerlässlich. Aus den reinen Wissenschaftlern müssen also Unternehmer mit guten Kontakten werden. Auf diesem Weg können Coaches und Netzwerke helfen.

"Coaches und Berater sind essentiell wichtig, denn nur selten füllt das Management-Team alle Funktionen und Kompetenzen von Anfang an vollständig aus", sagt Andreas Schmidt, Mitbegründer des Biotech-Startups Ayoxxa. Ein Weg kann sein, über den High-Tech Gründerfonds (HTGF), der u.a. vom Bundeswirtschaftsministerium unterstützt wird, einen geeigneten Coach zu suchen. Der HTGF finanziert technologiebasierte Startups mit bis zu 500.000 Euro und bietet auf seiner Website eine Liste von Beratern an - sortiert nach Regionen, Branchen und Beratertätigkeiten vom Erstellen der Businesspläne über Urheberrechts- und Patenrechtsfragen bis hin zu Finanzierung und Vertrieb.

Die Kosten für ein umfassendes Coaching werden beim HTGF mit maximal 40.000 Euro angesetzt. "Es kann auch deutlich weniger sein", sagt Claudia Raber, die beim Gründerfonds u.a. für den Bereich Coaching zuständig ist. Aber die Gründerteams sollten den Posten Coaching auf jeden Fall in ihre Kostenkalkulation aufnehmen. "Denn viele Teams, die direkt von der Uni kommen, sind hervorragende Wissenschaftler und haben eine wirklich gute Idee", sagt Raber. Aber sie hätten keinerlei Erfahrung in der Unternehmensgründung und Unternehmensführung. Das beginne schon mit der Frage: Wie viel Geld ist nötig und woher soll es kommen? "Coaches helfen bei den Businessplänen und kennen die Finanzierungsmöglichkeiten von regionaler Förderung über Gründerprogramme bis zu Investoren und zum Business Angel", sagt Raber.

Oftmals intensive Betreuung notwendig

Sie empfiehlt, zunächst möglichst einen Berater vor Ort zu suchen, da in der Anfangsphase der Gründung oft eine intensive Betreuung notwendig sei. "Manche Teams schließen sich erst mal eine Woche ein, andere treffen sich regelmäßig ein- oder zweimal die Woche", sagt Raber. Und es sei auch ratsam, nicht unbedingt gleich den ersten Coach auch zu engagieren. Die Teams sollten mit verschiedenen Beratern sprechen, vielleicht auch je nach Bedarf über einen längeren Zeitraum mehrere Berater beauftragen.

Gut hinschauen bei Coaching-Angeboten

Die Suche nach einem Coach ist aber nicht immer leicht - gerade wer auf dem freien Markt sucht, sollte umsichtig sein. "Denn die Landschaft der Coaches und Berater ist sehr bunt", sagt Raber. "Ein Indiz für einen seriösen Coach kann sein, dass das Erstgespräch kostenfrei ist", sagt Raber. Natürlich müsste auch die Beraterhonorare gesprochen werden, aber im ersten Gespräch sollte das Kennenlernen und Verstehen im Vordergrund stehen.

Auch Schmidt weiß, dass viele Beratungsangebote nicht zielführend seien. "'Beratung gegen Unternehmensanteile' ist so ein Beispiel, bei dem man Alarmglocken hören muss", sagt Schmidt. Er rät, sich bei den Beratern und Coaches immer ganz besonders um einen detaillierten Referenz-Check zu kümmern, andernfalls seien die Berater schnell wieder weg und das Problem liege dann beim Unternehmen.

"Ausgezeichnet finde ich immer erfahrene Unternehmer, die bereits erfolgreich ein eigenes Startup aufgebaut haben", sagt Schmidt. Da gehe es dann auch schnell nicht nur um einen Stundensatz, sondern um ein Engagement als Business Angel mit eigenem Investment. "Und Venture-Capital-Gesellschaften und Business Angel bieten eben nicht nur Geld an, sondern einen Mehrwert durch Erfahrung und Netzwerke - und eben Kontakte zu guten Coaches", sagt Schmidt.

Netzwerke sind essentiell für Gründer

Netzwerke spielen für die Gründer also eine wichtige Rolle - als Kontaktbörse zu potentiellen Investoren und auch als Möglichkeit, sich mit anderen Gründern und Unternehmern auszutauschen und Erfahrungen zu sammeln. "Eine gute erste Anlaufstelle sind regionale Verbünde wie etwa das Netzwerk Nordbayern", sagt Raber vom Gründerfond. Diese regionalen Netzwerke böten zielgerichtete Zusammenarbeit, bezahlbare Seminare oder auch Business-Plan-Wettbewerbe an.

Business-Plan-Wettbewerbe wie beispielsweise Science4Life sind eine weitere Möglichkeit, um Kontakte zu knüpfen." Oft bekommt man von den Juroren schon erstes Feedback und kann sie sogar manchmal als weitere Berater gewinnen", sagt Schmidt, der für sein Startup bei dem Wettbewerb "Best of Biotech" selbst die späteren Venture-Capital-Investoren kennenlernte. Schmidt empfiehlt auch, an Ausschreibungen wie der des Transatlantic Entrepreneurial Network (Gain-Ten) teilzunehmen. Das Netzwerk wählt ausgewählte Gründer-Teams zu einem persönlichen Beratungsgespräch ein. Die nächste Möglichkeit dazu gibt es im Rahmen der Gain-Jahrestagung, die vom 30. August bis zum 1. September 2013 in San Francisco stattfinden wird. Die Bewerbungsfrist für die Gründer-Teams endet am 15. Juni 2013.

academics :: Mai 2013

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