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»Das ist innovativer, als Briefe zu schreiben.«


DAS INTERVIEW FÜHRTE MARION SCHMIDT

Die Handelshochschule Leipzig sammelt über Crowdfunding Geld für Seminarräume.

»Das ist innovativer, als Briefe zu schreiben.«© Tashatuvango - iStockphoto.comCrowdfunding als neue Möglichkeit der Hochschulfinanzierung?
DIE ZEIT: Herr Pinkwart, an Ihrer privaten Business School zahlen Studenten für ein Masterstudium bis zu 25.000 Euro. Trotzdem fehlt Ihnen Geld, um ein altes Gebäude für den Lehrbetrieb neu herzurichten. Wie kann das sein?

Andreas Pinkwart: Die Studiengebühren decken nicht alle Kosten für Lehre und Forschung. Und wir sind zuletzt stark gewachsen, auf 550 Studenten. Für sie brauchen wir zusätzliche Lernräume und Arbeitsplätze. Das Land Sachsen stellt uns ein Gebäude zur Verfügung, aber für Renovierung und Ausstattung sind wir verantwortlich. Für die Lernräume benötigen wir 60.000 Euro, und wenn es etwas hübscher werden soll, 100.000 Euro.

DIE ZEIT: Und dafür gehen Sie jetzt im Internet betteln?

Pinkwart: Das ist innovativer, als Briefe zu schreiben. Auf die Idee brachte uns der Gründer der Crowdfunding-Plattform Fundster, ein Alumnus von uns. Wir wollen mit der Aktion vor allem die Ehemaligen stärker an uns binden.

DIE ZEIT: Wie ist die Resonanz bisher?

Pinkwart: Sechs Tage nach dem Start hatten wir bereits 26.891 Euro zusammen, von Freunden und Förderern, aber auch von Studenten. Eine Masterklasse hat zum Abschluss 520 Euro gesammelt. Wir haben auf der Plattform eine Rangliste der Spender und wollen damit auch andere Klassen anspornen, Geld zu geben.

DIE ZEIT: Was habe ich davon, 100 Euro zu spenden für einen Raum, den ich nie nutzen werde?

Pinkwart: Für 100 Euro gibt es ein Kapuzenshirt mit Logo. Und wenn man später als Absolvent für Fortbildungen zu uns zurückkommt, sitzt man vielleicht in Räumen, die wir mit dem Geld umgebaut haben.


Über den Interviewten
Andreas Pinkwart ist Rektor der Handelshochschule HHL in Leipzig.

Aus DIE ZEIT :: 12.09.2013