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Dauerhaft erfolglose Bewerbungen auf Professuren

Dauerhaft erfolglose Bewerbungen auf Professuren© ozlemonal - iStockphoto.com

Ich habe eine Frage zum Ablauf von Berufungsverfahren für Professuren. Seit ca. drei Jahren bewerbe ich mich immer wieder mal auf W2- und W3-Professuren an Hochschulen und Universitäten, habe aber mittlerweile ca. 30 Absagen erhalten. Ich frage mich, warum das so ist, da ich mich mit meinem Lebenslauf durchaus für eine Professur für qualifiziert erachte. Ich bin 42 Jahre alt und habe nach meiner Promotion bei einem Max-Planck-Institut, in Führungspositionen in der Industrie und knapp zehn Jahre in einem Fraunhofer-Forschungsinstitut gearbeitet. Zudem habe ich Drittmittel von vielen Millionen Euro in all den Jahren akquiriert, zwei Lehrbücher und einige wissenschaftliche Publikationen verfasst. Auch habe ich bereits eine Vorlesung an einer Exzellenzuniversität gehalten, die von den Studenten positiv bewertet wurde. Dennoch erhalte ich nur Absagen.

Liegt dies möglicherweise daran, dass ich mit meinem Lebenslauf nicht den üblichen Weg einer langjährigen Karriere an einer Universität gegangen bin und so nicht über die nötigen Kontakte verfüge, mich sozusagen aus einem anderen Umfeld bewerbe? Zudem fehlt mir das nach der Promotion beinahe obligatorische Jahr im Ausland? Ich meine jedoch, dass ich, durch meine Arbeit in internationalen Organisationskommitees, durch meinen USA-Aufenthalt als Graduate und über die Zusammenarbeit im internationalen Umfeld dennoch über die nötige internationale Berufserfahrung verfüge. Auch habe ich gehört, dass für eine Professur eine Zahl von 50 bis 100 Papers erwartet wird, können Sie dies bestätigen? Könnte es sein, dass mir durch die fehlende Habilitation ein Zugang zu einer Professur verwehrt bleibt? Ich bin hier wirklich ratlos.

Woran kann es also liegen, dass ich auf meine Bewerbungen hin bisher nur Absagen erhalten habe und noch nicht einmal zu einem Vorstellungsgespräch gebeten wurde?

Die Antwort des DHV-Expertenteams: Ihre Fragen sind ohne genaue Analyse Ihres Lebenslaufes und der in Betracht kommenden Professorenstellen schwer zu beantworten. Bei Bewerbungen an Universitäten wird in erster Linie der wissenschaftliche Lebenslauf bewertet. In diesem Rahmen ist es freilich denkbar, dass auch die Anfertigung einer Habilitationsschrift eine entscheidende Rolle spielen kann. Wir können allerdings nicht bestätigen, dass Universitäten und Fachhochschulen Bewerbern "von außen" kritisch gegenüberstehen. Abhängig von den Erfordernissen der zu besetzenden Professur ist es nach unserer Beobachtung häufig vorteilhaft, wenn internationale und externe Erfahrung vorzuweisen ist. Dies gilt an Universitäten und Fachhochschulen gleichermaßen, wobei wegen des Fokus auf der angewandten Forschung bei Fachhochschulen externe Berufungen deutlich häufiger sein werden. Kurzum: Es wird auf die Passgenauigkeit von Lebenslauf und zu besetzender Stelle ankommen. Nach Ihrem geschilderten Lebenslauf scheint prinzipiell nichts dagegen zu sprechen, sich erfolgreich auf eine Professur an einer Hochschule zu bewerben. Warum es bisher nicht "geklappt" hat, kann von hier aus wie erwähnt freilich nicht gesagt werden.
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