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Dem Chef folgen oder nicht?

Dem Chef folgen oder nicht?@ Ola Dusegård - iStockphoto.com

Ich bin Biologe (MSc in Biomedical Sciences) und habe im Juni meine Doktorarbeit abgegeben. Seitdem habe ich auch schon eine volle Stelle. Jetzt warte ich auf meine Disputation (Vorbenotung "summa cum laude"). Ich bin 29 Jahre alt und habe zwei Kinder.

Mein Doktorvater ist Mediziner und hat gerade seinen Ruf für einen Chefposten in einer Uniklinik erhalten. Er möchte mich unbedingt mitnehmen und ich soll bei ihm sein Forschungslabor leiten. Wir arbeiten überaus erfolgreich zusammen und mein Chef lässt mir viel freie Hand in der Forschung. Während meiner vier-jährigen Doktorarbeit, habe ich 31 Impact Faktor Punkte gesammelt (vier von sieben Paper als Erstautor).

Viele meiner Kollegen haben mir dazu geraten, mich trotz der guten Zusammenarbeit von ihm zu trennen. Sie meinen, ich müsste ins Ausland (bisher war ich erst ein Semester während des Studiums weg) und/oder in anderen Arbeitsgruppen Erfahrungen sammeln. Leider sind Erfolg und Veröffentlichungen in einer anderen Gruppe nicht garantiert, weshalb ich sehr unsicher bin, ob ich dem Rat meiner Kollegen folgen soll. Bei meinem Chef könnte ich dagegen ohne Pause weiter arbeiten.

Meine Frage lautet also: Soll ich meinen Chef begleiten, und wenn ja, unter welchen Bedingungen? Wäre z.B. eine eigene Arbeitsgruppe in seinem Haus (Leitung seines Forschungslabors strebe ich nicht an) eine erstrebenswerte Position, um die ich ihn bitten sollte?

Die Antwort des DHV-Expertenteams: Die von Ihnen dargestellte Leitung einer eigenen Arbeitsgruppe erscheint uns bei genauerer Betrachtung der von Ihnen bereits geleisteten Forschungsaufgaben im Ergebnis nicht als finale Stellenbeschreibung. Vielmehr dürfte die Leitung einer Arbeitsgruppe aus sich selbst heraus an Sie herangetragen werden. Der von Ihnen angesprochene periphere Wechsel ins Ausland wäre aus unserer Perspektive grundsätzlich anzuraten. Dies steht aber nicht unbedingt im Widerspruch zu einem möglichen Verbleib in der Arbeitsgruppe Ihres derzeitigen Chefs. Denn Sie könnten nach unserem Dafürhalten auch bei einem Wechsel zunächst eine Arbeitsgruppe leiten, um dann eine Beurlaubung für die Wahrnehmung von Forschungsaufgaben im Ausland anzustreben. Hierbei könnte Ihnen im Zweifelsfalle auch Ihr derzeitiger Chef die richtigen Kontakte bahnen.
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