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Denken für Deutschland

Von Andreas Sentker

Die Leopoldina wird zur Nationalakademie.

Denken für Deutschland: Leopoldina wird Nationalakademie© LeopoldinaDie Leopoldina in Halle
Fünfzehn Jahre dauerte der Streit. Am vergangenen Montag haben sich die Forschungsminister von Bund und Ländern in der konstituierenden Sitzung ihrer "Gemeinsamen Wissenschaftskonferenz" endlich darauf verständigt, die traditionsreiche Leopoldina zur Nationalen Akademie der Wissenschaften zu erklären. Einen entsprechenden Vorstoß hatte Bundesministerin Annette Schavan bereits im vergangenen November unternommen. Jetzt haben die Länderkollegen ihrem Plan zugestimmt. Ohne diese Einigung hätte die Leopoldina einen zentralen Teil ihres Auftrags nicht erfüllen können: Sie soll die deutsche Forschung im Ausland vertreten.

Lange Jahre waren die Pläne zur Schaffung einer nationalen Vertretung der Wissenschaft an den Interessen der Länderakademien gescheitert, die Geltung und Einfluss durch eine Neugründung schwinden sahen. Mit ihrer Entscheidung haben die Politiker nun geschickt vermieden, neben den bestehenden Einrichtungen eine weitere Institution zu schaffen.

Die Leopoldina, "Deutsche Akademie der Naturforscher", 1652 in Schweinfurt gegründet, ist die älteste wissenschaftliche Akademie in Europa. Durch ihr interna tionales Ansehen sei sie prädestiniert, Deutschland im Kreis der internationalen Akademien zu vertreten, hatte Schavan im November erklärt. "Politik und Wissenschaft müssen einen kontinuierlichen Dialog führen. Dafür brauchen wir eine nationale Akademie in Deutschland", erläuterte die Ministerin am Montag die neben der Vertretung im Ausland zweite wichtige Aufgabe der neuen Nationalen Akademie.

In der langwierigen Debatte hatten sich die Länderakademien mit immer komplizierteren Organigrammen und Zuständigkeitsverteilungen disqualifiziert. Ein funktionsfähiges Konzept konnten sie nicht vorlegen. Dass die Politikberatung nun als Kooperationsprojekt der Leopoldina mit der ebenfalls neu getauften Deutschen Akademie der Technikwissenschaften und der Berlin-Brandenburgischen Akademie etabliert wird, belohnt die Kooperativen unter den Kombattanten.

Der Titel ist vergeben, die Arbeit aber beginnt erst. Schließlich soll die Nationale Akademie nicht nur die Interessen der Wissenschaft vertreten, sondern vor allem die Wissenschaft in den Dienst der Gesellschaft stellen. Darum muss nach dem neuen Namen nun auch die neue Perspektive gelernt werden.

Aus DIE ZEIT :: 21.02.2008

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