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Der Bachelorabschluss verliert dramatisch an studentischer Unterstützung

 

Die Ergebnisse des aktuellen Studierendensurveys: Studenten zweifeln daran, dass der Bachelorabschluss ihnen bessere Berufschancen bietet, deutsche Hochschulen für ausländische Studierende attraktiver macht und die Dauer der Ausbildung verkürzt.

Der Bachelorabschluss verliert dramatisch an studentischer Unterstützung
Der Bachelorabschluss hat zwischen 2001 und 2007 an den Universitäten und Fachhochschulen an Unterstützung verloren. Nur ein gutes Drittel der Studenten erwartet, dass die deutschen Hochschulen damit eine größere Attraktivität für ausländische Studenten erreichen.

Ebenso wenig wird darauf vertraut, dass sich damit die Berufschancen verbessern. Auch das Argument einer kürzeren berufsqualifizierenden Hochschulausbildung verliert an Attraktivität.

Das geht aus dem aktuellen 10. Studierenden Survey an Universitäten und Fachhochschulen hervor, den das Bundebildungsministerium veröffentlicht. Am wenigsten Zustimmung findet bei den befragten Studenten die Erwartung, es bestünden "gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt für Bachelor-Absolventen".

Bereits 2001 hielten dies nicht viele Studenten für zutreffend (25 Prozent). 2007 ist es nur noch eine kleine Minderheit von zwölf Prozent, die daran festhält.

Die Erwartungen, die dem Bachelor negativ entgegengehalten werden, schätzen immer mehr Studenten als zutreffend ein. Der Zuwachs ist den Autoren der Studie zufolge "beträchtlich", etwa bei der Befürchtung, damit würde die individuelle Studiengestaltung zu stark eingeschränkt (Zunahme um 22 Prozent).

Auch erkennen mittlerweile 50 Prozent der Befragten 2007 den Bachelorstudiengängen die wissenschaftliche Qualität ab. 2001 waren es 33 Prozent.

"Die Entwicklung des Bachelor- Images zeigt einen eigentümlichen Verlauf, denn in der Regel erhalten soziale Neuheiten mit der Zeit mehr Zustimmung und damit ein besseres Image. Das Bild vom Bachelor hat sich aber seit 2001 bis 2007 weiterhin verschlechtert.

Die Argumente, die für ihn sprechen, werden von den Studierenden seltener unterstützt, die Argumente gegen ihn werden häufiger bestätigt", heißt es in der Studie. Die hohe und steigende Quote von Distanz und Abwertung des Bachelor-Abschlusses gerade bei gut informierten Studenten spricht nach Ansicht der Autoren dafür, dass deren Urteil nunmehr begründeter erscheinen und überzeugter vertreten werden.

Insofern sei zu erwarten, dass "Spaltungen und Streit um den Bachelor" zunehmen und nicht durch einen besseren Informationsstand reduziert oder besänftigt werden. Insgesamt sei in den nächsten Jahren nicht mit einer größeren Bereitschaft der Studenten zum Bachelor zu rechnen, auch wenn sich das Angebot an den Hochschulen mehr etabliere. Die Autoren erwarten auch den Rückgang internationaler Mobilität für Bachelorabsolventen.

In der Studie wird auch kritisiert, dass es bislang keine angemessenen Daten zu den Bachelorstudiengängen gebe. Die aktuellen Daten könnten wenig Einblicke in die tatsächlichen Verhältnisse bieten und sinnvolle Auskünfte liefern. Eine Überarbeitung der Statistiken und ihrer Publizierung wäre dringlich zu empfehlen.


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Keine Ahnung - Der Kommentar von Michael Hartmer

Zu den Irrationalismen der Bildungspolitik gehört die Indolenz, nachgerade Verachtung der Regierenden gegenüber der Meinung der Regierten. Dieses bestenfalls paternalistische Verhaltensmuster ist zurzeit wieder einmal zu besichtigen.

Die BMBF-Studie zeigt: Die Studierenden halten immer weniger von der Jahrhundertreform Bologna-Prozess, wie er in Deutschland betrieben wird. Und zwar umso weniger, je besser sie ihn kennen. Aus Sicht der Studierenden befindet sich das Bachelor-Image im freien Fall.

Und nun kommt das Merkwürdige: Dieses desaströse Ergebnis stört niemanden, irritiert niemanden, beunruhigt niemanden. Wahrscheinlich haben die 1,8 Millionen Studierenden überhaupt keine Ahnung, alle komplett desorientiert.

Statt überfälliger Fehleranalyse, statt Selbstkritik, gar Kursänderung des deutschen Bologna- Prozesses, hören wir als Reaktion die rituelle Nachsteuerungs-, Kinderkrankheiten- und Durchhalterhetorik. Die Wirtschaftsvertreter ziehen wieder ihre Parole "Bachelor- Welcome" (welche? wie viele?) aus der Kiste, die HRK kommentiert so viel studentischen Unverstand vorsichtshalber überhaupt nicht und Frau Bundesministerin zieht äußerst wagemutig "eine positive Bilanz". Statt "Bologna- Schock" allerorten nur Camouflage und Problemverniedlichung. Wie lange soll das eigentlich noch gehen?


Autor: Michael Hartmer
Der Autor ist Rechtsanwalt und Geschäftsführer des Deutschen Hochschulverbandes.

Aus Forschung und Lehre :: September 2008

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