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Der Cern-Thriller: Die Pannen in Genf sind ein Glück für die Wissenschaft

Von Ulrich Schnabel

In Genf jagt eine Panne die nächste. Das Experiment bleibt spannend.

Der Cern-Thriller: Die Pannen in Genf sind ein Glück für die Wissenschaft
Auf den ersten Blick sieht es so aus, als gäbe es mit der "Weltmaschine" nichts als Ärger. Zuerst der ganze Trubel um die Schwarzen Löcher, die angeblich im Kernforschungszentrum Cern in Genf entstehen. Und nun auch noch technische Pannen, die den Riesenbeschleuniger LHC erst einmal für sechs Monate stilllegen - das klingt schon fast nach Sabotage. Doch auf den zweiten Blick: Was für ein Glück für die Wissenschaft! Denn Hand aufs Herz: Wer würde sich sonst für Teilchenphysik interessieren?

Keine PR-Agentur hätte den Start des LHC besser in Szene setzen können. Schließlich sind die Beschleunigerexperimente bei reibungslosem Ablauf beliebig unanschaulich. Da knallt und raucht nichts, anders als seltene Tiere lassen sich Elementarteilchen auch nicht fotografieren, und selbst die energiereichsten Teilchenkollisionen verstecken sich in einem Datenwust, den nur noch aufwendige Computerprogramme durch schauen. Langweiliger kann Wissenschaft kaum sein.

Doch dann beschwor ein exzentrischer Professor die Gefahr von alles verschlingenden Schwarzen Löchern, und schon hatten alle Boulevardblätter einen perfekten Aufhänger - auch wenn die Bedrohung in etwa so real war wie die Angst mittelalterlicher Seefahrer, bei langen Erkundungsreisen von der Erdscheibe zu kippen.

Dann folgte, wenige Tage nach dem Start, ein Stromausfall, kurz darauf überhitzte sich einer der supraleitenden Magneten, und durch ein Leck im Kühlsystem entwich eine Tonne suprafluides Helium. So macht der LHC ständig neue Schlagzeilen und beweist, dass Wissenschaft eben nie Routine ist, sondern immer einen Schritt ins Ungewisse darstellt.

Nun wird selbst das Rennen mit der Konkurrenz vom amerikanischen Tevatron wieder spannend. Es fehlte eigentlich nur noch ein mysteriöser Todesfall - etwa ein Physiker, der in seinem Büro mit einem Schwarzen Loch in der Brust aufgefunden wird. Dann wäre der Romanstoff für einen Cern-Thriller perfekt.

Aus DIE ZEIT :: 25.09.2008

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