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Der Nobelpreis als Ermutigung zur Forschung

Von Andreas Sentker

Die erneute Auszeichnung eines deutschen Wissenschaftlers mit dem Nobelpreis spricht für die Qualität von Wissenschaft und Forschung in Deutschland, so der DFG-Präsident Matthias Kleiner. Damit könnte der Nobelpreis die klinische Forschung in Deutschland fördern.

Der Nobelpreis als Ermutigung zur Forschung: klinische Forschung© DFGProf. Dr.- Ing. Matthias Kleiner, Präsident der DFG
Jetzt jubeln sie wieder. Der Nobelpreis für Physiologie und Medizin geht zur Hälfte an einen deutschen Forscher, der tatsächlich in Deutschland forscht. Mit dem Heidelberger Harald zur Hausen wird zudem nach vielen Grundlagenforschern endlich ein zupackender Mediziner geehrt.

Ein Grund zum Feiern, fürwahr. Doch der Jubel wird wie so oft zweckentfremdet. Die deutsche Wissenschaft, heißt es nun, sei besser als ihr Ruf, die deutsche Medizin herausragend. Der Preis, ließ Bundesforschungsministerin Annette Schavan verbreiten, sei "gleichzeitig eine großartige Auszeichnung für die deutsche Forschungslandschaft". Die erneute Auszeichnung eines deutschen Wissenschaftlers mit dem Nobelpreis belege eindrucksvoll "die Qualität von Wissenschaft und Forschung in Deutschland", erklärte Matthias Kleiner, Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft.

Das Lob kann nur als Ansporn gemeint sein. Wenn auch die Grundlagenforschung in Deutschland vielfach prämiert und international konkurrenzfähig ist, befindet sich die Wissenschaft im Dienst am Patienten seit Jahrzehnten in der Krise. Der "Leistungsstand der klinischen Forschung" sei "trotz zahlreicher Vorschläge und Bemühungen zu seiner Verbesserung - und unbeschadet mancher hervorragender Einzelleistungen - insgesamt unbefriedigend", schrieb der Wissenschaftsrat schon 1986. "Es bleibt Raum für Verbesserungen ", notierte voll bitterer Lakonie die Deutsche Forschungsgemeinschaft 1999 in ihrer Denkschrift zur klinischen Forschung und hat gerade Anfang dieses Jahres ihr Förderprogramm für klinische Forschergruppen neu ausgerichtet, um die anhaltenden Defizite auszugleichen.

Der Preis an zur Hausen kann und darf also nicht darüber hinwegtäuschen, dass hier die Einzelleistung eines Mannes gewürdigt wird, der den Mut und die Standfestigkeit besaß, sich gegen den Mainstream zu stellen. Er kann und darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass Deutschland in der Umsetzung von Forschungsergebnissen in die klinisch-therapeutische Praxis immer noch deutliche Schwächen hat.

Das wird am Beispiel der Krebsforschung besonders deutlich. Im Labor können die Deutschen international mithalten. Am Krankenbett von Krebspatienten ist das deutsche Gesundheitssystem trotz hoher Kosten im internationalen Vergleich gerade einmal mittelmäßig.

Dass aber das andere Extrem eiliger Ökonomisierung von Erkenntnissen weder preiswürdig noch hilfreich ist, lässt sich auch an dieser Preisverleihung ablesen. Während sich der Franzose Luc Montagnier und seine Kollegin Françoise Barré-Sinoussi die andere Hälfte des Nobelpreises für die Entdeckung des HI-Virus teilen, ging ihr amerikanischer Kollege Robert Gallo leer aus. Der hatte an den Proben der Franzosen geforscht, die Ergebnisse rasch patentieren lassen und sich selbst zum Aids-Entdecker ausgerufen.

Harald zur Hausen kämpft hingegen zum Nutzen der Kranken und will die aus seinen Forschungen resultierende Impfung gegen Gebärmutterhalskrebs weltweit kostengünstig verfügbar machen. Der Preis könnte dabei helfen.

Aus DIE ZEIT :: 09.10.2008

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