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Deutscher Hochschulverband fordert 32 000 Professuren

 

Die schlechten Bedingungen des wissenschaftlichen Nachwuchses in Deutschland müssen laut DHV dringend verbessert werden.

Deutscher Hochschulverband fordert 32 000 Professuren© DHVDHV-Präsident Professor Bernhard Kempen
Der Deutsche Hochschulverband (DHV) hält die Karrieremöglichkeiten des wissenschaftlichen Nachwuchses in Deutschland für international zweitklassig. "Einzelne Gegenbeispiele, gezielte Fördermaßnahmen, z.B. das Emmy-Noether-Programm der Deutschen Forschungsgemeinschaft, haben an der grundsätzlichen Problematik ebenso wenig geändert wie Exzellenzinitiative und Hochschulpakt", erklärte DHV-Präsident Professor Bernhard Kempen.

Entscheidend sei, dass seit 1995 bundesweit mehr als 1 500 Universitätsprofessuren eingespart worden seien. Dieser Trend müsse umgekehrt werden. "Immer mehr Nachwuchswissenschaftler kämpfen um weniger Professorenstellen. In vielen Fächern haben selbst die Besten der Besten keine realistische Chance, auf eine Professur zu gelangen", so Kempen. Der DHV fordert, die Zahl der Universitätsprofessoren um 40 Prozent zu steigern. Statt der knapp 23.400 müsse es 32.000 Professoren für die gegenwärtig rund 1,4 Millionen Studierenden an den Universitäten in Deutschland geben.

Dies würde einem Verhältnis von 43 Studierenden pro Professor anstelle der bisherigen Relation von 60 Studierenden pro Professor entsprechen. "Eine hochwertige Ausbildung künftiger Studierender und die Berufschancen für den wissenschaftlichen Nachwuchs könnten durch diese Maßnahme gleichermaßen befördert werden", erklärte Kempen.

Ob der Weg zu einer Professur über die Habilitation, Juniorprofessur oder die Leitung einer wissenschaftlichen Nachwuchsgruppe erfolge, sei von der Fächerkultur, den Präferenzen einer Fakultät und - anders als bisher - von der Entscheidung des einzelnen Nachwuchswissenschaftlers abhängig zu machen. Im weltweiten Wettbewerb um Spitzenwissenschaftler, so Kempen weiter, müssten deutsche Hochschulen mit ausländischen Universitäten gleichziehen und verlässliche Berufsperspektiven für Nachwuchswissenschaftler, etwa in Form eines "tenure track", anbieten können. Von der Option, im Einzelfall nach Ablauf einer positiv evaluierten Qualifikationszeit eine Universitätsprofessur zu erhalten, sollten künftig auch Habilitanden profitieren können. "Ein Automatismus ist mit dem 'tenure track' nicht verbunden", hob Kempen hervor. "Die Vergabe eines 'tenure track' ist eine zugesicherte Chance, bei positiver Evaluation eine Professur zu erhalten - ohne Haushaltsvorbehalt."

Aus Forschung und Lehre :: April 2008

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