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Deutschlandstipendium - Verpasste Chance


von Jan-Martin Wiarda

Während Berlin die Förderung nutzt, versagt Hamburg.

Deutschlandstipendium - Verpasste Chance© Hubertus Blume - Fotolia.comNicht alle nutzen die Chance auf ein Deutschlandstipendium - ein Vergleich zwischen Berlin und Hamburg
Berlin feiert seine Stipendiaten. 19 Hochschulen in der Hauptstadt haben sich zusammengetan, um in dieser Woche erstmals ein Fest auszurichten für jene 325 Studenten, die eines der neuen sogenannten Deutschlandstipendien gewonnen haben. Damit feiern die Hochschulen auch ihren eigenen Erfolg, denn für jeden Euro staatlicher Fördergelder, die sie an ihre Studenten weitergeben, mussten sie zuvor einen weiteren Euro privat einwerben. 300 Euro monatlich pro Stipendiat, das ergibt mehr als eine Million Euro pro Jahr an zusätzlicher Unterstützung für engagierte junge Menschen, davon eine halbe Million an Spenden. Doch nicht nur das ist ein Grund zur Freude, denn fast jeder Deutschlandstipendiat engagiert sich sozial.

Hamburg ist einen anderen Weg gegangen. Die großen Hochschulen der Hansestadt haben sich vergangenes Jahr darauf verständigt, erst mal gar nichts zu tun in Sachen Deutschlandstipendium. Der Aufwand sei zu hoch, und außerdem wolle man sich gegenseitig keine Konkurrenz um die Geldgeber machen. Dass das von Bildungsministerin Annette Schavan (CDU) forcierte Programm in seiner Entstehungsphase viel schlechte Presse bekommen hat, mag auch ein Grund gewesen sein für diese erschreckende Mutlosigkeit. Was die Hamburger verpasst haben, kann man an vielen Hochschulen im Land sehen, die das Stipendium als Chance begreifen: Kaiserslautern etwa, Frankfurt oder Duisburg-Essen. Oder eben Berlin. Die Hochschulen dort schließen sich jetzt sogar mit Wirtschaftsverbänden zur Initiative »Deutschlandstipendium in Berlin: Wir machen mehr daraus« zusammen. Hakeliger Name, aber der Enthusiasmus, für die eigenen Studenten und für die Stadt etwas tun zu wollen, ist beispielhaft. In Hamburg ist übrigens der letzte Stand, dass die Hochschulen eine Arbeitsgruppe zum Deutschlandstipendium gegründet haben. Da kann man nur sagen: Viel Erfolg beim Diskutieren.

Aus DIE ZEIT :: 11.10.2012

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