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Die Ausstattung von Professuren - Ergebnisse einer aktuellen Auswertung

VON HUBERT DETMER UND KATHARINA PICKER

Seit einigen Jahren veröffentlicht der Deutsche Hochschulverband Daten zur Ausstattung von Professuren. Basis hierfür sind aktuell ca. 1.500 Fragebögen, die von Wissenschaftlern nach Abschluss ihrer Berufungs- oder Bleibeverhandlungen ausgefüllt worden sind.

Die Ausstattung von Professuren - Ergebnisse einer aktuellen Auswertung© terex - Fotolia.comMit welcher Ausstattung sollte eine Professur rechnen?
Insbesondere anlässlich einer ersten Berufung in ein Professorenamt fragen sich potenzielle Professorinnen und Professoren immer wieder, was eigentlich eine übliche Ausstattung der Professur in ihrem Fach ist. Hierzu gibt es weder legislative Vorgaben noch eine wirklich belastbare höchstrichterliche Rechtsprechung. Die vom Bundesverfassungsgericht anerkannte und auch als unverlierbar erklärte Grund- oder Mindestausstattung ist nicht definiert oder quantifizierbar.

Von daher ist gerade der Erstberufene darauf angewiesen, von seinen potenziellen und wohlwollenden Kolleginnen und Kollegen Tipps zu den Usancen vor Ort zu erhalten. Daneben können auch die DHV-Durchschnittswerte in den einzelnen Fächergruppen Orientierungshilfe geben. Die Ausstattungsmittelwerte sind im Großen und Ganzen seit 2012 konstant geblieben.

Im Bereich der Geisteswissenschaften sind zwischen 2012 und 2014 im Durchschnitt folgende Ausstattungspositionen vergeben worden:
  • Erstausstattung: 57.000 Euro
  • Laufende Mittel: 11.000 Euro
  • Wissenschaftliches Personal: 1,3 Stellen
  • Nichtwissenschaftliches Personal: 0,46 Stellen
  • Räume: 3,2
Gegenüber dem Langzeitmittelwert (53.740 Euro/12.000 Euro/1,43 Stellen/0,58 Stellen/3,63 Räume) fällt auf, dass allein im Bereich der Erstausstattungsmittel eine nennenswerte Steigerung zu verzeichnen ist. Im Übrigen ist eine leicht abfallende Tendenz festzustellen.

Nahezu konstant sind die Ausstattungswerte auch im Bereich der Rechtswissenschaften geblieben. Zwischen 2012 und 2014 wurden folgende Ausstattungsergebnisse erzielt:
  • Erstausstattung: 51.000 Euro
  • Laufende Mittel: 14.000 Euro
  • Wissenschaftliches Personal: 1,8 Stellen
  • Nichtwissenschaftliches Personal: 0,8 Stellen
  • Räume: 4,6
Im Gegensatz zu den Geisteswissenschaften hat die Konstanz hier jedoch ein positives Vorzeichen. Positive Veränderungen sind gegenüber dem Langzeitmittel in vier Kategorien zu verzeichnen (Langzeitmittel: 43.000 Euro/12.500 Euro/1,76 Stellen/0,69 Stellen/4,08 Räume).

In der Fächergruppe Mathematik/Naturwissenschaften ist in Folge einiger sehr exponierter Berufungen im neuesten Erhebungszeitraum zum Teil ein deutliches Plus gegenüber dem Langzeitmittel zu verzeichnen. Im Schnitt wurden zwischen 2012 und 2014 folgende Ausstattungswerte mit Erfolg verhandelt:
  • Erstausstattung: 335.000 Euro
  • Laufende Mittel: 54.000 Euro
  • Wissenschaftliches Personal: 2,1 Stellen
  • Nichtwissenschaftliches Personal: 1,7 Stellen
  • Räume: 6,45
Auffällig gegenüber dem Langzeitmittel ist der Trend zu mehr Geld und weniger Stellen. Dies korreliert mit der deutlich zunehmenden Praxis, nicht Planstellen, sondern Budgets auch zur Finanzierung von Stellen zur Verfügung zu stellen (Langzeitmittel: 288.900 Euro/28.500 Euro/2,21 Stellen/1,32 Stellen/6 Räume).

Zum Teil deutliche Abweichungen gibt es im Bereich der Ingenieurwissenschaften. Anzumerken ist freilich auch, dass in diesem Bereich die Bandbreite individueller Verhandlungsergebnisse seit jeher sehr groß ist, weshalb die Langzeitauswertung - unter Einschluss der jüngsten Verhandlungsergebnisse aus den Jahren 2012 bis 2014 - am ehesten eine verlässliche Orientierungshilfe darstellen kann. Hier die Langzeitwerte:
  • Erstausstattung: 283.500 Euro
  • Laufende Mittel: 36.000 Euro
  • Wissenschaftliches Personal: 2,75 Stellen
  • Nichtwissenschaftliches Personal: 1,66 Stellen
  • Räume: 7,13

Der Bereich der Wirtschaftswissenschaften zeichnet sich seit jeher durch eine hohe Konstanz aus. Von 2012 bis 2014 wurden folgende Ergebnisse erzielt:
  • Erstausstattung: 59.300 Euro
  • Laufende Mittel: 14.900 Euro
  • Wissenschaftliches Personal: 2,08 Stellen
  • Nichtwissenschaftliches Personal: 0,61 Stellen
  • Räume: 4,36
Im Vergleich hierzu die Langzeitwerte: 57.770 Euro/12.000 Euro/2,18 Stellen/0,63 Stellen/4,76 Räume.

Im Bereich der Medizin sind einzelfallbezogen extreme Ausreißer nach oben und nach unten zu verzeichnen. Daher sind auch hier nur die Langzeitwerte als Orientierungshilfe geeignet:
  • Erstausstattung: 234.000 Euro
  • Laufende Mittel: 46.000 Euro
  • Wissenschaftliches Personal: 2,82 Stellen
  • Nichtwissenschaftliches Personal: 1,81 Stellen
  • Räume: 5,89

Resümee

Durchschnittswerte können - wie bereits erwähnt - für den Einzelnen immer nur eine erste Orientierungshilfe darstellen. Gerade Erstberufenen muss daher geraten werden, ein einerseits überzeugendes und ambitioniertes, andererseits aber auch ein auf die institutionellen Desiderate und Möglichkeiten zugeschnittenes Konzeptionspapier zu erarbeiten. Darüber hinaus ist neben der konkreten und einzelfallbezogenen Beratung oder einem Coaching in Berufungsverhandlungen immer auch eine partnerschaftliche Kommunikation innerhalb der neuen Universität von Nöten, um tatsächlich ein Mehr an Sicherheit darüber zu erlangen, was "Standard" ist und was im besten Falle machbar sein könnte. Jeder Einzelfall hat sein Eigenleben; bedingt durch "Marktsituation", Verhandlungsgeschick u.v.a.m.


Über die Autoren
Dr. Hubert Detmer ist Rechtsanwalt und stellvertretender Geschäftsführer des Deutschen Hochschulverbandes (DHV).
Katharina Picker ist Rechtsreferendarin und wissenschaftliche Mitarbeiterin im Deutschen Hochschulverband.

Aus Forschung & Lehre :: Januar 2015