Das Karriereportal für Wissenschaft & Forschung von In Kooperation mit DIE ZEIT Forschung und Lehre

Die Auswahl wird nicht leichter - Exzellenz, zum Zweiten

Von Stefan Hornbostel, Sebastian Bukow und Michael Sondermann

Im September 2010 wurde mit der Abgabe der Projektskizzen die nächste Auswahlrunde der Exzellenzinitiative eingeläutet. Worauf werden die Gutachter dieses Mal besonders achten?

Die Auswahl wird nicht leichter - Exzellenz, zum Zweiten
Laut Wissenschaftsrat beteiligen sich rund 77 Prozent aller staatlichen Hochschulen am Wettbewerb (etwa genauso viele wie in der ersten Runde). Mit insgesamt 227 Antragsskizzen liegen allerdings - selbst wenn man zusätzlich einkalkuliert, dass alle 85 gegenwärtig geförderten Projekte im kommenden Jahr eine Fortsetzung beantragen werden - deutlich weniger Skizzen vor als in der ersten Auswahlrunde: Damals wurden insgesamt 580 Skizzen eingereicht. Ob dieser Rückgang auf die dringende Bitte der DFG, nur wirklich tragfähige Projekte anzumelden, zurückzuführen ist oder auf ein nüchternes Kalkül von Erfolgschancen, Aufwand und potentiellem Ertrag, ist derzeit schwer zu sagen. Sicher ist, dass die Auswahlentscheidungen der kommenden Runde der Exzellenzinitiative nicht einfacher werden. Die neuen Bewerber hatten Zeit, sich vorzubereiten und die vorliegenden Erfahrungen zu berücksichtigen.

In den laufenden Projekten wird bilanziert, welche Ziele erreicht bzw. nicht erreicht wurden, welche Gründe für das Eine oder für das Andere verantwortlich waren und wie sich daraus ein plausibles Fortsetzungsszenario entwickeln lässt. Die bereits erbrachte Leistung wird schließlich von Bedeutung sein, wenn es darum geht, ob noch einmal für fünf Jahre Gelder aus dem Exzellenztopf fließen. Ein genaues Augenmerk werden die Gutachter dabei sicherlich auf die Personalrekrutierung richten, denn schon in den Förderanträgen fanden sich vielfach ambitionierte Vorhaben, was Rekrutierungsverfahren und die Verstetigung der Professuren für die Zeit nach der Exzellenzinitiative betrifft.

Rekrutierung von Professoren

Ende letzten Jahres waren 280 direkt aus Exzellenzmitteln berufene Professoren an den Graduiertenschulen, Exzellenzclustern und im Rahmen der Zukunftskonzepte tätig. Davon sind ca. 40 Prozent Juniorprofessoren und je ca. 30 Prozent W2- bzw. W3-Professoren. Während das Durchschnittsalter bei der Ernennung zum Professor in Deutschland bei 41 Jahren liegt (Stat. Bundesamt 2009), sind die "Exzellenzprofessoren" etwas jünger. Ende 2010 liegt das Altersmittel bei W1-Professoren bei knapp 36 Jahren, bei W2 bei rund 39 Jahren und bei den W3-Professoren bei rund 44 Jahren. Im Hinblick auf die mit der Exzellenzinitiative verfolgte Erhöhung des Frauenanteils unter den Professoren fällt das Ergebnis der Berufungspolitiken weitestgehend durchschnittlich aus (vgl. Abbildung), obwohl es an Bemühungen um eine höhere Frauenquote nicht gemangelt hat.

Zügigere Berufungsverfahren?

Interessanter ist ein Blick auf die Verfahrensdauer. Gerade die lange Dauer von Berufungsverfahren gilt als große Schwäche des deutschen Hochschulsystems. Daher werden seit einigen Jahren auch unabhängig von der Exzellenzinitiative Anstrengungen unternommen, diese zu verkürzen. Immerhin konnten zwischen Juni 2007 und Februar 2009 rund 37 Prozent der Verfahren innerhalb eines Jahres abgeschlossen werden (DHV 2009). Verglichen mit älteren Untersuchungen signalisieren diese Befunde eine erhebliche Beschleunigung der Berufungsverfahren insgesamt. Die Exzellenzprojekte standen bei den Berufungen vor besonderen Herausforderungen: Angesichts der begrenzten Förderdauer und der anstehenden Fortsetzungsbegutachtung galt es, die Berufungen zügig durchzuführen. Dies ist auch ganz überwiegend gelungen: Ca. 64 Prozent der "Exzellenz-Berufungsverfahren" waren in nicht einmal einem Jahr abgeschlossen. Gerade im Bereich der Juniorprofessuren wurden teilweise neue Wege im Berufungsverfahren beschritten, etwa thematisch offenere Ausschreibungen oder gemeinsame Berufungskommissionen für mehrere Professuren.

Inwieweit die Hochschulen die dort gemachten Erfahrungen auf "normale" Berufungsverfahren übertragen können, bleibt jedoch abzuwarten. Bei den W3-Verfahren hingegen wurde seltener von den üblichen Verfahren abgewichen. Deren Beschleunigung ist vielmehr Resultat einer (deutlichen) zeitlichen Straffung der einzelnen Verfahrensschritte. Wirkliche Neuerungen bleiben die Ausnahme. Nur in wenigen Fällen wurden etwa die vieldiskutierten proaktiven Berufungsverfahren, also der Verzicht auf eine Ausschreibung und die direkte Ansprache bzw. Berufung des Wunschkandidaten, eingesetzt. Die Praxis hinkt hier - auch bedingt durch die unterschiedlichen landesrechtlichen Regelungen - der öffentlichen Diskussion (noch) hinterher.

Aussicht auf Entfristung?

Schließlich stellt sich die Frage, wie nachhaltig die Berufungen auf die Hochschulen wirken. Hier ist gegenwärtig nur eine erste Einschätzung möglich. Jüngste Erhebungen des iFQ zeigen, dass knapp 30 Prozent der aus Exzellenzmitteln berufenen Professoren (mittlerweile) unbefristet tätig sind. Aber: Rund 55 Prozent der befristet beschäftigten Professoren haben zumindest eine Aussicht auf Weiterbeschäftigung bzw. Entfristung. Damit ist heute schon klar: Mit der Exzellenzinitiative wurden durch die Berufungen über den Förderzeitraum hinaus Schwerpunkte gesetzt. Entfristungen und Investitionen sind aber auch Belastungen für die Zukunft. Insofern bedeutet die zweite Runde für die Fortsetzung von geförderten Projekten die Chance auf weitere fünf Jahre mit finanzieller Sicherheit, aber im Fall von Neuanträgen auch weitere zukünftige Belastungen. Die richtige Balance zu finden, stellt gegenwärtig eine Vielzahl von Hochschulen vor große Herausforderungen.

Polarisierende Stimmung

Es besteht kein Zweifel daran, dass die Exzellenzinitiative in kurzer Zeit sehr viel Bewegung in das deutsche Hochschulsystem gebracht hat und inzwischen auch international als Blaupause für ähnliche Initiativen genutzt wird. Allerdings ist die gleichermaßen polarisierende wie euphorisierende Stimmung der ersten Runden einer sehr viel nüchterneren Betrachtungsweise gewichen. Unter der Professorenschaft hält - wie iFQ-Erhebungen zeigen - nur etwa ein Viertel das Format eines Exzellenzwettbewerbs für die Forschung oder die Lehre für eine geeignete Maßnahme, den Wissenschaftsstandort Deutschland zu stärken, wohingegen von den aus Exzellenzmitteln rekrutierten Professoren etwa zwei Drittel einen Exzellenzwettbewerb im Bereich der Forschung (und fast die Hälfte auch für die Lehre) für eine Standortstärkung für geeignet halten.


Über die Autoren
Stefan Hornbostel ist Leiter des Instituts für Forschungsinformation und Qualitätssicherung (iFQ) Bonn.
Sebastian Bukow ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am iFQ.
Michael Sondermann ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am iFQ.


Aus Forschung und Lehre :: Dezember 2010

Ausgewählte Artikel
Ausgewählte Stellenangebote