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Die Betreuungsrelation an deutschen Universitäten hat sich weiter verschlechtert

 

Die Zahl der Professuren an Universitäten wurde zwischen 1997 und 2006 um 1.160 Stellen reduziert. Kürzungen von Lehrkapazitäten verschlechtern insbesondere die Betreuungsrelation von Professor und Student.

Die Betreuungsrelation an deutschen Universitäten hat sich weiter verschlechtert© CraigPJ - stock.xchng
Vonden Kürzungen am stärksten betroffen waren die Ingenieurwissenschaften (minus zehn Prozent) und die Sprach- und Kulturwissenschaften (minus neun Prozent). Im gleichen Zeitraum stieg die Zahl der Fachhochschulprofessuren um etwa 1.300.

Das geht aus dem aktuellen gemeinsamen Bericht von Bund und Ländern "Bildung in Deutschland 2008" hervor. Die Betreuungsrelation von Professor und Student hat sich in beiden Hochschularten verschlechtert. Kamen im Jahr 2000 an Universitäten noch 57 Studenten auf einen Professor, so waren es 2006 62. An Fachhochschulen betreute ein Professor 2006 41 Studenten (2000 waren es noch 33).

Die Betreuungsrelationen unterscheiden sich je nach Fächergruppe. Besonders ungünstig seien sie an den Universitäten in den stark nachgefragten Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften (109 Studenten pro Professor). In den Sprach- und Kulturwissenschaften seien es 81.

Erhöhte Studentenzahl durch Bologna-Reform bedarf einer besseren Betreuungsrelation

Die Autoren sehen in den verschlechterten Betreuungsrelationen eine "ungünstige Voraussetzung" für die erwartete Erhöhung der Studentenzahl und das Erreichen der mit der Bologna-Reform angestrebten "anspruchsvollen" Ziele.

Die Länder entwickeln nach Informationen der Autoren unterschiedliche Konzepte, um die Lehrkapazitäten zu erhöhen. So werde das Lehrdeputat der Professoren ausgeweitet, vermehrt wissenschaftliche Mitarbeiter mit dem Schwerpunkt "Lehre" ("Lecturer") und zunehmend Lehrbeauftragte eingestellt.

Der Bericht bestätigt, dass in einigen der ersten Bachelorstudiengänge der Studienabbruch entgegen den Erwartungen höher lag als bei den alten Studiengängen.

Hohe Studienabbruchquoten seien vor allem in Studiengängen wie Maschinenbau, Chemie, Informatik, Mathematik und Physik zu verzeichnen. Trotz Fachkräftemangels schließe etwa jeder dritte Student in naturwissenschaftlichen Fächern das Studium nicht ab. Über alle Fächer und Hochschultypen gerechnet führe heute jeder fünfte Student das Studium nicht zu Ende.

Weniger Geld für Bildung in Deutschland

Die Bildungsausgaben in Deutschland sind dem Bericht zufolge zwischen 1995 und 2006 zwar um 15 Milliarden Euro gestiegen, gemessen an der Entwicklung des Bruttoinlandsproduktes sank der Anteil in diesem Zeitraum jedoch von 6,9 Prozent auf 6,2 Prozent. Deutschland liegt damit weiterhin unter dem Ausgabenniveau der meisten Industriestaaten.

Aus Forschung und Lehre :: Juli 2008

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