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Die Bewerbung in Forschung & Entwicklung


Von Sabine Olschner

Wirtschaftsunternehmen der verschiedensten Branchen suchen Nachwuchskräfte für ihre Forschung- und Entwicklungsabteilungen. Gut vorbereitet ist der Einstieg in die Industrieforschung für Akademiker und Doktoranden einfacher - die Bewerbung muss dabei immer zum zukünftigen Arbeitgeber passen. Was Personalern in Industrie und Forschung & Entwicklung bei der Bewerbung und im Vorstellungsgespräch wichtig ist.

Die Bewerbung in Forschung & Entwicklung© Bayer Technology ServicesSwantje Behnken wusste schon früh, dass sie nach der Promotion in die forschende Industrie wechseln möchte
Seit drei Monaten ist Swantje Behnken bei Bayer Technology Services in Leverkusen als leitende Mitarbeiterin in der Abteilung Technology Development Biochemistry & Biocatalysis tätig. Zuvor hatte die Biochemikerin über drei Jahre am Leibniz-Institut für Naturstoff-Forschung und Infektionsbiologie in Jena an ihrer Promotion gearbeitet. "Ich habe mich mit Antibiotika-Wirkstoffen beschäftigt und arbeite nun mit den erlernten Methoden bei Bayer an weiteren molekularbiologischen Themen", so die 29-Jährige, die sich schon früh entschieden hatte, nach ihrer Doktorarbeit in die Wirtschaft zu gehen. "Ich mag das Arbeiten in interdisziplinären Teams und das zielorientierte Denken in Wirtschaftsunternehmen." Schon lange vor der Bewerbungsphase hat sie sich mit Vertretern aus Unternehmen über die Möglichkeiten für Forscher in der Industrie unterhalten. "So konnte ich herausfinden, ob sich meine Wünsche und Erwartungen mit der Realität decken", sagt Swantje Behnken. Etwa sechs Monate vor Abgabe ihrer Doktorarbeit hat sie mit dem Schreiben von Bewerbungen begonnen. Ihre Erfahrung: "Wenn man schon genau weiß, in welchem Bereich man arbeiten will, reicht ein halbes Jahr aus. Wenn man noch keine klare Linie hat, sollte man mehr Vorlaufzeit einplanen." Die gute Vorbereitung zahlte sich aus: Bereits einen Tag, nachdem sie ihre Doktorarbeit eingereicht hatte, konnte sie ihre neue Stelle antreten; das Angebot eines weiteren Unternehmens lehnte sie ab. Die Entscheidung für den Arbeitgeber in Leverkusen fiel letztlich nach einem Gespräch mit einem Senior Experten, der bei dem Unternehmen eine Forscherlaufbahn eingeschlagen hatte. "Er hatte sein Leben lang geforscht und sprühte trotzdem noch immer vor Ideen. Er hat mir die Angst genommen, dass ich in der Wirtschaft vielleicht nicht mehr genügend Kontakt zur Forschung habe."

Die Bewerbung in Forschung & Entwicklung Hans Stratmann, Personaler bei Boehringer Ingelheim, schätzt die Erfahrung von Wissenschaftlern auch in Forschung & Entwicklung
So wie Swantje Behnken geht es vielen Akademikern, die von der Hochschule in die Forschung & Entwicklung eines Wirtschaftsunternehmens wechseln wollen: Mit einer abgeschlossenen Promotion stehen die Chancen gut. "Wir schätzen die Erfahrung der Wissenschaftler, die sich an den Hochschulen mit den neuesten Trends beschäftigen", so Hans Stratmann, bei Boehringer Ingelheim verantwortlich für das Personal für die Bereiche Forschung, Entwicklung und Medizin. Das Pharmaunternehmen sucht junge Forscher vor allem aus den Bereichen Diabetologie und Toxikologie - Forschungsfelder, für die es nicht leicht ist, genügend Nachwuchskräfte zu finden. "Daher rekrutieren wir auch international", so Stratmann.

Wie gelingt der Einstieg in Forschung & Entwicklung?

Grundsätzlich führt der Weg in die Forschung & Entwicklung über zwei Einstiegsmöglichkeiten: die Bewerbung auf eine ausgeschriebene Stelle oder eine Initiativbewerbung. Je nach Weg sollte man unterschiedlich an die Bewerbung herangehen, rät der Personaler. "Bei einer Stellenausschreibung sollte man sich zunächst das gewünschte Profil anschauen und überlegen, an welchen Punkten man besonders gut zu den Anforderungen des Unternehmens passt." Bei einer Initiativbewerbung komme es hingegen darauf an zu erklären, woran der Bewerber bislang geforscht hat und wie

10 Tipps für die Bewerbung in Forschung & Entwicklung

  • Sich seine Ziele und Erwartungen klar machen
  • Gezielt Unternehmen suchen, die zu den eigenen Zielen passen
  • Herausfinden, ob das Unternehmen Bewerbungen online oder per Post bevorzugt
  • Vollständige Bewerbungsunterlagen verschicken: Anschreiben, Lebenslauf, Zeugnisse, Nachweise über weitere Qualifikationen, wenn vorhanden: Referenzen und Liste der Veröffentlichungen
  • Im Anschreiben kurz und knapp darstellen, warum man gut zum Unternehmen passt
  • Den Lebenslauf übersichtlich gliedern und strukturieren
  • Außeruniversitäres Engagement erwähnen, das Soft Skills unterstreicht
  • Sich gut auf das Vorstellungsgespräch vorbereiten, eigene Fragen zum Unternehmen stellen
  • Vorab Vorträge/Präsentationen üben
  • Zur Vorbereitung in Graduiertenschulen Bewerbungstrainings besuchen
gut die eigenen Forschungsthemen zu den Forschungsgebieten des Unternehmens passt. "Man sollte sich darüber klar sein, wie die persönlichen Ziele ausschauen: Will ich mich eher breit aufstellen oder auf meinem Gebiet in die Tiefe gehen? Was interessiert mich inhaltlich am meisten?" Für beide Anschreiben gilt: Lieber kurz und knapp statt ausschweifend. Der Personaler muss auf einen Blick erkennen können, ob der Kandidat ins Unternehmen passt.

Tipps für die Bewerbung: Anschreiben, Lebenslauf, Veröffentlichungen

Neben dem Anschreiben und dem Lebenslauf - das ebenfalls kurz und knapp sowie gut gegliedert sein sollte - empfiehlt es sich für Akademiker, der Bewerbung eine Liste mit ihren bisherigen Veröffentlichungen beizulegen. Dabei sollten sie jedoch darauf achten, dass die Publikationen zu den Forschungsinhalten des Unternehmens passen und zeigen, dass der Bewerber sich mit den Themen seines potenziellen Arbeitgebers auskennt. Nicht die Quantität der Veröffentlichungen zählt, sondern die richtigen Inhalte. "Aus den Publikationen können wir sofort sehen, für welchen Bereich sich der Bewerber am besten eignet. Wenn sein Forschungsthema nicht hundertprozentig zum Unternehmen passt, ist das aber kein Problem", beruhigt Dr. Franca Tiarks von der BASF. "Die meisten Einsteiger müssen sich ohnehin auf ein neues Forschungsgebiet einstellen." Die promovierte Chemikerin, die heute für das Personalmarketing für Naturwissenschaftler zuständig ist, ist vor elf Jahren selber bei BASF in der Forschung & Entwicklung eingestiegen. "Wir suchen vor allem Chemiker, aber auch Biologen, Physiker Mathematiker, Biochemiker und Pharmazeuten." Etwa die Hälfte der Bewerber startet direkt nach der Promotion bei dem Ludwigshafener Chemiekonzern, die andere Hälfte kommt von einer Postdoc-
Die Bewerbung in Forschung & Entwicklung Dr. Franca Tiarks, von der BASF, achtet bei Bewerbern in Forschung & Entwicklung auf sehr gute Noten und das "Gesamtpaket"
Stelle. "Mit 30 Jahren ist man noch nicht zu alt für den Wechsel in den Wirtschaft", betont Franca Tiarks. "Wer allerdings zu lange an der Hochschule bleibt, für den kann der Wechsel in die Wirtschaft schwieriger werden." Die Industrieforschung sei nun mal anders als die Hochschulforschung, darauf müsse man sich einstellen. "Bei uns kommt es darauf an, auch wirtschaftlich zu denken und die Forschungsergebnisse in die Praxis umzusetzen." Bei der Bewerbung achtet die Personalerin zum einen auf sehr gute Noten, zum anderen aber auch auf das "Gesamtpaket": "Unsere Mitarbeiter müssen teamfähig und interkulturell interessiert sein, denn sie arbeiten in internationalen Teams. Englisch ist die gemeinsame Sprache. Wer Auslandsaufenthalte, Industriepraktika oder einen Hochschulwechsel nachweisen kann, beweist uns seine Flexibilität."

Gefragt sind Persönlichkeiten mit Teamfähigkeiten

Soft Skills sind auch für Franz Donner eine wichtige Komponente in der Bewerbung. "Neben einer soliden fachlichen Basis legen wir viel Wert auf eine starke Persönlichkeit. Wir suchen Teamplayer, die offen sind für Neues, die Rückgrat und das Herz am richtigen Fleck haben", sagt der Personalchef von Carl Zeiss, einem Unternehmen aus der Branche der Optik und Optoelektronik. Die persönlichen Eigenschaften werden unter anderem im Vorstellungsgespräch überprüft. Donners Tipp
Die Bewerbung in Forschung & Entwicklung© Carl Zeiss Franz Donner, Personalchef von Carl Zeiss, sind Soft Skills wichtig und eine gute Vorbereitung im Vorstellungsgespräch
für die Interviews mit Personalern und Vertretern aus der Fachabteilung: "Der Bewerber sollte gut vorbereitet sein - fachlich und rhetorisch. Er sollte sich vorab über das Unternehmen informieren und dadurch überzeugen, dass er ein Ziel vor Augen hat." Mit Dynamik, Professionalität und einem natürlichen Auftreten könne der Bewerber punkten. "Wir suchen Menschen, die nach den Sternen greifen und dennoch mit den Füßen auf dem Boden bleiben", fasst er das Anforderungsprofil zusammen. Mehrere Interviewtermine sind die Regel bei Bewerbern, die anspruchsvolle Positionen in der Forschung & Entwicklung besetzen wollen. Bei BASF zum Beispiel wechselt an einem Interviewtag stündlich der Ansprechpartner, hinzu kommt ein kurzer Vortrag über das Thema der Doktorarbeit. Bei Boehringer Ingelheim kann man sich auf zwei bis drei Termine einstellen, bei denen in Gesprächen und einer Präsentation das Verhalten und das Auftreten des Bewerbers angeschaut wird. Franca Tiarks ist zum Beispiel aufgefallen, dass Akademiker häufig in der "Wir"-Form reden, statt ihre persönlichen Einzelleistungen herauszustellen. Vom Anschreiben bis zum Vorstellungsgespräch sollte man sich also gründlich vorbereiten. Denn, so Swantje Behnken von Bayer: "Nur, wer sich mit sich selber auseinandersetzt und weiß, was und wohin er will, wird bei der Bewerbung erfolgreich sein."

academics :: Juli 2012

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