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Die "Brain Circulation" fördern - Wissenschaftler auf dem Weg zurück nach Deutschland


Von Sabine Jung

Seit 2006 unterstützt die German Scholars Organization (GSO) die Rückkehr deutscher Wissenschaftler aus dem Ausland mit einem besonderen Programm. Finanziert wird diese Hilfe durch die Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung. Eine Zwischenbilanz und ein Interview mit Professor Matthias Hannig, Vizepräsident der Universität des Saarlandes. Ihr ist es gelungen, in diesem Jahr zwei Professuren mithilfe des Programms neu zu besetzen.

Die "Brain Circulation" fördern - Wissenschaftler auf dem Weg zurück nach Deutschland© aussi97 - Photocase.comDie GSO fördert die Rückkehr deutscher Wissenschaftler ins Heimatland
Deutsche Nachwuchswissenschaftler sind international besonders mobil. So ist Deutschland das häufigste europäische Herkunftsland ausländischer Doktoranden sowohl in anderen EU-Staaten als auch in den USA. Dies ist einerseits erfreulich, denn Auslandserfahrung ist mehr denn je eine wichtige Voraussetzung für eine erfolgreiche Forscherlaufbahn. Doch allzu häufig gerät der Weg ins Ausland zur Einbahnstraße. Aus der erhofften "Brain Circulation" wird ein beklagenswerter "Braindrain", der dem Land seine wichtigste Ressource entzieht: die besten Köpfe.

Hier setzt die Arbeit der German Scholars Organization e.V. (GSO) an, die 2003 in San Francisco gegründet wurde. Sie bildet den Brückenkopf zu mehr als 3 500 deutschen Wissenschaftlern weltweit und ebnet diesen den Weg zurück in die Heimat. Als besonders erfolgreiches Instrument zur Förderung der "Brain Circulation" hat sich dabei das Programm "Rückkehr deutscher Wissenschaftler aus dem Ausland" erwiesen, das die GSO seit 2006 im Auftrag der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung durchführt, die hierfür 5,6 Mio. Euro zur Verfügung stellt. Inzwischen können sich beide Organisationen über den 33. Rückkehrer freuen, einen Chemiker, der dieser Tage eine Stelle an der University of Cambridge gegen einen Ruf in Deutschland eingetauscht hat. Spitzenreiter bei den Herkunftsländern ist derzeit die USA, wo siebzehn der Rückkehrer tätig waren. Aber auch Länder wie Neuseeland oder Irland sind vertreten.

Das Förderprogramm schließt eine wichtige Lücke beim Kampf gegen den "Braindrain": Es bietet deutschen Universitäten finanzielle Unterstützung von bis zu 100 000 Euro pro Lehrstuhl, um einem "Exil-Forscher" eine Rufannahme in Deutschland zu erleichtern. Das Besondere daran: Die bewilligten Mittel können flexibel für Sachmittel, Mitarbeiterstellen oder auch die Besoldung des Hochschullehrers verwendet werden. So kann etwa das unverzichtbare Spektrometer bestellt oder ein weiterer Doktorand finanziert werden. Da manche Rückkehr schon an weit geringeren Beträgen gescheitert ist, verfügt das Krupp-Programm zudem über eine zweite Programmlinie: Gefördert werden hier Reisekosten von im Ausland tätigen deutschen Wissenschaftlern, die zu einem "Vorsingen" nach Deutschland eingeladen werden - auch das übrigens eine Förderlücke im deutschen Hochschulsystem, das derartige Reisekosten nur innerhalb Deutschlands übernimmt. So kann mit vergleichsweise überschaubaren Mitteln viel erreicht und nicht zuletzt ein wichtiges Signal gesetzt werden: Der Wissenschaftsstandort Deutschland lässt seine besten Köpfe nicht dauerhaft ziehen.

Hinweise für die Antragstellung

Altersgrenzen oder Fächerbeschränkungen gibt es keine. Die Förderung gilt nur für Universitäten. Antragsteller ist jeweils die Universitätsleitung. Anträge werden noch bis zum 30. Juni 2011 von der GSO entgegen genommen. Weitere Informationen zum Antragsverfahren finden Sie unter: www.gsonet.org».

Interview

Forschung & Lehre: Ihrer Universität ist es in diesem Jahr gelungen, mit Hilfe des Krupp-Förderprogramms zwei deutsche Wissenschaftler aus dem Ausland zurückzuholen. Warum mussten Sie dabei auf dieses Förderprogramm zurückgreifen?

Matthias Hannig: Als forschungsorientierte Hochschule steht die Universität des Saarlandes in zunehmendem Wettbewerb um die besten Wissenschaftler. Hier stehen ihr im Vergleich weniger Mittel zur Verfügung als anderen Universitäten. Zur Gewinnung exzellenter Forscher - auch aus dem Ausland - müssen daher alle zur Verfügung stehenden Quellen genutzt werden.

F&L: Welchen Einfluss hatten die bewilligten Fördergelder auf die Entscheidung der Kandidaten, den Ruf anzunehmen?

Matthias Hannig: Durch die zusätzlichen Mittel können die Ansprüche auf Ausstattung der Professur mit Personalund Sachmitteln im Sinne einer ergänzenden Anschubfinanzierung erfüllt werden. Außerdem bringt die Förderung durch Stiftungsmittel einen Zugewinn an Reputation für die beteiligten Wissenschaftler.

F&L: Welchen Bedarf gibt es in Zukunft an derartigen Förderprogrammen beim weltweiten Kampf um die besten Köpfe?

Matthias Hannig: Der Wettbewerb wird härter. Da die Mittel der öffentlichen Hand offenbar weiter verknappt werden, ergibt sich ein steigender Bedarf an derartigen Förderprogrammen.


Über die Autorin
Dr. Sabine Jung ist seit 1. März 2010 Geschäftsführerin der GSO.


Aus Forschung und Lehre :: Juli 2010

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