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Die Heisenberg-Professur

Von Paul Heuermann

Seit über dreißig Jahren bietet die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) erfolgreich das Heisenberg-Programm an. Seit Ende 2005 wurde es um die Heisenberg-Professur erweitert. Ein Bericht über Antragsverfahren und Durchführung der Professur.

Die Heisenberg-Professur

Die Zielgruppe

Das Heisenberg-Programm richtet sich vor allem an Wissenschaftler, die ihre Berufbarkeit über das Emmy Noether- Programm, DFG-Projektstellen, Forschungstätigkeit in der Wirtschaft oder Stellen im akademischen Mittelbau erlangt haben. Zur Zielgruppe gehören ferner positiv evaluierte Juniorprofessoren, Habilitierte, durch habilitationsäquivalente Leistungen Ausgewiesene sowie deutsche Rückkehrer aus dem Ausland beziehungsweise ausländische Wissenschaftler, die in Deutschland tätig sein möchten und entsprechend qualifiziert sind.

Heisenberg-Stipendien

Heisenberg-Stipendien bieten die Möglichkeit, sich an einer oder mehreren wissenschaftlichen Einrichtungen im In- oder Ausland bis zu fünf Jahre lang auf die Hochschullehrerlaufbahn vorzubereiten. Dadurch soll zugleich beigetragen werden, die Chance zu erhöhen, in absehbarer Zeit auf eine Professur berufen zu werden.

Die Heisenberg-Professur

Zum Jahreswechsel 2005/2006 hat die DFG das Heisenberg-Programm um die Heisenberg-Professur erweitert. Ähnlich wie bei Professuren in Forschergruppen und Klinischen Forschergruppen handelt es sich dabei um ein Tenure- Track-Verfahren.

Die Hochschule erklärt zu Anfang des Verfahrens, dass sie - abhängig vom Ergebnis einer Zwischenevaluation - nach dem Ende der fünfjährigen DFGFörderung die Professur dauerhaft in ihren Haushalt übernimmt. Dadurch soll ermöglicht werden, dass Heisenberg- Professoren - in größerer Sicherheit als beim Stipendium - an universitären Strukturentwicklungsprozessen mitwirken können.

Während im Jahre 2006 erst sechs Heisenberg-Professuren bewilligt worden sind, waren es im Jahre 2007 bereits 32. Für die kommenden Jahre wird ein weiterer Anstieg erwartet.

Wahl- und Kombinationsmöglichkeit

Der Adressatenkreis kann sich nunmehr entscheiden, ob er ein Heisenberg- Stipendium im In- und/oder Ausland oder eine Heisenberg-Professur an einer deutschen Hochschule anstrebt. Unter bestimmten Voraussetzungen ist auch ein Wechsel vom Heisenberg-Stipendium zur Heisenberg-Professur möglich.

Unterschiede zwischen dem Heisenberg-Stipendium und der Heisenberg-Professur

Der Antrag für eine Heisenberg-Professur unterscheidet sich vom Antrag für ein Heisenberg-Stipendium insbesondere dadurch, dass ein "Strukturentwicklungskonzept" beizufügen ist. Das Procedere ist durch die Verzahnung der Entscheidungsprozesse bei der DFG und der Hochschule gekennzeichnet.

Das von der Hochschulleitung zu unterzeichnende Strukturentwicklungskonzept beschreibt, wie sich eine Fakultät/ ein Fachbereich durch die geplanten Aktivitäten eines Bewerbers in ihrem Profil weiterentwickeln will. Dabei empfiehlt es sich, auf der Basis der Beschreibung der aktuellen Ausrichtung der Fakultät/ des Fachbereichs zunächst die angestrebten Ziele, die Notwendigkeit der Besetzung einer Professur zur Zielverwirklichung und das gewünschte Profil des Bewerbers darzustellen.

Im Hinblick auf die Ausgestaltung der hochschulinternen Entscheidungsverfahren macht die DFG keinerlei Vorgaben, allein maßgeblich ist das Landesrecht.

Besoldung, Nebenverdienstmöglichkeiten und Lehrdeputat

Die Heisenberg-Professur wird derzeit nach W 2 besoldet. Es ist damit zu rechnen, dass im Verlaufe des Jahres eine W 3-Option hinzukommen wird.

Gerade die W 3 -Option soll dazu beitragen den Anteil ausländischer Bewerber und deutscher Rückkehrer zu erhöhen. Anders als beim Heisenberg-Stipendium gibt es von Seiten der DFG keine Begrenzungen bzw. Anrechnung eines Nebenverdienstes. Das Lehrdeputat ist etwa im Hinblick auf die für eine erfolgreiche Zwischenevaluation erforderlichen wissenschaftlichen und strukturellen Leistungen vor Ort auszuhandeln.

Grund- und Ergänzungsausstattung

Während die Hochschule die fachadäquate Grundausstattung zur Verfügung stellen muss, kann bei der DFG mittels einer Sachbeihilfe die erforderliche Ergänzungsausstattung beantragt werden.

Wie kann ein Bewerber die neuen Möglichkeiten optimal nutzen?

Den Ausgangspunkt bilden in der Regel die eigenen wissenschaftlichen Schwerpunkte und Ziele. Ein Bewerber kann Kontakt zu einer geeigneten Hochschule aufnehmen, um auf der Basis seines wissenschaftlichen Profils gemeinsam ein Strukturentwicklungskonzept zu erarbeiten. Danach kann er die Heisenberg- Professur direkt beantragen.

Sollte noch kein Kontakt zu einer interessierten Hochschule geknüpft worden sein oder wenn es absehbar ist, dass sich die hochschulinternen Beratungen zur Strukturentwicklung länger hinziehen werden, ist es empfehlenswert, zunächst ein Heisenberg-Stipendium zu beantragen. Vor Stipendienantritt oder in den ersten Monaten der Förderung könnte dann der Umwandlungsantrag gestellt werden. Der Antrag sollte so rechtzeitig gestellt werden, dass nach der Berufung auf die Heisenberg- Professur noch Zeit verbleibt, die Strukturentwicklung zu beginnen.

Wie können Hochschulen von der Heisenberg-Professur profitieren?

Auch wenn die Heisenberg-Professur eine individuelle Personenförderung ist, können Hochschulen dieses Programm zu ihrer Profilierung nutzen.

Sie können ihr Strukturentwicklungspotenzial bestimmen und nach geeigneten Kandidaten Ausschau halten. Diese können dann ohne den Umweg über das Heisenberg-Stipendium direkt eine Heisenberg-Professur beantragen.

Wie erfolgt die Zwischenevaluation?

Spätestens zum Ende des ersten 36-monatigen Förderabschnitts muss eine Entscheidung über die Förderung der letzten 24 Monate getroffen werden. Diese ergeht auf der Basis eines Berichts sowie des Verlängerungsantrags. In beiden spielen nicht nur die wissenschaftlichen Leistungen sondern auch die Umsetzung der Strukturentwicklung eine Rolle.

Weitere Informationen unter: www.dfg.de»

Paul Heuermann
Der Autor betreut bei der Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) in der Gruppe Qualitätssicherung und Verfahrensentwicklung das Heisenberg-Programm.

Aus Forschung und Lehre :: April 2008

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