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Die Max-Planck-Gesellschaft wird zur globalen Marke

Von Andreas Sentker

Die Max-Planck-Gesellschaft überwindet ihre Grenzen und gründet in Dortmund das Lead Discovery Center.

Die Max-Planck-Gesellschaft wird zur globalen Marke© MPG - Antje MeinenPeter Gruss, Präsident der Max-Planck-Gesellschaft
Über Jahrzehnte hinweg war das Bild der deutschen Wissenschaftslandschaft übersichtlich, die Kopfarbeitsteilung streng und das Image der Forschungseinrichtungen in Stein gemeißelt. Universitäten bilden Studenten aus (und forschen noch ein wenig, wenn's das Budget erlaubt). Die Helmholtz- Gemeinschaft baut und pflegt Großforschungsgeräte wie den Hamburger Teilchenbeschleuniger Desy oder den Jülicher Supercomputer Jubl. Die Fraunhofer-Institute betreiben anwendungsorientierte und wirtschaftszugewandte Wissenschaft. Und die Max-Planck-Gesellschaft (MPG) ist der weltweit sichtbare Leuchtturm der Grundlagenforschung, prädestiniert, kluge Einsichten und gerne auch deutsche Nobelpreisträger hervorzubringen.

Und nun das: In Dortmund entsteht das Lead Discovery Center (LDC). Hier bricht die Max-Planck-Gesellschaft, die in dieser Woche ihre Jahresversammlung in Dresden abhält, gleich mit zwei Traditionen. Erstens: Sie verlässt das Gebiet der Grundlagenforschung und will die Ideen aus ihren Labors in (Pharma-)Produkte umsetzen. Zweitens: Sie will damit echtes Geld verdienen.

Lead, so nennen Pharmaforscher aussichtsreiche Wirkstoffkandidaten, die in ers ten Tests bereits die Forderungen erfüllt haben, die man an sie stellt. In das LDC setzt Geschäftsführer Bert Klebl große (und offenbar berechtigte) Hoffnungen. Am 1. April hat er seine Arbeit in Dortmund aufgenommen, und noch residiert er zwischen Umzugskisten. Doch schon Anfang Juli sollen die experimentellen Arbeiten starten, die aus zunächst acht wirkungs verdächtigen Entdeckungen der Max- Planck-Forscher wertvolle Pharmawirkstoffkandidaten machen sollen. Die Dortmunder schließen so eine gewaltige Lücke, die vor allem in Deutschland zwischen Grundlagenforschung und industrieller Produktentwicklung klafft.

Dortmund ist jedoch nicht der einzige Ort, an dem die MPG neue Wege geht. Eines der Vorbilder für die Dortmunder Gründung sind die amerikanischen National Institutes of Health, die sich ganz ähnlich in der Pharmaforschung engagieren.

Nun setzt die MPG selbst auf die amerikanische Karte und baut gegenwärtig in Florida ein großes Auslandsinstitut. Es ist ein modellhafter erster Versuch mit einer klaren Strategie: Aus der global sichtbaren deutschen Marke MPG soll eine globale Marke werden.

Solche Beispiele zeigen, dass die deutsche Forschungslandschaft in Bewegung geraten ist. Alte, klare Strukturen geraten ins Wanken (Stichwort Exzellenzinitiative) - mit ihnen aber auch Erstarrungen und willkürlich gesetzte Grenzen. Dortmund und Florida, sie stehen für aufsehenerregende Umbrüche, vor allem aber für einen längst überfälligen Aufbruch.

Aus DIE ZEIT :: 26.06.2008

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