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Die Provinz ruft

Von Christian Heinrich

In vielen Bundesländern gibt es Programme, die Allgemeinmediziner aufs Land locken oder das in der Lehre oft vernachlässigte Fach fördern sollen. Eine Auswahl.

Die Provinz ruft© mathias the dread - Photocase.comSpezielle Hausarzt-Modelle sollen die Landflucht der Allgemeinmediziner verhindern

Brandenburg:

Dank Umsatzgarantien von der Kassenärztlichen Vereinigung in Höhe von zwei Dritteln des Durchschnittsumsatzes können sich Hausärzte ohne hohes finanzielles Risiko niederlassen. Wer eine Praxis in einer unterversorgten Region neu gründet, wird mit 40 000 Euro gefördert, wer eine übernimmt, bekommt 50 000 Euro.

Mecklenburg-Vorpommern:

Seit Neuestem werden Notdienste besser bezahlt, dafür wurden die Einsatzgebiete vergrößert. Und wer als niedergelassener Arzt keine Dienste mehr machen möchte, kann diese abgeben.

Niedersachsen:

In Modellregionen wird das Programm »MoNI« eingeführt (Modell Niedersachsen): Nichtärztliches Praxispersonal übernimmt verschiedene medizinische Leistungen und führt auch Hausbesuche durch - was zu einer Entlastung der Hausärzte führen soll. Ähnliche Ansätze gibt es auch in anderen Bundesländern, zum Beispiel in Brandenburg.

Nordrhein-Westfalen:

Mit bis zu 50 000 Euro fördert das Land im »Hausarzt-Aktionsprogramm« Mediziner, die sich in einer von 107 ausgewählten Kommunen niederlassen oder weiterbilden, in denen hausärztliche Versorgung kurz- oder mittelfristig gefährdet ist. Außerdem plant Gesundheitsminister Laumann, eine weitere medizinische Fakultät zu eröffnen, angedacht ist die Universität Bielefeld.

Sachsen:

Die Übernahme einer Praxis wird in bestimmten Regionen mit bis zu 60 000 Euro bezuschusst. Studenten erhalten über vier Jahre eine monatliche Förderung von bis zu 600 Euro, wenn sie sich nach dem Studium in einer unterdurchschnittlich versorgten Region niederlassen und so viele Jahre bleiben, wie sie gefördert wurden.

Sachsen-Anhalt:

Mit Stiftungsprofessuren und Lehrbeauftragten rückten die Universitäten Halle und Magdeburg die Allgemeinmedizin viel früher ins Bewusstsein als die meisten anderen Universitäten. Auch die Weiterbildung und spätere Niederlassung von Allgemeinmedizinern werden gefördert.

Schleswig-Holstein:

Droht die Versorgung in einzelnen Regionen akut knapp zu werden, kommt ein sogenanntes »Sicherstellungsstatut« zum Einsatz, es beinhaltet unter anderem eine Umsatzgarantie in Höhe von zwei Dritteln des Durchschnittsumsatzes für niedergelassene Ärzte.

Thüringen:

Wo die ärztliche Unterversorgung in den nächsten Jahren am größten sein wird, errichtet die Kassenärztliche Vereinigung eigene Praxen, in denen angestellte Ärzte arbeiten. Man erhofft sich davon einen doppelt positiven Effekt: Die Ärzte gewähren die Versorgung vor Ort, gleichzeitig werden sie an den Praxisalltag herangeführt - und lassen sich später womöglich selbst nieder. Außerdem hat die Kassenärztliche Vereinigung mit dem Thüringer Ministerium für Soziales, Familie und Gesundheit eine Stiftung gegründet, mit der man Praxen in unterversorgten Regionen unterstützt oder sogar neu aufbaut und betreibt.

Bundesweit:

Während der Weiterbildung zum Allgemeinmediziner erhalten Ärzte seit diesem Jahr 3500 statt bisher 2040 Euro pro Monat. Niederlassungsberater der kassenärztlichen Vereinigungen helfen Ärzten, den Aufbau einer Praxis zu planen und organisatorische und finanzielle Hürden zu überwinden. Die Altersgrenze von 68 Jahren für niedergelassene Ärzte wurde vollständig aufgehoben.

Aus DIE ZEIT :: 15.04.2010

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