Das Karriereportal für Wissenschaft & Forschung von In Kooperation mit DIE ZEIT Forschung und Lehre

Die richtige Bewerbung an einer Graduiertenschule


Von Christian Wilbers

Eine gründlich vorbereitete Bewerbung ist unerlässlich, will man einen Promotionsplatz an einer deutschen Graduiertenschule ergattern. Doch wer die richtigen Voraussetzungen mitbringt und vom Lebenslauf über die Projektskizze bis zum Motivationsschreiben alles perfekt ausarbeitet, hat gute Aussichten am Ende zu den Auserwählten zu gehören. academics weiß, worauf Sie achten sollten.

Die richtige Bewerbung an einer Graduiertenschule© contrastwerkstatt - Fotolia.com Die Bewerbung an einer Graduiertenschule sollte neben Noten und Testergebnissen vor allem Motivation und Enthusiasmus widerspiegeln
Das Auswahlverfahren an Graduiertenschulen ist eine Wissenschaft für sich. Es gibt keine einheitliche Strategie, die alle Institutionen bei der Auswahl ihrer Promovierenden verfolgen. Wichtig ist vor allem, dass Bewerber die eigene Motivation für die Wahl der Graduiertenschule überzeugend darlegen. Die verantwortlichen Komitees achten bei der Auswahl darauf, dass die angehenden Wissenschaftler sich intensiv mit dem Programm der Graduiertenschule befasst haben und dass sie gut in bestehende Arbeitsgruppen passen. Auch wenn Noten und Testergebnisse bei der Entscheidung eine Rolle spielen: Mindestens genauso wichtig sind Enthusiasmus und die Motivation, sich aktiv in der Forschergruppe zu engagieren. Bewerber sollten sich also im Vorfeld bereits genau mit den thematischen Schwerpunkten der Graduiertenschule befassen und die Bewerbung auf die ausgeschriebene Stelle zuschneiden. Eine unvollständige und nicht personalisierte Bewerbung an eine Graduiertenschule landet sonst schnell auf dem Absagestapel.

Was gehört in eine Bewerbung?

Auch wenn die Anforderungen von Graduiertenschule zu Graduiertenschule unterschiedlich sind, gibt es Standards, die fast überall verlangt werden: Jede Bewerbung muss Lebenslauf und Anschreiben enthalten sowie das Hochschulzeugnis, ein Motivationsschreiben und ein Exposé des Dissertationsprojekts. Darüber wird meist mindestens ein Empfehlungsschreiben eines Mentoren aus Studium oder Beruf erwartet. Solche persönlichen Referenzen stehen bei Graduiertenschulen hoch im Kurs - sie liefern den Aufnahmekomitees ein Bild über die Fähigkeiten der Bewerber aus erster Hand. Gelegentlich werden zudem die Ergebnisse von Einstufungstests wie der Graduate Record Examination (GRE) oder dem Test of English as a Foreign Language (TOEFL) verlangt. Über Zulassung und Ablehnung entscheiden solche Tests aber nur im schlimmsten Fall: Fehlen die entsprechenden Sprachkenntnisse, kann das ein Grund für die Ablehnung sein.

Stimmen sollte bei jeder Bewerbung das Gerüst. Für den tabellarischen Lebenslauf bedeutet das konkret, dass folgende vier Bausteine nicht fehlen dürfen: Informationen zum Studium, ein Publikationsverzeichnis, eine Liste bisher erhaltener Auszeichnungen (Preise, Stipendien, etc.) sowie Details zu Praktika und Berufserfahrung. Einige Graduiertenschulen verlangen außerdem Informationen zur schulischen Laufbahn ihrer Bewerber. Weniger wichtig sind im Allgemeinen Faktoren wie außeruniversitäres Engagement und Lehrerfahrung. Letztendlich gilt aber auch hier: Sie sollten sich im Vorfeld genau über die Erwartungen und Anforderungen der Graduiertenschule informieren. Wird bereits in der Ausschreibung soziales Engagement verlangt, lohnt es sich in jedem Fall, entsprechende Leistungen in Lebenslauf und Motivationsschreiben hervorzuheben.

Die richtige Bewerbung an einer Graduiertenschule © academics Grafik Die häufigsten qualitativen Mängel einer Bewerbung

Das Motivationsschreiben: Kernstück der Bewerbung

Das Kernstück einer jeden Bewerbung ist ein überzeugendes und aussagekräftiges Motivationsschreiben. Hier stellen Bewerber die Highlights ihres Lebenslaufs heraus, definieren Forschungsinteressen und verleihen der Bewerbung einen persönlichen Charakter. Auf ein bis drei Seiten können Lücken im Lebenslauf genauso erläutert werden wie Zukunftspläne und die Erwartungen des Kandidaten an die Graduiertenschule. Im Motivationsschreiben erkennen die Auswahlkomitees, ob der entsprechende Kandidat sich intensiv mit dem Programm auseinander gesetzt hat, die richtigen persönlichen Voraussetzungen mitbringt und fachlich wie menschlich in die Forschungsgruppe passt. Klar sollte die Motivation für die Promotion zum Ausdruck kommen, allgemein gehaltene Standardschreiben führen bei einigen Graduiertenschulen automatisch zum Ausschluss.

Gleiches gilt für das Exposé des Forschungsvorhabens. Im Idealfall spiegelt dieses sechs bis zehnseitige Dokument nicht nur die fachlichen Kompetenzen des Kandidaten wider, sondern auch dessen intensive Vorbereitung der anstehenden Promotion. Graduiertenschulen suchen nach theoretisch wie empirisch relevanten Dissertationsthemen, die zum eigenen Programm passen. Beste Chancen haben Bewerber, die sich schon während des Bachelor- und Master-Studiums gut ausgetauscht und vernetzt haben, beispielsweise über fachliche Ratschläge der Professoren an der eigenen Uni. Eine Besonderheit im Bewerbungsprozess an deutschen Graduiertenschulen ist das Vorstellungsgespräch. Sollte Ihre Bewerbung das Interesse des Auswahlkomitees geweckt haben, wird in einem persönlichen Interview überprüft, ob die fachlichen und persönlichen Fähigkeiten der Kandidaten auch tatsächlich den Erwartungen der Graduiertenschule entsprechen.

Formalitäten einer Bewerbung

Bezüglich der Formalitäten hat sich in den vergangenen Jahren viel geändert. Nicht zuletzt aufgrund des eigenen Anspruchs, Forschung auf international wettbewerbsfähigem Niveau zu betreiben, haben Graduiertenschulen ihren Bewerbungsprozess modernisiert. So werden elektronische Bewerbungen postalischen Unterlagen vorgezogen und Englisch ist zur Bewerbungssprache Nummer eins geworden, auch wenn knapp die Hälfte aller Graduiertenschulen weiterhin deutsche Unterlagen akzeptieren. Dennoch muss bei Bewerbungen per Email in der englischen Sprache die Form gewahrt werden. Versenden Sie also die kompletten Unterlagen in einer PDF-Datei als Anhang, anstatt häppchenweise auf mehrere Nachrichten verteilt. Zudem lohnt es sich, die Namen der Ansprechpartner zu recherchieren. Nichts signalisiert dem Auswahlkomitee einen schlecht vorbereiteten Bewerber deutlicher, als eine Email, die mit dem unpersönlichen "Dear Sir or Madam" beginnt.

Viele Bewerbungen scheitern letztlich an solchen qualitativen Mängeln, die sich mit etwas Sorgfalt vermeiden lassen. Graduiertenschulen erhalten oft unvollständige Unterlagen mit gravierenden Form- und Rechtschreibfehlern. Wenn etwa das Motivationsschreiben fehlt, ist eine Bewerbung von vornherein chancenlos. Auch Unterlagen, die nicht ausreichend auf die entsprechende Stelle zugeschnitten sind oder denen der persönliche Charakter fehlt, kommen selten in die engere Auswahl. Hier - wie auch sonst - lohnt sich ein Blick auf die Webseite der Graduiertenschule. Dort werden der wissenschaftliche Anspruch, das Forschungsinteresse und Charakter der Institution definiert und viele Fragen bereits im Vorfeld beantwortet. Merken die Auswahlkomitees, dass sich der Bewerber intensiv mit der Institution auseinander gesetzt hat, ist eine erste Hürde zum Promotionsplatz an der Graduiertenschule ihrer Wahl bereits genommen.

academics :: November 2013

Jobs an Graduiertenschulen