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Die W-Besoldungsreform 2.0 - Eine Bestandsaufnahme

Von SASCHA SVEN NOACK

Ein Differenzbetrag von bis zu 300.000 Euro ergibt sich, wenn man die Grundbesoldung zweier W2-Professoren unter Zugrundelegung von dreißig Dienstjahren in Berlin und Bayern vergleicht. Berlin ist in diesem Beispiel auch ersetzbar durch das Saarland und Bayern durch den Bund oder Baden-Württemberg. Handelt es sich dabei um den erhofften und gewollten Wettbewerbsföderalismus oder eher um unzureichende Professorenbesoldungsmodelle der Landesgesetzgeber?

Die W-Besoldungsreform 2.0 - Eine Bestandsaufnahme© kallejipp - photocase.deDas Ergebnis der W-Besoldungsreform in den einzelnen Ländern im Überblick

Die Erhöhung der Grundbesoldung

33 Monate nach dem wegweisenden Urteil des Bundesverfassungsgerichts zur amtsangemessenen W2-Besoldung in Hessen haben es nunmehr alle Landes- und der Bundesgesetzgeber geschafft, auf das Urteil zu reagieren und neue Besoldungsgesetze vorgelegt.

Bei aller Heterogenität der verschiedenen Modelle im Detail lassen sich zumindest einige Gemeinsamkeiten ausmachen, die es ermöglichen, eine grobe Systematisierung vorzunehmen. Als Konsequenz aus dem Urteil haben nahezu alle Gesetzgeber die W2-Besoldung rückwirkend zum 1. Januar 2013 erhöht. Sachsen geht einen Sonderweg, indem es für das Jahr 2013 einen sog. "Überleitungsbetrag" zahlt, um die verfassungswidrige Besoldung zu kompensieren.

Die jeweiligen Erhöhungen fallen sehr unterschiedlich aus. An der Spitze bei der Grundbesoldung liegen nunmehr auf den ersten Blick ein wenig unerwartet Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein und der Bund. Baden-Württemberg wird voraussichtlich mit Verabschiedung des neuen Besoldungsgesetzes auf die Spitzenposition rücken. Noch ist Berlin Schlusslicht dieser Liste. Auch nach der geplanten Erhöhung um einen Aufstockungsbetrag von 659 Euro bleibt Berlin in der Region des Tabellenendes mit Rheinland-Pfalz, Bremen, Sachsen und Nordrhein-Westfalen. In Sachsen erhöht sich die Besoldung allerdings automatisch alle fünf Jahre mit Erreichen einer neuen Erfahrungsstufe.

Auch wenn der Besoldungsgesetzgeber einen durchaus weiten Beurteilungsspielraum besitzt, lässt sich der verfassungsgerichtlichen Rechtsprechung zumindest entnehmen, dass die W2-Professorenbesoldung angelehnt sein muss an die Besoldungsstufen A15 und die W3-Professorenbesoldung an die Stufen A16 bzw. B3. Dies beherzigen auch viele Reformgesetzgeber. Aufgrund der Laufbahnspezifika bietet sich als Vergleichsmaßstab für die W2-Besoldung die Besoldung an nach A15 Stufe 4 bzw. 9 je nach Laufbahnrecht.

In Hessen liegt die Besoldung von A15 Stufe 4 ca. 100 Euro über der Eingangsstufe der W2-Besoldung. Vor diesem Hintergrund darf man die Verfassungsmäßigkeit der Höhe der Grundbesoldung durchaus erneut in Zweifel ziehen. Insbesondere fällt auf, dass die Erhöhung gerade in Hessen nicht übermäßig ausgefallen ist. Dies könnte noch entscheidende Bedeutung erlangen, da die hessische Regelung zusätzlich noch eine Aufstiegshemmung kennt, die theoretisch dazu führen könnte, dass ein Hochschullehrer in der ersten Stufe verweilen muss.

In Rheinland-Pfalz überholt ein Beamter der Besoldungsgruppe A15 (5.123 Euro/Stufe 9) nach neun Jahren einen Hochschullehrer der W2-Besoldung (4.941 Euro). Somit dürfte die Höhe der W2-Besoldung verfassungsrechtlich kritisch sein. Auch in Sachsen besteht noch eine starke Schieflage zwischen A15 (5.256 Euro/Stufe 9) und der Eingangsstufe von W2 (4.971 Euro).

Die Wiederkehr der Erfahrungsstufen

Es ergeben sich mehrere denkbare Lösungsansätze, um auf das Urteil des Bundesverfassungsgerichts zu reagieren. Bayern, Hessen, Sachsen und der Bund haben das noch in der C-Besoldung angewandte und ähnlich auch in der A-Besoldung existierende Modell der Stufung innerhalb des Amtes wieder eingeführt.

Dabei unterscheiden sich die Modelle in Bezug auf die Stufenanzahl, die Stufenlaufzeit und die Berücksichtigung von Erfahrungszeiten bei der Stufenzuordnung. Auch die jeweiligen Tabellenwerte divergieren erheblich. Ein Hochschullehrer des Bundes erreicht z.B. die Endstufe 3 (5.929 Euro) nach 14 Jahren im Gegensatz zu einem Kollegen aus Hessen, der nach zwanzig Jahren die letzte Stufe 5 (5.789 Euro) erreicht. Die kürzeste Stufenlaufzeit bis zur letzten Erfahrungsstufe gibt es in Bayern mit zwölf Jahren. Bei einem durchschnittlichen Berufungsalter von ca. 40 Jahren würde ein hessischer Hochschullehrer mit 60 Jahren die höchste Erfahrungsstufe erreichen, während sein Kollege aus Bayern diese bereits mit 52 Jahren erreicht.

Die letzte Erfahrungsstufe der A-Besoldung in Hessen erreicht ein Beamter nach 23 Jahren. Der Eintritt in die Laufbahn dürfte jedoch bedeutend früher stattfinden, so dass die letzte Erfahrungsstufe voraussichtlich gleichfalls früher erreicht wird. Somit weisen auch die strukturell ähnlichen Erfahrungsstufenmodelle beachtliche Divergenzen auf. Das erscheint willkürlich und rechtlich angreifbar.

Teilweise wird vertreten, dass die Wiedereinführung der Erfahrungsstufen verfassungsrechtlich unzulässig sei, da es sich hierbei um eine mittelbare Altersdiskriminierung handele. Zudem führten Erfahrungsstufen zu einer Systemwidrigkeit in einem leistungsorientierten Besoldungssystem.

Diese Vorwürfe dürften rechtlich nicht tragfähig sein. Die zurückgelegte Dienstzeit und die daraus resultierende Erfahrung sind der Anknüpfungspunkt für die Ausdifferenzierung und nicht das tatsächliche Alter des Hochschullehrers. Ferner honoriert der Erfahrungsaufstieg eine Leistungssteigerung, die gemeinhin aus der längerfristigen Wahrnehmung der Aufgabe resultiert. Insoweit können Erfahrungsstufen das Modell der W-Besoldung eher ergänzen und wirken nicht als Fremdkörper.

Dies dürfte auch im Einklang mit der aktuellen Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofs stehen, der zwar eine direkte Anknüpfung an das Lebensalter bei der besoldungsrechtlichen Zuordnung für unzulässig erachtet hat; es jedoch als legitimes Ziel der Entgeltpolitik ansieht, die erworbene Berufserfahrung eines Arbeitnehmers zu honorieren. Nach alledem bestehen gegen das Erfahrungsstufenmodell keine durchgreifenden rechtlichen Bedenken.

Die Anrechnung von variablen Vergütungsbestandteilen (Konsumtion)

Grundsätzlich regeln alle neuen Gesetze, die eine Erhöhung der Grundbesoldung vornehmen, dass zum Zeitpunkt des Inkrafttretens bestehende variable Vergütungsbestandteile, also Berufungs-, Bleibe- und andere besondere Leistungsbezüge mit der jeweiligen Erhöhung der Grundbesoldung verrechnet werden. Damit erschöpft sich jedoch bereits die einzige Gemeinsamkeit der verschiedenen Gesetze. Ansonsten unterscheiden sich die Modelle in vielerlei Hinsicht. Angefangen mit der Frage, welche Leistungsbezüge in Anrechnung gebracht werden, bis zu den verschiedenen Anrechnungshöhen, weisen die Landesregelungen vielfältige Differenzierungen auf.

Berufungs- und Bleibeleistungsbezüge werden grundsätzlich in allen Modellen verrechnet. Besondere Leistungsbezüge werden nur ganz selten von der Anrechnung ausgenommen. Als positives Beispiel ist hier Sachsen zu erwähnen.

Funktionsleistungsbezüge, die für die Wahrnehmung von Ämtern der universitären Selbstverwaltung wie z.B. eines Prodekans gewährt werden, unterliegen zumeist nicht der Verrechnung. Zu nennen sind hier beispielsweise Bremen, Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Sachsen, Schleswig-Holstein und das Saarland sowie der Bund.

Mecklenburg-Vorpommern und Hessen beschränken die Anrechnung von Funktionsleistungsbezügen auf diejenigen, welche für die hauptberufliche Wahrnehmung von Leitungsaufgaben gewährt werden. In Thüringen und dem Saarland werden Leistungsbezüge von der Konsumtion verschont, die auf einer Zielvereinbarung basieren. Die meisten Gesetze sehen einen anrechnungsfreien Schonbetrag vor. Zumeist bleiben 50 Prozent der Leistungsbezüge anrechnungsfrei.

In Schleswig-Holstein fehlt sogar dieser Mindestbetrag, so dass eine Vollanrechnung stattfindet. Alle Modelle führen dazu, dass es grundsätzlich immer an einem bestimmten Punkt zu einem "Nullsummenspiel" durch die Verrechnung kommt, bei dem sich also die Erhöhung der Grundbesoldung nicht mehr besoldungssteigernd auswirkt. Tendenziell ist dies der Fall bei Hochschullehrern mit vergleichsweise hohen Leistungsbezügen. Sinnbildlich ist in diesem Zusammenhang auch von "negativen Gewinngrenzen" die Rede (s. dazu Detmer/Hellfeier/Preißler, F&L 2008, S. 734).

Auch das Erfahrungsstufenmodell verzichtet nicht auf die Verrechnungen. Außer in Hessen sehen diese Modelle eine weitere Verringerung der Leistungsbezüge bei einem Stufenaufstieg vor. Die dennoch vorhandenen verfassungsrechtlichen Schwächen des hessischen Models haben vor kurzem bereits Gawel und Aguado (F&L 2014, S. 624) eindrucksvoll nachgewiesen.

Das in unterschiedlichen Formen in jedem neuen Besoldungsgesetz existierende Verrechnungsmodell ist eine legislative Novität. Neben der bedenklichen psychologischen Auswirkung auf die betroffenen Hochschullehrer werden auch zahlreiche neue und ungeklärte Rechtsfragen aufgeworfen.

Rechtlich zu unterscheiden dürften dabei die Gesetze sein, die explizit und rechnerisch die Leistungsbezüge durch die jeweiligen Erhöhungen aufzehren zu den Gesetzen, die die Leistungsbezüge nominal nicht verändern, sondern diese nur mit dem Anspruch auf den Grundleistungsbezug verrechnen.

Im ersten Fall liegt es auf der Hand, dass es sich um einen gesetzgeberischen Eingriff handelt, der rechtfertigungsbedürftig ist. Dabei ist es im Ergebnis rechtlich nicht von entscheidender Bedeutung, ob Leistungsbezüge dem Schutzbereich der grundrechtlichen Eigentumsgarantie oder genuin dem Besoldungsrecht zugeordnet werden. Da es sich nach der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts bei den Leistungsbezügen nicht um einen Bestandteil der Alimentation handelt, spricht allerdings einiges dafür, diese unter den Eigentumsschutz zu stellen.

Durch die jeweilige Verrechnung der Besoldungserhöhung mit einem bestehenden Leistungsbezug wird in die Rechtsposition des Hochschullehrers eingegriffen. Nicht jeder Eingriff ist dabei per se verfassungswidrig. Um diesen jedoch legitimieren zu können, muss der Eingriff verhältnismäßig sein. Dies setzt zunächst einen legitimen Zweck voraus. Schaut man in die Begründungen der jeweiligen Entwürfe, finden sich für die Anrechnungsregeln durchaus phantasievolle Begründungen.

Zu lesen ist dort, die Verrechnung sei notwendig, um eine Störung im Besoldungssystem zu vermeiden, unerwünschte Mitnahmeeffekte sollen verhindert werden oder es findet sich immer wieder die Warnung vor der Gefahr der "Überalimentation". Insbesondere das Wortungetüm der "Überalimentation" offenbart die Ratlosigkeit des Gesetzgebers, eine tragfähige Begründung für die Konsumtion zu finden.

Die meisten Gesetze sehen eine grundsätzliche rechtliche Obergrenze vor, die bei einer Gesamtbesoldung in Höhe der von B10 (Bund 12.377 Euro) liegt. Davon wären auch ohne Anrechnungsmodelle die meisten Gehälter von Hochschullehren meilenweit entfernt geblieben.

Zudem liegen die Zahlen der W-Besoldung immer noch unterhalb der alten C-Besoldung. Offensichtlich sind die meisten Regelungen einer Haushaltslogik entsprungen, die durch Pseudozweckbestimmungen den Anschein wahren wollen, dass die Regelungen einem legitimen Zweck dienen.

Dabei hat das Bundesverfassungsgericht rein fiskalisch motivierte Besoldungskürzungen für unzulässig erachtet. Soweit man diese Zweckbestimmung verfassungsrechtlich noch nicht beanstanden mag, so sind doch die meisten Verrechnungsmodelle unverhältnismäßig im engeren Sinne. Insoweit ist ein Eingriff immer nur dann zu rechtfertigen, wenn er nicht außer Verhältnis zur Zweckerreichung steht und der Betroffene nicht unzumutbar belastet wird. Erschwerend tritt hinzu, dass es sich um rückwirkende Gesetze handelt, die nur unter besonderen Voraussetzungen dem Rechtsstaatsprinzip genügen können.

Zu berücksichtigen ist zunächst der Vertrauensschutz der Hochschullehrer und der Bestandsschutz ihrer Leistungen. Durch Anrechnung von Leistungsbezügen werden nachträglich erbrachte Leistungen von Hochschullehrern entwertet. Ein Grundprinzip der W-Besoldung, die Belohnung einer Leistung, wird ad absurdum geführt. Hierbei macht es streng genommen rechtlich keinen Unterschied, um welche Art von Leistungsbezügen es sich handelt, da auch der Gewährung von Berufungs- und Bleibebezügen eine erbrachte Leistung zu Grunde liegt, die honoriert wird.

Auch das Gesetz differenziert nicht zwischen alimentativen und nicht alimentativen Leistungsbezügen. Insoweit sind die Anrechnungsmodelle, die zwischen den Leistungsbezügen unterscheiden, zumindest inkonsequent.

Die Lösung dürfte in einer sachgerechten Abwägung zwischen dem Interesse des Gesetzgebers an einer verfassungskonformen Neugestaltung der W-Besoldung und dem Vertrauensschutz des Hochschullehrers an die Weitergewährung seiner Leistungsbezüge liegen.

Eine idealtypische Interessenabwägung muss das Maß der Anrechnung in den Mittelpunkt der Überlegung stellen. Eine volle Anrechnung der erhöhten Grundgehälter auf bestehende Leistungsbezüge dürfte dabei per se unverhältnismäßig sein, da dies die komplette Leistung entwertet und das Interesse des Hochschullehrers im Ganzen unberücksichtigt bleibt.

Eine partielle Anrechnung würde aufgrund des schutzwürdigen Vertrauens- und Bestandsschutzes einen Ausgleich der Interessen eindeutig eher erreichen. Dieser Grundsatz gilt dann konsequenterweise auch für die Modelle, die mit einem garantierten Grundleistungsbezug arbeiten und die dadurch nicht direkt in die Eigentumsposition des Hochschullehrers eingreifen. Auch hier muss der Gesetzgeber einen Mindestbehalt vorsehen.

Daher dürfte der vorliegende Entwurf aus Berlin, der solch einen Mindestbehalt nicht vorsieht, offensichtlich verfassungswidrig sein. Ansonsten würden Hochschullehrer rückwirkend für erbrachte Leistungen bestraft, da diese dazu führen, dass ihr Anspruch auf den Grundleistungsbezug gemindert wird.

Vor diesem Hintergrund dürften insbesondere Verrechnungsmodelle, die sogar Funktionsleistungsbezüge betreffen, kaum vor dem Verfassungsgericht bestehen. Ähnliche rechtliche Bedenken lassen sich gegen die Verrechnungen bei den Erfahrungsstufenmodellen vorbringen. Diese können auch nicht dadurch ausgeräumt werden, dass es zu einem Anstieg der Grundbesoldung beim Erfahrungsaufstieg kommt. Dieser steht nämlich in keinem logischen Zusammenhang zu den erbrachten Leistungen und wird unabhängig davon vorgenommen.

Der Grundleistungsbezug

Drei Bundesländer operieren mit einem sog. "Grundleistungsbezug" bzw. einem "garantierten Leistungsbezug". Dieser wird grundsätzlich jedem Hochschullehrer unabhängig von einer individuellen Vereinbarung gewährt. In den Ländern Brandenburg (675 Euro), Bremen (600 Euro) und Hamburg (623 Euro) erhalten nunmehr alle W2-besoldeten Professoren diesen garantierten Grundleistungsbezug.

Der vorliegende Entwurf in Berlin (659 Euro) sieht dies gleichfalls vor. Auch Rheinland-Pfalz kennt einen garantierten Leistungsbezug. Nach zehn Jahren erhalten dort W2 und W3-Professoren einen garantierten Leistungsbezug in Höhe von 303 Euro.

Dieser Grundleistungsbezug erhöht das Grundgehalt, ohne dass es eines individuellen Leistungsnachweises und einer individuellen Leistungshonorierung bedarf. Der jeweilige Tabellenwert der W2-Besoldung schließt diesen Leistungsbezug nicht mit ein, der nicht Teil der Grundbesoldung wird. Bedauerlicherweise hat das Bundesverfassungsgericht diese Möglichkeit, eine amtsangemessene Besoldung herzustellen, ausdrücklich zugelassen und dem gesunden Menschenverstand, der sich fragt, welchen Sinn ein leistungsorientiertes Besoldungssystem haben kann, das unterschiedslos allen Amtsinhabern eine besondere Leistung attestiert und honoriert, eine harte Nuss zu knacken gegeben.

Diejenigen Professoren, die zum Stichtag bereits Leistungsbezüge in dieser Höhe erhielten, haben allerdings keinen Anspruch auf diesen Grundleistungsbezug. Somit ergibt sich eine weitere bemerkenswerte Ungereimtheit.

Die im Wettbewerb errungenen Leistungsbezüge sind also weniger wert als der Grundleistungsbezug, der jedermann gewährt wird. Brandenburg nimmt dabei zumindest Funktionsleistungsbezüge in Höhe von 300 Euro von der Anrechnung aus. In Hamburg werden dagegen Funktionsleistungsbezüge generell von der Anrechnung ausgenommen.

Die restlichen Leistungsbezüge bleiben nach der Verrechnung zumindest hälftig erhalten. Berlin sieht in einem aktuellen Entwurf eine komplette Konsumtion vor. Insgesamt kommt es in diesen Konstellationen zu dem Paradox, dass eine "Minderleistung" belohnt und Leistungsfähigkeit bestraft wird. Ein offensichtlicherer Verstoß gegen das verfassungsrechtlich gewährleistete Leistungsprinzip ist kaum denkbar.

Änderungen der W1-Besoldung

Das Bundesverfassungsgericht hat sich bisher explizit nur zur Höhe der W2-Besoldung geäußert und diese für verfassungswidrig erklärt. Leider ist es vor diesem Hintergrund fast zu keinerlei nennenswerten Veränderungen der Besoldung für Juniorprofessoren gekommen.

Vorbildlich ist hierbei nur der Entwurf aus Baden-Württemberg, der eine Besoldungserhöhung für Juniorprofessoren und verbesserte Möglichkeiten bei der Gewährung von Leistungsbezügen vorsieht. Diese können nunmehr bis zur Höhe der Grundbesoldung vergeben werden. Die Höhe der W1-Besoldung dürfte, auch wenn es sich um eine Qualifikationsstelle handelt, die Grenze zur Verfassungswidrigkeit in den meisten Gesetzen bereits überschritten haben.

Zumeist bringen die Bewerber Einstellungsvoraussetzungen mit, die Stelleninhaber auf höher besoldeten Beamtenpositionen nicht vorweisen müssen. Zudem sind Juniorprofessoren selbständig in Forschung und Lehre tätig. Beispielsweise liegt die Besoldung von Juniorprofessoren in Berlin unter der für Landesbeamte der Besoldung A13/4. Auch die Tatsache, dass nicht alle Länder die Reformmöglichkeit genutzt haben, eine gesetzliche Grundlage für die Gewährung von Leistungsbezügen an Juniorprofessoren zu schaffen, ist sehr bedauerlich.

Änderungen der W3-Besoldung

Konsequenterweise haben viele Länder mit der Erhöhung der W2-Besoldung auch gleichsam die W3-Besoldung erhöht, wenn auch nicht immer in gleicher Höhe. Baden-Württemberg wird nunmehr ab 2015 mit 6.452 Euro die höchste W3-Besoldung aufweisen. Ansonsten wurde die W3-Besoldung zumeist nur sehr moderat erhöht wie beispielsweise in Niedersachsen um 100 Euro. Thüringen und Rheinland-Pfalz lassen die W3-Besoldung gar unverändert.

Vergleichsweise hohe W3-Gehälter finden sich nunmehr in Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt und in Schleswig-Holstein. Weniger erfreulich sind auch hier Berlin und Nordrhein-Westfalen. Die Gesetze mit den neu eingeführten Erfahrungsstufen haben tendenziell der ersten Erfahrungsstufe den ehemaligen Wert der W3-Besoldung zu Grunde gelegt.

Im Verlauf der Erfahrungsstufen erhöht sich dann die jeweilige Besoldung bis zu 6.762 Euro beispielsweise für Hochschullehrer des Bundes. Die Verrechnungsproblematik stellt sich allerdings gleichfalls bei den Ländern, die die W3-Besoldung erhöht haben. Es spricht einiges dafür, dass die Erhöhung der W3-Besoldung verfassungsrechtlich geboten war, um die jeweiligen Ämterrelationen beizubehalten. Zumindest hochschulpolitisch waren diese Erhöhungen nur konsequent, da ansonsten ein Festhalten an zwei verschiedenen W-Kategorien inkonsequent gewesen wäre.

Zusammenfassung

Dieser kurze Überblick zeigt, wie vielfältig die verschiedenen Professorenbesoldungsmodelle sind. Durch das vom DHV erstrittene Urteil zur W2-Besoldung in Hessen erhalten nunmehr zahlreiche Hochschullehrer in Deutschland eine höhere Besoldung. Einige Bundesländer nutzten erfreulicherweise die Chance auch, um die W3-Besoldung zu erhöhen. Bedauerlicherweise wurden die Reformen nicht genutzt, um die Besoldung von Juniorprofessoren zu verbessern.

Getrübt wird diese Erhöhung jedoch durch die auch hochschulpolitisch verkorksten Anrechnungsregeln, die eher einem Vexierbild gleichen als einer angemessenen Reaktion des Gesetzgebers auf die verfassungsrechtlichen Vorgaben. Diese kehren grundsätzliche Prinzipien der W-Besoldung in ihr Gegenteil, indem erbrachte Leistungen entwertet werden. Über die großen bestehenden bleibenden Fragezeichen sollte das Bundesverfassungsgericht entscheiden. Es spricht einiges dafür, dass viele Gesetzgeber an vielen Stellen der Reformen schon alsbald werden nachbessern müssen.

Die Anrechnungsmodelle werden einer verfassungsrechtlichen Überprüfung kaum Stand halten können. Die ersten verwaltungsgerichtlichen Entscheidungen zu diesen Fragen werden daher von vielen Seiten mit Spannung erwartet.

Übersicht der W-Reformmodelle

  Anpassung der W-Grundgehälter gemäß jeweiliger W-Besoldungsnovelle* Konsumtion** Stand des Verfahrens
Bund W1 W2
7 Jahre Stufe 1
5.100
7 Jahre Stufe 2
5.400
danach Stufe 3
5.700
W3
7 Jahre Stufe 1
5.700
7 Jahre Stufe 2
6.100
danach Stufe 3
6.500
Verringerung bestehender Leistungsbezüge (LB) um Erhöhung des Grundgehalts (GG), mind. 30% der LB bleiben erhalten Gesetz ist in Kraft
Baden-Württemberg W1
4.514
W2
5.684
W3
6.452
Verringerung bestehender Leistungsbezüge (LB) um Erhöhung des Grundgehalts, 50% der LB Änderungsgesetz zum Landesbesoldungsgesetz vom 12.6.2014 / Gesetz ist in Kraft
Bayern W1 W2
5 Jahre Stufe 1
4.900
7 Jahre Stufe 2
5.100
danach Stufe 3
5.400
W3
5 Jahre Stufe 1
5.800
7 Jahre Stufe 2
6.000
danach Stufe 3
6.250
Verringerung bestehender LB um Erhöhung des GG, mind. 50% der LB bleiben erhalten Gesetz ist in Kraft
Berlin W1 W2
GG zzgl. Aufstockungsbetrag i. H. v. 659
W3
GG zzgl. Aufstockungsbetrag i. H. v. 473
Bei bestehenden LB, die den Mindestbetrag überschreiten keine Erhöhung Entwurf vom 24.2.2014
Brandenburg W1 W2, W3
GG zzgl. LB mind. i.H.v. 644,30
Bei bestehenden LB, die den Mindestbetrag überschreiten keine Erhöhung Gesetz ist in Kraft
Bremen W1 W2, W3
GG zzgl. LB mind. i.H.v. 600
Bei bestehenden LB, die den Mindestbetrag überschreiten keine Erhöhung Gesetz ist in Kraft
Hamburg W1 W2, W3
GG zzgl. Grundleistungsbezug (GLB) mind. i.H.v. 606,88
GLB wird gewährt, soweit bisherige LB kleiner als das Doppelte der GLB sind, daneben Hälfte der bestehenden LB Gesetz ist in Kraft
Hessen W1 W2, je Stufe 5 Jahre
Stufe 1
4.780
Stufe 2
4.960
Stufe 3
5.140
Stufe 4
5.320
Stufe 5
5.500
W3, je Stufe 5 Jahre
Stufe 1
5.300
Stufe 2
5.500
Stufe 3
5.500
Stufe 4
5.920
Stufe 5
6.128
Verringerung bestehender LB um Erhöhung des GG, mind. 50% der LB bleiben erhalten Gesetz ist in Kraft
Mecklenburg-Vorpommern W1 W2
Erhöhung um 600
W3
500
Grds. Konsumtion bis zu 75% der bestehenden LB Gesetz ist in Kraft
Niedersachsen W1 W2
614,68
W3
111,58
Grds. Konsumtion in Höhe der Besoldungserhöhung bis zu 50% Gesetz ist in Kraft
Nordrhein-Westfalen W1 W2
5.044,02
W3
5.578,75
Anrechnung in Höhe von 45% der bestehenden LB, höchstens in Höhe der Erhöhung Gesetz ist in Kraft
Rheinland-
Pfalz
W1 W2
4.892,70
W3
Keine Erhöhung
(= 5.496,94)
Anrechnung der Erhöhung auf bestehende LB. Bis zu 150 € sind davon ausgeschlossen, darüber hinaus verbleibt anrechnungsfreier Sockelbetrag von 150 € Gesetz ist in Kraft
Saarland W1 W2
Erhöhung um 550
W3
Erhöhung um 450
Anrechnung abhängig vom Leistungsbezug bis zu 100% möglich Entwurf vom August 2014
Sachsen W1
Stufe 2 bei Verlängerung nach § 35 II Sächs BesG: 4.330
W2
Stufe 1
4.704,73
Stufe 2
4.943,91
Stufe 3
5.183,08
Stufe 4
5.422,67
W3
Stufe 1
5.300,31
Stufe 2
5614,74
Stufe 3
5.929,17
Stufe 4
6.243,60
Verringerung bestehender LB um Erhöhung des GG, höchstens um 70% der LB Gesetz ist in Kraft
Sachsen-
Anhalt
W1 W2
5.049,68
W3
5.605,62
Verringerung bestehender LB um Erhöhung des GG, besondere LB verringern sich um jedoch höchstens um 50% Gesetz ist in Kraft
Schleswig-Holstein W1 W2
5.022,07
W3
5.686,69
Verringerung bestehender LB um Erhöhung des GG Gesetz ist in Kraft
Thüringen W1 W2
5.000
W3
Keine Erhöhung
(= 5.344,33)
Verringerung bestehender LB um Erhöhung des GG /grds. 50% geschützt Gesetz ist in Kraft
(Alle Angaben ohne Gewähr / Stand: November 2014)
*: ohne spätere Besoldungsdynamisierungen
**: sehr vereinfachte Darstellung


Über den Autor
Sascha Sven Noack ist Rechtsanwalt und Justitiar im Deutschen Hochschulverband.

Aus Forschung & Lehre :: Januar 2015