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Die Wissenschaftstiftung in Berlin ist beschlossen


Von Jan-Martin Wiarda

Nach langem Streit entsteht in Berlin eine Wissenschaftsstiftung.

Die Wissenschaftstiftung in Berlin ist beschlossen: Wissenschaftsstiftung Berlin© Carolina K Smith MD - Fotolia.com
Vor mittlerweile anderthalb Jahren hat Berlins Wissenschaftssenator Jürgen Zöllner (SPD) die Gründung einer Super-Universität in der Hauptstadt vorgeschlagen, die Harvard, Cambridge und Co. Konkurrenz ma chen sollte. Nach etlichen Runden Grundsatzstreit und Kompetenzgerangel mit den bestehenden Berliner Universitäten ist aus den großen Plänen eine mittelmäßig spannende, etwas komplizierte Konstruk tion namens Einstein-Stiftung geworden. Die immerhin, so Zöllners erleichterter Stoßseufzer vor ein paar Tagen, solle jetzt sehr rasch gegründet werden, und zwar "im Einvernehmen" mit den Unipräsidenten.

Doch das war vor ein paar Tagen. Inzwischen hat der Akademische Senat der Freien Universität (FU) eine scharf formulierte Protestnote an den Senator geschickt, die Technische Universität (TU) übt sich in wolkig-ablehnenden Stellungnahmen. Es drängt sich der Eindruck auf, dass es FU und TU niemals wirklich um eine für alle Seiten akzeptable Lösung ging. Besonders die FU sieht sich seit ihrem Erfolg in der Exzellenzinitiative als einzige wirkliche Berliner Elitehochschule und will die Stiftung als Angriff auf ihren Status verhindern.

Die gute Nachricht: Sie wird es nicht schaffen. Senator Zöllner hat erkannt, dass die FU für jede Forderung, die er erfüllt, längst eine neue in petto hat. Schon jetzt hat die Idee einer Super-Uni nur deshalb so viel von ihrer ursprünglichen Brillanz eingebüßt, weil Zöllner es möglichst vielen Kritikern recht machen wollte.

Damit ist jetzt Schluss. Der Wissenschaftssenator wird sich nicht noch einmal ausbremsen lassen, die Einstein-Stiftung kommt - und mit ihr kommen dringend benötigte Millionen für Berlins Forschungslandschaft. 150 Millionen, um genau zu sein, allein bis 2012.

Natürlich werden seine Kritiker, allen voran die Freie Universität, behaupten, Zöllner setze seine Vorstellungen mit der Brechstange durch. Wie absurd solche Vorwürfe sind, erschließt sich angesichts der anderthalb Jahre währenden Debatte von selbst.

Ebenso wie folgende Erkenntnis: Die Freie Universität und ihr Akademischer Senat haben ihre Machtspielchen endgültig übertrieben. Von jetzt an leidet ihr Bild in der Öffentlichkeit, nicht das des Wissenschaftssenators.

Aus DIE ZEIT :: 30.10.2008

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