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Doktor-Prüfung

Von ANDREAS SENTKER

Der Fall zu Guttenberg zeigt: Eine Refom der Promotion ist nötig.

Doktor-Prüfung© Christian Wißler - Wikimedia CommonsDas System der Promotion ist nicht nur an der Uni Bayreuth, sondern grundsätzlich in Deutschland reformbedürftig
Die Universität Bayreuth ist sich sicher: »Nach eingehender Würdigung der gegen seine Dissertationsschrift erhobenen Vorwürfe stellt die Kommission fest, dass Herr Freiherr zu Guttenberg die Standards guter wissenschaftlicher Praxis evident grob verletzt und hierbei vorsätzlich getäuscht hat.«

Ist mit der Veröffentlichung des vollständigen Kommissionsberichts am Mittwoch dieser Woche der Fall erledigt? Das System hat den Sünder überführt und bestraft. Hat es damit bewiesen, dass es selbst ohne Fehler ist? Viele Hochschulrektoren zeigen öffentlich ihr Entsetzen über die Affäre. Manch einer hat sich klammheimlich bei seinen Professoren erkundigt, ob auch der eigenen Uni Skandale drohen. Nachhaltige Konsequenzen aus dem Fall aber hat bisher keine Universität gezogen. Dabei haben nicht nur Guttenberg selbst, sein Doktorvater oder dessen Fakultät versagt. Beispielhaft zeigt der Fall, dass sich das System der Promotion in Deutschland überlebt hat und reformbedürftig ist. So vergibt Deutschland als eines von wenigen Ländern Noten für Doktorarbeiten.

Dass mehr als die Hälfte der Dissertationen mit »ausgezeichnet« oder »sehr gut« bewertet werden, sagt mehr über die Nähe von Doktorvater und Doktorand als über die Leistung des Promovenden. Externe Doktoranden sind oft nicht eng genug in den wissenschaftlichen Betrieb eingebunden. Aber nur dann lernen sie wissenschaftliche Standards in der Praxis kennen und können ihre Erkenntnisse in intensiven Debatten auf die Probe stellen. Vor allem aber sollten jene Doktorarbeiten, die nicht zum Erkenntnisfortschritt beitragen, sondern höchstens einen Türschildtitel rechtfertigen, von echten Doktorarbeiten unterschieden werden. Der Wissenschaftsrat hat für die Medizinerausbildung schon vor Jahren einen entsprechenden Vorschlag gemacht. Es ist höchste Zeit, ihn umzusetzen.

Aus DIE ZEIT :: 12.05.2011

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