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Stefan Machura: Lecturer für Rechtssoziologie an der Universität Bangor


Protokoll: Jan-Martin Wiarda

Professoren erzählen, wie Filme, Fernsehserien und Werbung ihre Lehre verbessern.

Mit Dr. House im Hörsaal - Stefan Machura Stefan Machura (47), Lecturer für Rechtssoziologie an der Universität Bangor: "Britische Universitäten haben einen Sinn für Darstellungen."
In meinem Fach trifft sich die juristische Definition dessen, was Recht oder Unrecht ist, mit dem Alltagsempfinden der Menschen. Weil sich das abstrakt anhört, lasse ich mir gern von Humphrey Bogart helfen: Sahara, eigentlich ein vorurteilsbeladener Streifen, verdeutlicht die drei Formen der Verteilungsgerechtigkeit. Bogart spielt darin einen US-Pan zer kommandanten in Nordafrika, der über das Schicksal eines italienischen Gefangenen entscheiden muss. Der Armeearzt verweist auf den Gleichheitsgrundsatz: Der Gefangene habe die gleichen Rechte auf Schutz wie jeder andere.

Auch mit der Leistungsgerechtigkeit wird argumentiert: »Faschisten« als Feinde verdienten den Tod. Der Gefangene wiederum beteuert, er könne als Mechaniker in der Wüste von Nutzen sein. Zugleich pocht er auf sein individuelles Bedürfnis, die dritte Form der Verteilungsgerechtigkeit: Er müsse überleben, seiner Familie zuliebe. Der Bezug zu Gerichtsverfahren: Das Strafmaß kann sich unterscheiden je nach dem Gerechtigkeitsprinzip, das sich die Richter zu eigen machen. Beispiel individuelles Bedürfnis: Welche Strafe eignet sich am besten, um den Übeltäter zu einem besseren Menschen zu machen?

Ich kann ein halbes Dutzend Filme aufzählen, die sich für Juravorlesungen eignen, A Few Good Men etwa, wo die Abfolge von Verhör und Kreuzverhör im angloamerikanischen Rechtssystem illustriert wird, oder die Degradierungsszene in Die Affäre Dreyfus, in der ein Mensch in eine niedrigere soziale Kategorie herabgestuft wird. Angeklagten kann es genauso ergehen. Am besten lernen Studenten, wenn man weitere Unterrichtsmittel einsetzt. Schokolade zum Beispiel. Vor dem Verspeisen müssen sie entscheiden, welches Gerechtigkeitsprinzip sie bei der Portionierung walten lassen. Fast immer siegt das Gleichheitsprinzip.

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Aus DIE ZEIT :: 07.01.2010

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