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Dual Career - Karriere zu zweit

Von Judith Jenner

Sie treffen gemeinsame Entscheidungen und wollen beruflich erfolgreich sein: Doppelkarrierepaare oder Dual Career Couples. Bei etwa der Hälfte der Rufabsagen ist die mangelnde Berufsperspektive des Partners bzw. der Partnerin zumindest ein Grund, so eine Studie der "Jungen Akademie". Immer mehr Universitäten richten daher Dual Career Büros ein, um den Partnern von Spitzenwissenschaftlern bei der Jobsuche zur Seite zu stehen.

Dual Career - Karriere zu zweitSuparna Goswami und ihr Mann Samarjit Chakraborty aus Kalkutta
Suparna Goswami und ihr Mann Samarjit Chakraborty aus Kalkutta lieben ihre Berufe. Bis Februar lebten beide in Singapur: Er als Assistant Professor an der National University of Singapore, sie als Doktorantin. Dann kam für Samarjit Chakraborty der Ruf an die Technische Universität München (TUM). Für beide stand fest: Auch für Suparna Goswami muss es am neuen Wohnort Karrierechancen geben. "Eine Kleinstadt kam daher nicht in Frage", sagt Suparna Goswami. In München sahen sie wegen der erstklassigen Technischen Universität und des guten Firmennetzwerks eine berufliche Zukunft für beide. Seit Februar leben die Inder nun in München. Wie sie sind etwa 30 Prozent aller Wissenschaftler mit einer Wissenschaftlerin liiert. Bei Wissenschaftlerinnen liegt der Anteil sogar bei 80 Prozent.

Karriere des Partners kommt im Berufungsverfahren zur Sprache

Während der Berufungsverhandlungen bot die Universität Samarjit Chakraborty den Dienst des Munich Dual Career Office an. Kerstin Dübner-Gee leitet diese Institution seit Anfang 2008. "Durch eine hoch individualisierte Beratung sollen vor allem im Hinblick auf internationales Recruiting Wettbewerbsvorteile erzielt werden", erklärt Dübner-Gee. "Weiche Faktoren" wie die Unterstützung des Partners bei der Stellensuche können das Zünglein an der Waage sein, um einen hochkarätigen Wissenschaftler zu einem Umzug nach München zu bewegen, weiß Dübner-Gee. Im vergangenen Jahr führte das Munich Dual Career Office 47 Beratungen durch, 26 Klienten fanden einen Job, für den Rest läuft die Beratung noch. 2009 kamen 20 neue Beratungsfälle hinzu, fünf haben bereits eine Arbeitsstelle.

"Anschubfinanzierungen" für die Jobsuche als Ausnahme

Nicht an allen Hochschulen fallen die Ergebnisse so üppig aus, besonders wenn sie in strukturschwachen Regionen liegen. Dübner-Gee schätzt, dass es etwa 25 Hochschulen gibt, die einen Dual Career Service anbieten. Meist richtet sich der Service nur an Spitzenwissenschaftler, an der Uni Konstanz aber beispielsweise auch an den wissenschaftlichen Mittelbau. In Ausnahmefällen wird hier für die Zeit der Jobsuche des Partners eine "Anschubfinanzierung" gezahlt. "Das Ziel sind jedoch immer langfristige Beschäftigungsverhältnisse", sagt Julika Funk von der Servicestelle Dual Career Couples der Uni Konstanz.

Gefragt ist immer Feingefühl, wenn für den Partner oder die Partnerin eine Stelle an der gleichen Universität geschaffen wird - und letztlich muss immer die fachliche Kompetenz das entscheidende Kriterium sein.

Dual Career Center als Mittel zur Gleichstellung

In den meisten Fällen hat es Kerstin Dübner-Gee mit den Ehefrauen von Spitzenwissenschaftlern zu tun, wohl auch deshalb, weil sie an einer technischen Universität arbeitet. Der Anteil der Männer machte in der Beratung im vergangenen Jahr 14 Prozent aus. Ihre Beobachtung: "Männer schauen nach einem sicheren, langfristigen Arbeitsverhältnis, das einen Karriereaufstieg bedeuten könnte. Frauen hingegen arrangieren sich leichter mit einer Situation, wenn die Entscheidung gefallen ist." Sie ist überzeugt, dass das Engagement für Dual Career Couples auch mehr Wissenschaftlerinnen an die TUM bringt.

Netzwerke mit Wissenschaftseinrichtungen und Unternehmen

Um passende Stellen zu finden, kooperieren die Universitäten mit Unternehmen und benachbarten Hochschulen. Die TU Braunschweig kann durch das "Dual Career Netzwerk Südostniedersachsen" Kontakte zu möglichen Arbeitgebern vermitteln. An der TU München gibt es Partnerschaften mit der Max-Planck-Gesellschaft, dem Helmholtz Zentrum München, dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrttechnik München, der Fraunhofer-Gesellschaft, der Süd-Chemie AG, der Infineon Technologies AG und der Hochschule München. Diese Kontakte setzte Kerstin Dübner-Gee auch für Suparna Goswami ein und legte den Lebenslauf der 33-Jährigen bei verschiedenen Unternehmen vor. Nach einigen Gesprächen mit Wirtschaftsunternehmen wird Frau Goswami wahrscheinlich wie ihr Mann an der TUM arbeiten. Ihr wurde eine Post-Doc-Stelle am Lehrstuhl für Wirtschaftsinformatik angeboten.

"Im Gegensatz zu dem Ruf der Deutschen, kalt und abweisend zu sein, sind wir sehr freundlich empfangen worden", sagt Goswami. Bisher hat sie lockere private Kontakte geknüpft. Singapur zu verlassen, fiel ihr nicht leicht, auch wegen der relativen Nähe zu ihrem Heimatland Indien.

Dual Career

  • Dual Career Center unterstützen die Partner von Spitzenwissenschaftlern bei der Stellensuche, oft in einem Netzwerk mit außeruniversitären Forschungseinrichtungen und Wirtschaftsunternehmen.
  • Ortsflexible Forschungsstipendien können Wissenschaftlerpaaren helfen, eine Anstellung am gleichen Ort zu bekommen.
  • Dual Career-Angebote dienen als Mittel zur Gleichberechtigung, denn oft stellen Frauen bei einem Ortswechsel ihre Karriere hinten an.

Ortsungebundene Stipendien als Starthilfe für die Doppelkarriere

Wenn der mitreisende Partner wissenschaftlich arbeitet, können Forschungsstipendien eine Jobperspektive bieten, die ortsunabhängig angetreten werden können, sofern eine geeignete Einrichtung zur Verfügung steht. Bei der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gibt es z.B. das Programm "Eigene Stelle" für promovierte Nachwuchswissenschaftler und das Heisenberg-Programm für angehende Professoren. Die Humboldt-Foundation unterstützt mitreisende Familienangehörige von Stipendiaten, ein explizites Dual-Career-Programm gibt es aber nicht. Doch kann ein Teil des Betrags, der für die Alexander von Humboldt-Professur für herausragende Wissenschaftler bereitgestellt wird, für die Schaffung einer Stelle des Partners verwendet werden.

Für Professor Chakraborty war die Ernennung zum Ordinarius am Lehrstuhl für Realzeit-Computersysteme der TUM ein bedeutender Karrieresprung. Mit dem europäischen Universitätssystem hat er bereits Erfahrungen, promoviert hat er an der ETH Zürich. "Die Forschung in den USA und in Singapur ist sehr ergebnisorientiert, während man in Europa mehr akademische Freiheit hat, z.B. bei Forschungen, deren Ergebnis offen ist", sagt er. Wäre er auch nach Deutschland gegangen, wenn seine Frau in Singapur geblieben wäre? "Nein", sagt er entschieden. Aber er könnte sich gut vorstellen, eines Tages seiner Frau zu folgen, wenn sie ein interessantes Angebot bekäme. Auf das Angebot eines Dual Career Centers würde er dann gerne zurückkommen.


Quelle: academics

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