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"Eigene Stelle" zugunsten der Juniorprofessur abbrechen?

Eigene Stelle oder doch die W1 Professur?© Stihl024 - photocase.de

Ich forsche auf einer von der DFG geförderten "Eigenen Stelle" an meinem Habilitationsprojekt. Die Stelle läuft noch anderthalb Jahre und ich könnte noch einen Fortsetzungsantrag für ein weiteres Jahr stellen.

Derzeit ist eine Juniorprofessur ausgeschrieben, für die ich mich gerne bewerben würde. Dafür müsste ich jedoch meine "Eigene Stelle" abbrechen. Würden Sie mir raten, mich bereits jetzt darauf zu bewerben, oder sollte ich besser noch ein Jahr abwarten und hoffen, dass es auch im nächsten Jahr entsprechende Ausschreibungen gibt?

Meine zweite Frage ist die folgende: Sofern ich einen Ruf auf die Juniorprofessur erhalte und mich doch dagegen entscheide - Kann ich diesen ablehnen, ohne dass die Chancen in künftigen Bewerbungsverfahren sinken?

Die Antwort des DHV-Expertenteams: Sofern Sie derzeit im Rahmen Ihres Habilitationsprojektes an Ihrer Habilitation schreiben, ist es durchaus denkbar, dass Sie sich parallel auch auf eine Juniorprofessur bewerben. Grundsätzlich geht es bei der Juniorprofessur ja ebenfalls um die wissenschaftliche Qualifizierung für eine Professur.

Ob Sie sich tatsächlich bewerben wollen, hängt sicherlich von verschiedenen Aspekten ab. Dies gilt insbesondere, wenn Ihre Habilitation so gut wie abgeschlossen ist. Vor diesem Hintergrund wird im Rahmen von Berufungsverfahren häufig die Frage gestellt, warum Sie sich - obwohl Sie bereits fast habilitiert sind - noch auf eine Juniorprofessur als Qualifikationsstelle bewerben. Gleichwohl ist es jedoch nicht ausgeschlossen, dass selbst habilitierte Bewerberinnen und Bewerber auf Juniorprofessuren berufen werden.

Hinsichtlich des Verfahrens lässt sich nicht genau einschätzen, wie lange das Berufungsverfahren innerhalb der Hochschule ohnehin dauert. So ist es durchaus denkbar, dass im Rahmen eines Stellenbesetzungsverfahrens, bei dem die Stelle in diesem Jahr ausgeschrieben wird, das Vorsingen erst im Frühjahr stattfindet und die Listenreihung abschließend z.B. erst Mitte des kommenden Jahres. Sofern die Berufungsverhandlungen dann beispielsweise erst am Ende des Jahres stattfinden ist es nicht ausgeschlossen, dass Ihrem Wunsch, eine Besetzung erst im nächsten Jahr vorzunehmen, entsprochen werden könnte.

Insofern kommt es sicherlich darauf an, wie hoch das Gewinnungsinteresse der jeweiligen Hochschule ist. Sofern Sie sich also bereits jetzt mit dem Gedanken tragen, sich zumindest erst einmal zu bewerben, um Ihre Marktchancen zu testen, wäre es durchaus immer noch denkbar, dass Sie - weil etwa aus persönlichen Gründen das Angebot nicht so attraktiv erscheint - den zunächst erteilten Ruf zurückgeben. Insofern kommt es auch auf die jeweiligen Rahmenbedingungen der zu besetzenden Professur an.

Aus diesem Grunde kann auch nicht pauschal gesagt werden, dass ein abgelehnter Ruf Ihrer Karriere im Rahmen künftiger Bewerbungsverfahren schadet. Maßgeblich dürfte insofern sicherlich auch die Begründung sein, die Sie im Rahmen der Rufablehnung mitteilen.

Sofern Sie Mitglied des Hochschulverbandes sind, könnten Sie sich zu den von Ihnen aufgeworfenen Fragen auch noch einmal individuell im Rahmen einer telefonischen Beratung beraten lassen.
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