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Ein förderliches Klima schaffen: das Miteinander von Dozenten und Studierenden in der Lehre


Von Lioba Werth und Klaus Sedlbauer

Das Miteinander zwischen Ihnen als Dozent und Ihren Studierenden wird geprägt von Ihrem eigenen Selbstverständnis, dem Bild, das Sie von Ihren Studierenden haben, von den Rahmenbedingungen, die Sie den Studierenden schaffen und dem Verhalten, welches Sie in den Interaktionen mit den Studierenden an den Tag legen.

Ein förderliches Klima schaffen: das Miteinander von Dozenten und Studierenden in der Lehre© seraph - Photocase.com "Studierende sollten keine Angst haben, bloßgestellt zu werden, das lähmt jede Initiative."

Eigenes Selbstverständnis klären

Beantworten Sie sich doch einfach mal folgende Fragen:
  • Welche Rolle spielt Lehre für mich im Vergleich zur Forschung? Ist sie eine Freude oder eher ein notwendiges Übel?
  • Welchen Anteil der Lehre möchte ich selbst übernehmen, welchen möchte ich delegieren? Möchte ich am liebsten alles delegieren oder nur die Seminare, aber keine Vorlesungen oder sogar nur bestimmte Themen? Oder lieber alles selbst machen?
  • Wie stehe ich zu meinem Fach bzw. den Fächern, die ich zu vertreten habe; sind es meine Wunschfächer oder eher welche, die ich mit übernehmen musste? Wie stehe ich zu meiner Institution, bin ich beispielsweise gerne da oder am liebsten möglichst oft weg / zuhause? Bin ich stolz, zu dieser zu gehören oder schätze ich sie eher nicht so sehr?
  • Wie sehe ich mich selbst als Professor? Vielleicht als Hochschullehrer im engeren Sinne, der gerne und mit Engagement lehrt und hinter dieser Rolle steht? Oder eher als Forscher, der sein Lehrdeputat gerade noch so in Kauf nimmt?

Auf den allermeisten Professuren im deutschsprachigen Raum sind Sie nicht nur Forscher, sondern auch (Hochschul-)Lehrer. Klären Sie daher, wie Sie sich und Ihre Rolle in der Lehre verstehen. Es ist wichtig, sich damit auseinanderzusetzen, denn nur wer seine Rolle(n) mag und sich mit ihr / ihnen identifiziert, wird sie auch gut und erfolgreich ausfüllen. Und in diesem Sinne sollte es Ihnen ein Anliegen sein, die Ihnen anvertrauten jungen Erwachsenen sowohl fachlich auszubilden, als auch auf ihrem persönlichen Weg zur Berufstätigkeit zu begleiten.


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Streben Sie einen vertrauensvollen Umgang zwischen Lehrenden und Studierenden an

Signalisieren Sie Wertschätzung! Zeigen Sie, dass Sie bemüht sind, die Studierenden zu verstehen und ernst zu nehmen, geben Sie ihnen Sicherheit, sodass sie bei Unklarheiten oder Unsicherheiten auch nachfragen und sich trauen, kreativ zu sein. Studierende sollten keine Angst haben, bloßgestellt zu werden, das lähmt jede Initiative. Machen Sie gerade aus diesem Grund transparent, an welcher Stelle Sie von ihnen Eigenständigkeit, Beteiligung, kritischen Diskurs und Einsatz erwarten.

Verlässlich sein

Nur wenn Sie als Dozent Ihre Vorgaben gegenüber den Studierenden auch konsequent einhalten, nachverfolgen und bei Missachtung auch Konsequenzen zu spüren sind, können diese ihre Wirkung entfalten. Lassen Sie hingegen Fehler und Fehlverhalten durchgehen, fördern Sie diese Abweichungen. Für Ihre Konsequenz gilt natürlich auch der Umkehrschluss: Auch Sie müssen sich an Ihre Zusagen und Angaben (wie bspw. Prüfungsanforderungen, Deadlines) strikt halten und sollten diese nicht beliebig ändern. Ihre Studierenden müssen des Weiteren darauf vertrauen können, dass die Vorgaben der Studien- und Prüfungsordnung im Institut oder in der Fakultät von allen Kollegen in gleicher Weise eingehalten werden. So kann es beispielsweise nicht sein, dass bei Ihnen eine Masterarbeit 50 Seiten umfassen sollte, während der Kollege nur 30 Seiten verlangt - beide sollten sich strikt an die Studienordnung (oder eine gemeinsame Vereinbarung) halten. Zum einen sind Studierende für klare Vorgaben dankbar und verwirrt, wenn es diese nicht gibt. Zum anderen wirkt es sich früher oder später negativ auf das kollegiale Klima aus, wenn Dozenten mit ungleichen Anforderungen an die Studierenden herantreten. Damit wären Tür und Tor offen für ein 'gegeneinander ausgespielt werden' seitens der Studierenden, aber auch unnötige Konkurrenzsituationen zwischen Kollegen könnten entstehen. Schaffen Sie also auch über Details Einigkeit; geben Sie beispielsweise eine klare und einheitliche Regel vor, was bei zu später Abgabe einer Hausarbeit erfolgt (eine Nicht-Annahme oder aber Notenabzüge pro verspätetem Tag) und machen Sie diese transparent (bspw. zum Nachlesen auf Ihrer Homepage einstellen).

Rückmeldung ermöglichen

Lernen und Weiterentwicklungen sind ohne Rückmeldung nur schwer möglich. Das gilt gleichermaßen für die Studierenden, die die Rückmeldung des Dozenten zur erbrachten Leistung benötigen, um sich einschätzen und verbessern zu können, als auch für Sie als Dozent, da Sie ebenfalls die Rückmeldung der Studierenden brauchen, um Ihrerseits einen Anhaltspunkt zu haben, wie Sie und Ihre Lehre wahrgenommen werden. Daher sollten Sie regelmäßige Lehrevaluationen, Feedbackgespräche und klare Leistungsrückmeldungen nach Referaten oder anderen Prüfungsleistungen etablieren. Rückmeldungen können sich auf die inhaltliche Leistung oder auch auf sog. Soft Facts (weiche Faktoren) beziehen, wie z.B. Sozialverhalten, Präsentationsfertigkeiten oder Offenheit im Umgang miteinander. Aus Effizienzgründen empfiehlt es sich für Dozenten, Rückmeldungen in den Lehrveranstaltungen zu ritualisieren, beispielsweise grundsätzlich eine Feedbackrunde nach einem Referat abzuhalten oder auf der Lehrstuhlebene stets am Ende des Semesters Lehrevaluationen durchzuführen. Eine solche Regelmäßigkeit sollte Sie jedoch nie davon abhalten, auch spontan Anerkennung zu äußern, beispielsweise wenn Sie begeistert sind über die Initiative oder Leistung eines Studierenden und Sie diesen zufällig auf dem Flur treffen.


Über die Autoren
Prof. Dr. Lioba Werth ist habilitierte Diplom-Psychologin, hat an der TU Chemnitz den Lehrstuhl für Wirtschafts-, Organisations- und Sozialpsychologie inne und leitet ein Unternehmen für Beratung, Coaching und Training (auch im wissenschaftlichen Bereich).

Prof. Dr. Klaus Sedlbauer studierte Physik, promovierte in Bau- und Umweltingenieurwissenschaften, hat den Lehrstuhl für Bauphysik an der Universität Stuttgart inne und leitet das Fraunhofer-Institut für Bauphysik. In seinem Ingenieurbüro und seiner Firma beschäftigt er sich mit Aufgaben aus der Baupraxis.


Aus dem Handbuch "In Forschung und Lehre professionell agieren" :: Juli 2011

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