Das Karriereportal für Wissenschaft & Forschung von In Kooperation mit DIE ZEIT Forschung und Lehre

Ein Jahr Deutschland-Stipendium

von Katharina Graf

Seit dem Sommersemester 2011 vergeben drei Viertel der deutschen Hochschulen das Deutschland- Stipendium; unter den Stipendiaten sind zirka fünf Prozent Chemiestudenten. Unternehmen der chemischen Industrie fördern das Stipendium.

Ein Jahr Deutschland-Stipendium© Benis Arapovic - 123rf.com243 Chemiestudenten erhielten im Jahr 2011 eines der 5400 Deutschland-Stipedien
Seit dem Sommersemester 2011 vergeben Hochschulen das Deutschland-Stipendium an Studenten aller Semester. Voraussetzung ist, dass sie gute Noten haben und sich sozial engagieren. Die Stipendiaten erhalten über mindestens zwei Semester monatlich 300 Euro. Bewerben können sich Studenten bei ihrer Hochschule. Informationen finden sie neben den Internetseiten der Unis auch auf der Seite des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (www. deutschland-stipendium.de).

Neben 150 Euro, die der Bund bezahlt, fördern Geldgeber aus der Wirtschaft jeden Stipendiaten mit 150 Euro. Das Stipendium wird nicht auf Bafög angerechnet. Förderer sind Unternehmen, Stiftungen oder Alumni. Sie unterstützen die Stipendiaten häufig zusätzlich durch Mentoring. Die Förderer können mitentscheiden, welche Fachrichtung sie finanzieren.

Im Jahr 2011 gab es für 0,2 Prozent aller 2,2 Millionen Studenten in Deutschland Geld aus dem Deutschland-Stipendium. Es förderte mit 241 Stipendien knapp 1 Prozent aller Chemiestudenten, darunter 106 Frauen und 99 Erstsemester.

Unter allen 5400 Stipendiaten waren 4,5 Prozent Chemiker. Mit 7 Prozent waren die Informatiker die größte geförderte Gruppe der Naturwissenschaftler. Die kleinste Gruppe waren mit 0,5 Prozent die Pharmaziestudenten. Biologen und Physiker waren mit jeweils 3 Prozent der Stipendiaten vertreten.

Insgesamt finanzieren 0,7 Prozent aller Informatiker, 0,4 Prozent aller Biologen und 0,2 Prozent aller Pharmaziestudenten ihr Studium mit dem Deutschland-Stipendium.

An Universitäten mit den größten Chemiefachbereichen entspricht der Anteil an geförderten Chemiestudenten dem Anteil an der Hochschule. Beispielsweise an der RWTH Aachen, der TU München und der Uni Münster. An der Uni Mainz lag der Anteil im Jahr 2011 über dem Durchschnitt: 12 Prozent ihrer Deutschlandstipendiaten waren Chemiestudenten, ihr Anteil lag bei 4,5 Prozent. Aktuell machen die Chemiker an der Universität Köln 2 Prozent der Studierenden aus, aber 9 Prozent der Stipendiaten studieren Chemie. In Heidelberg sind 20 Prozent der Deutschland-Stipendiaten Chemiker, womit ihr Anteil deutlich über dem Anteil an Studierenden insgesamt liegt.

BASF, Bayer und Evonik fördern

Die BASF beteiligt sich an Stipendien für 200 Naturwissenschaftler, Ingenieure, Betriebswirte und Juristen. Ihre Stipendiaten kommen von den Unis Mannheim und Heidelberg, aber auch von der ESB Business School in Reutlingen oder der TU Darmstadt. Sie können an Diskussionsrunden und Workshops teilnehmen sowie Praktika im In- und Ausland absolvieren.

Evonik beteiligt sich an 150 Stipendien der Natur- und Wirtschaftswissenschaften sowie der Verfahrenstechnik und anderen Ingenieursdisziplinen. Das Unternehmen lädt seine Stipendiaten regelmäßig an die Standorte ein. Sie können auch Praktika absolvieren und Abschlussarbeiten anfertigen.

100 Stipendien an 23 Hochschulen finanziert Bayer mit, hauptsächlich für Studenten naturwissenschaftlicher und technischer Fächer. Sie können ebenfalls Praktika oder Abschlussarbeiten absolvieren und werden als Alumni in die Bayer-Stiftung aufgenommen. Nach Angaben der Bayer-Stiftung, nutzt Bayer das Deutschlandstipendium vorrangig dazu, Nachwuchskräfte an das Unternehmen zu binden.

Weitere Unterstützer sind Altana, Agilent, Bosch und Heraeus.

Finanzierung fehlt

Im letzten Jahr plante der Bund 9440 Stipendienplätze. Für etwas mehr als die Hälfte fanden die Hochschulen Förderer aus der Wirtschaft. Das Saarland vergab alle vorgesehenen Stipendien, während es in Hamburg nur fünf Prozent waren. Allerdings bietet ein Viertel der Hochschulen in Deutschland gar kein Deutschlandstipendium an. Im bundesweiten Durchschnitt vergibt jede Hochschule zwei Drittel der verfügbaren Stipendien.

Vor allem mittelständische Unternehmen als Förderer zu gewinnen, fällt den Hochschulen schwer. Nach einer Studie der Universität Hildesheim kennt etwa die Hälfte der befragten Unternehmen das Deutschlandstipendium nicht.

Häufig haben die Unis keine Erfahrung im Anwerben von Förderern und nicht das Geld, ihre Mitarbeiter entsprechend zu schulen. Der Bund unterstützt zwar die Hochschulen mit bis zu sieben Prozent der einzuwerbenden Mittel. Dies reicht den Unis aber meist nicht, um jemanden ausschließlich mit der Anwerbung von Förderern zu beschäftigen.

Karrieretag in Düsseldorf

Einen Karrieretag für Naturwissenschaftler, Ingenieure und Techniker veranstaltet am der Online- Stellenmarkt Jobvector 18. September in Düsseldorf. Bei der Veranstaltung können Studenten und Absolventen mit Arbeitgebern Kontakt aufnehmen und ihre Bewerbungsmappen überprüfen lassen. Zusätzlich gibt es Firmenpräsentationen. www.jobvector.com

Selbstständigkeit als Notlösung

Selbstständigkeit ist für Chemiker und vor allem für Chemikerinnen keine berufliche Alternative. Das ist das Ergebnis eines Forschungsprojekts des Ruhr-Rhein-Instituts für Sozialforschung und Politikberatung (RISP) an der Uni Duisburg [siehe auch Nachr. Chem. 2011, 59, 93]. Für Chemikerinnen kommt Freiberuflichkeit nur dann infrage, wenn sich Privates und Beruf nicht verbinden lassen, die Karriere stagniert oder es keine andere Perspektive gibt. Im Jahr 2009 waren 0,5 % aller Chemikerinnen unternehmerisch tätig. Alle Ergebnisse der Studie sind jetzt als Broschüre erhältlich. www.risp-duisburg.de

Wunscharbeitgeber der Naturwissenschaftlern

Die Max-Planck-Institute, die Fraunhofer-Gesellschaft, Bayer und BASF sind Wunscharbeitgeber angehender Naturwissenschaftler und Ingenieure. Die Unternehmen und Institutionen nehmen die ersten vier Plätze eines Rankings ein, für das Universum, ein Beratungsunternehmen, 12 000 Studenten befragte. Sie erhielten eine Liste mit 130 Unternehmen und konnten bis zu drei weitere nennen, wenn ihr Wunscharbeitgeber nicht darunter war. Zudem fragte Universum nach den Gründen für die jeweiligen Präferenzen in den Kategorien Jobeigenschaften, Mensch und Kultur, Image des Arbeitgebers sowie Gehalt und Aufstiegschancen. Besonders wichtig waren den Befragten freundliches Arbeitsumfeld, sichere Anstellung, vielfältige Aufgaben, attraktives Gehalt sowie Nachhaltigkeit. Insgesamt legten die Studenten mehr Wert auf das Arbeitsklima als auf das Finanzielle. www.universumglobal.com/idealemployer-ranking/student surveys/Germany/Natural Science

Technische Assistenten einstufen

Fünf wissenschaftlich-technische Organisationen, darunter die Arbeitsgruppe Berufliche Bildung der GDCh, gründeten das Bündnis zur Stärkung der technischen Assistentenberufe (TA) in Naturwissenschaft und Medizin. Anlass ist, dass berufliche Ausbildungen im Deutschen Qualifikationsrahmen (DQR) in Niveau drei bei 2 Jahren Ausbildung oder vier bei 3 Jahren Ausbildung eingestuft werden sollen. Niveau drei bescheinigt Kompetenzen in einem noch überschaubaren und zum Teil offenen Lernbereich. Nun befürchten die TA, dass sie aufgrund ihrer zweijährigen schulischen Ausbildung nicht mehr gleichrangig mit der beruflichen Ausbildung eingestuft werden. Die Mitglieder des Bündnisses setzen sich dafür ein, dass TA Niveau fünf des DQR erhalten. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung sagt, dass die Ausbildungslänge bei schulischer und beruflicher Ausbildung kein Kriterium sei. In fünf Jahren sollen die DQR-Niveaus überprüft werden. www.deutscherqualifikationsrahmen.de/

Versicherung von Doktoranden

Eine Broschüre der Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft informiert Doktoranden über ihre Rechte und Pflichten bei Kranken-, Pflege-, Arbeitslosen- und Unfallversicherung. www.gew.de

Aus Nachrichten aus der Chemie» :: September 2012

Ausgewählte Artikel
Ausgewählte Stellenangebote