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Einzigartige Kombination: Musik trifft Physiotherapie

Das Projekt "Physiotherapeutische Intervention bei Musikern" (MusikPhysio) der Hochschule Osnabrück ist das erste seiner Art im deutschsprachigen Raum und gibt professionelle Hilfe für am Bewegungsapparat erkrankte Musiker

Dass professionelles Musizieren aufgrund einseitiger Körperhaltungen zu Problemen der Muskulatur, des Nervensystems und der Knochen führen kann, ist bereits seit längerer Zeit bekannt. So erfordert das Spielen eines Instruments eine hohe Konzentration und versetzt die Musiker in eine körperliche Dauerspannung, die sich oftmals in Haltungsschäden, muskulären Verspannungen oder Schädigungen der Nervenbahnen niederschlägt. Allerdings bekennen sich nur relativ wenige Musiker zu derartigen Problemen. Prof. Dr. Christoph Zalpour, medizinischer Leiter des an der Hochschule Osnabrück angesiedelten Instituts für angewandte Physiotherapie und Osteopathie (INAP/O), leitet das Projekt und sieht den Grund hierfür in erster Linie in dem Selbstverständnis dieser Berufsgruppe: "Zuzugeben, gesundheitliche Schäden durch die Ausübung seiner Profession davonzutragen, würde gleichzeitig bedeuten, auch zuzugeben, dass die langfristige Ausübung des Berufes in Gefahr ist. Aus diesem Grund wird das Thema nur unzureichend angegangen, sowohl von den Betroffenen selbst als auch den Schulmedizinern. Ich sehe hier große Parallelen zu den Leistungssportlern." Um diesen Kreislauf zu unterbinden, kam Zalpour die Idee, die Vorteile der Physiotherapie mit der Vielzahl gesundheitlicher Bedürfnisse der Musiker zu kombinieren. "Die Hochschule Osnabrück eignet sich aufgrund des Instituts für Musik und dem Studiengang Physiotherapie optimal hierfür", so Zalpour weiter. Zudem erhofft man sich durch die intensive Zusammenarbeit beider Bereiche eine Vielzahl wissenschaftlicher Publikationen zu dem Thema "Musikergesundheit". "Es gibt mittlerweile eine große Nachfrage, aber noch keine ausreichenden Forschungsergebnisse. Wir wollen das im Rahmen mehrerer geschlossener Kooperationen ändern und somit systematisch zur wissenschaftlichen Schwerpunktbildung in diesem Bereich beitragen", ergänzt Zalpour. Erste Schritte wurden bereits 2007 mit einer speziellen Sprechstunde für Musiker eingeleitet, die um eine konkrete Befundanalyse erweitert wurde. "Das Besondere an der Sprechstunde und dem sich anschließenden Befund des Bewegungs- und Stützapparates ist die Tatsache, dass unsere Physiotherapeuten zugleich selbst Musiker sind und daher die Erfordernisse und Probleme besser einschätzen können", betont Malika Damian, die selbst musikphysiotherapeutische Behandlungen gibt und als Pianistin über Fehlhaltungen bei einem hohen Übungspensum Bescheid weiß. Mit dem Projekt wird zudem beabsichtigt, die Gesundheitsförderung von Musikern in der Region zu institutionalisieren und bundesweit bekannt zu machen. Sowohl die fachlichen Kapazitäten als auch der Bedarf sind vorhanden und zudem ausbaufähig. "Mittlerweile besuchen uns Musiker aus der gesamten Region und nehmen das Angebot war", so Malika Damian weiter. Die enorm ansteigende Nachfrage der letzten Monate unterstreicht eindrucksvoll die Notwendigkeit des Projekts. Allein in den letzten zwei Jahren wurden an dem INAP/O-Institut der Hochschule Osnabrück mehr als 2000 Beratungen speziell für Musiker durchgeführt. Die Tendenz ist weiterhin stark steigend, nicht zuletzt aufgrund des zunehmenden Bekanntheitsgrades des Projekts. Mit Hilfe der Kooperationspartner, zu denen u.a. die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung, die Deutsche Orchestervereinigung und das Orchester städtischer Bühnen zählen, wird der Forschungsschwerpunkt "Musikergesundheit" fester Bestandteil der Region. Außerdem werden Professoren und wissenschaftliche Mitarbeiter mit dem Schwerpunkt Physiotherapie in die Lehre des Instituts für Musik eingebunden. Darüber hinaus werden die physiotherapeutischen Beratungen für Musiker weiter ausgebaut und in einem dynamischen Prozess an die aktuellen Forschungsergebnisse angepasst.

idw :: 24.11.2010

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