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Erfinden lernen

Von Christian Fuchs

Ulrich Weinberg, 49, ist Leiter der School of Design Thinking am Hasso Plattner Institut (HPI) in Potsdam.

Erfinden lernen: School of Design Thinking Potsdam© HPIUlrich Weinberg, Leiter der School of Design Thinking am HPI

Sie haben Europas erste Erfinderschule gegründet. Was genau passiert bei Ihnen?

Seit einem Semester bilden wir, in Kooperation mit der Stanford University, 40 Studierende interdisziplinär aus. Unsere Studenten entwickeln Ideen zu drei großen Themen der Zukunft: Generationenkonflikte, soziale Randgruppen und Medienvielfalt. Das Angebot richtet sich an Studierende aller Fachrichtungen aus Berlin und Brandenburg, die in der Endphase ihrer Fachstudien stehen und zwei Tage in der Woche Kurse bei uns belegen.

Was hat die Schule mit Design zu tun?

Bei uns werden neue Ideen für alle Lebensbereiche entwickelt. Die Arbeitsweise hat ihre Wurzeln in der Gestaltung, Ergebnisse können aber neben Produkten auch Dienstleistungen oder ganze Systeme sein. Wir stehen für eine radikale Offenheit für alle Disziplinen.

Man kann Erfinden also lernen?

Das können Ihnen alle unsere Studenten bestätigen. Keiner ist zu uns als Erfindertyp gekommen, der bereits mehrere Patente hält. Aber durch die interdisziplinäre Zusammensetzung der Gruppe, einen routinierten Prozess, sich Problemen zu nähern, und unsere kreativitätsfördernden Räume sind die Studenten auf ganz neue Produkte gekommen.

Haben Ihre Studenten schon etwas erfunden?

Eine Gruppe hat eine Sex-Aufklärungskampagne für Migrantenkinder entwickelt, eine andere hat den "FamilyChair" erfunden, einen Ohrensessel mit Webcam, Touchscreen und Lautsprechern, über den Väter und Mütter - die weit entfernt arbeiten - mit ihrer Familie in Kontakt bleiben können. Wieder andere sind der Frage nachgegangen, wie man sozial benachteiligte Menschen animieren könnte, mehr Gemüse und weniger Hamburger zu essen. Sie entwickelten ein Servicekonzept für Supermärkte, bei dem sich Kunden in der Gemüseabteilung ihre Möhren schälen lassen können.


Über den Autor
Christian Fuchs ist Medienwissenschaftler und arbeitet als freier Reporter unter anderem für Die ZEIT, Spiegel-Online, die Süddeutsche Zeitung und Das Magazin.

Aus DIE ZEIT :: 27.03.2008

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