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Erfolgreich als Ingenieurin

Von Barbara Lange

Sicherheit im Job, Arbeiten im Team und ein internationales Umfeld - das waren für Burghilde Wieneke-Toutaoui entscheidende Kriterien bei der Studienwahl. Die heutige Professorin und dreifache Mutter über ihre Erfahrungen, einen Job auf Führungsebene in der Wissenschaft und die Familie zu vereinbaren.

Erfolgreich als Ingenieurin© privatProf. Dr. Ing. Burghilde Wieneke-Toutaoui ist Präsidentin der Fachhochschule Brandenburg sowie Vorsitzende des VDI-Netzwerkes "Frauen im Ingenieurberuf"
Studiert hat Wieneke-Toutaoui Maschinenbau an der TU Berlin. "Damals war ich überrascht über den geringen Frauenanteil. Das war 1976", sagt die heute 55-Jährige. Von unserem Abiturjahrgang haben insgesamt zwei ein technisches Studium ergriffen. Ich wusste nicht, dass es ein reines Männerstudium ist", erzählt sie über ihre Anfänge in der Welt der Technik. "Heute bin ich enttäuscht, dass die Entwicklung so langsam voranschreitet." Denn wesentlich erhöht hat sich der Frauenanteil bis heute nicht.

Beförderung trotz Schwangerschaft

Die beruflichen Stationen führten sie über eine Position als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Fraunhofer-Institut für Produktionsanlagen und Konstruktionstechnik Berlin, wo sie 1987 auch promovierte. Eine Benachteiligung aufgrund ihrer Rolle als Frau und Mutter hat sie dabei nicht erfahren. "An dem Tag, an dem ich meinen Vorgesetzten über meine Schwangerschaft informierte, wurde ich gleichzeitig zur Gruppenleiterin befördert," beschreibt sie das Vertrauen, das ihr Vorgesetzter im Fraunhofer-Institut ihr entgegenbrachte. Mittlerweile ist Wieneke-Toutaoui Präsidentin der Fachhochschule Brandenburg.

Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf war für die Mutter dreier mittlerweile erwachsener Kinder im Laufe ihrer Karriere zwar ein großes Thema, aber "eigentlich gilt diese Herausforderung ja nicht nur für Ingenieurinnen, sondern für berufstätige Frauen insgesamt. Auch Krankenschwestern oder Ärztinnen stehen vor der Aufgabe, Familie und Beruf zu verbinden."

Unterstützt wurde sie durch ihre Familie, Au-Pair-Kräfte, Ganztagskindergarten und -schule. Eine große Hilfe, wie sie sagt, sonst wäre beispielsweise der Karrieresprung zur Professorin für Industrial Engineering an die Beuth Hochschule für Technik Berlin mit 31 Jahren nicht möglich gewesen. Dort war sie acht Jahre lang Vizepräsidentin für Studium und Lehre mit den Forschungsschwerpunkten "Generative Fertigungsverfahren" und "Lean Manufacturing."

Gute Chancen als Frau im Ingenieurberuf

"Wenn man erstmal drin ist im Ingenieurberuf, dann kommt man auch als Frau weiter." sagt sie. Große Schwierigkeiten hatte sie nicht, obwohl es unterm Strich schon recht hart gewesen sei, sich als Mutter von drei Kindern zur Führungskraft zu entwickeln. Viel war in die Lebensjahre zwischen 25 und 35 Jahre gepresst. "Das müsste aber gar nicht sein. Ich denke, dass man nicht alles auf einmal wollen muss. In den Jahren zwischen 35 und 67 ist auch noch viel Zeit. Voraussetzung dafür ist, dass das Umfeld dann noch eine berufliche Karriere zulässt." Aber die Vorstellung, dass Frauen mehr leisten müssen als Männer, um voran zu kommen, kann sie nicht bestätigen, denn "Männer arbeiten auch viel."

Warum sich nur so wenige Frauen an die Technik heranwagen? Schwer zu sagen. "Wenn ich es wüsste, würde ich Deutschland mit Projektideen überschwemmen". Als mögliche Ursache kommt das viel höhere Renomée in Frage, das der Ingenieurberuf hierzulande besitzt, Frauen trauen sich das oftmals nicht zu. In anderen Ländern, beispielsweise rund um das Mittelmeer, sei der Ingenieur ein ganz normaler Beruf, den auch Frauen ergreifen, sagt Wieneke-Toutaoui. "In Deutschland wird das Bild des Ingenieurs von Erfinder-Gründern wie Bosch, Siemens und Bosch, allesamt starken Männern, geprägt. In diesen Bildern können sich Frauen nicht wiederfinden."

Bloß kein Nerd sein

Dass Menschen in Deutschland im Unterschied zu anderen Ländern sehr nach ihren Berufen eingeschätzt und klassifiziert werden, sei auch eher hinderlich. Frauen wollen kein Tekkie- oder Nerd-Image, so die Vermutung. Dabei spielt Kommunikation eine so wichtige Rolle in dem Berufsfeld, bestätigt Wieneke-Toutaoui. Sicher trägt auch der Sexismus in der Werbung zur Festigung traditioneller Rollenmodelle bei. Außerdem werden Frauen insgesamt viel zu wenig für technische Berufe ermutigt.

"Es ist traurig, aber den richtigen Weg haben wir noch nicht gefunden" sagt sie angesichts der nur wenig steigenden Zahlen an Studentinnen in technischen Studiengängen. Jetzt setzt sie vor allem auf Information, zum Beispiel als Vorsitzende des VDI-Netzwerkes "Frauen im Ingenieurberuf" und in MINTalente, einem Projekt, in dem mehrere Hundert Ingenieurinnen den Studentinnen als "Role Model" zur Verfügung stehen. Über Veranstaltungen, Persönlichkeitsseminare und den persönlichen Austausch mit den Mentorinnen können sich die jungen Frauen über die Arbeit sowie den Berufs- und Familienalltag von Ingenieurinnen informieren.

Karriereziel Ingenieurin - weitere Infos

www.mintalente.de»
- ein Projekt zur Förderung des weiblichen Nachwuchses in den Fächern Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik (MINT)

www.vdi.de/netzwerk/frauen-im-ingenieurberuf»
- der Verein Deutscher Ingenieure ist das größte europäische Ingenieurinnen-Netzwerk mit über 10.000 Frauen im Ingenieurberuf

Mehr Angebot als Nachfrage für angehende Ingenieurinnen

"Es laufen viele Projekte und Veranstaltungen für Frauen. Mehr braucht es eigentlich nicht." Außerdem haben die Firmen vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels großes Interesse, sich das Potenzial der Ingenieurinnen nutzbar zu machen. "Aber Frauen reagieren nicht zwangsläufig nach den Bedürfnissen der Konjunktur", gibt sie zu Bedenken. Wenn man sich die Häufigkeit anschaut, mit der sich männliche und weibliche Studenten an Universitäten und Fachhochschulen einschreiben, dann zeigt sich, dass sich Männer gemäß der Konjunkturlage entsprechend schwankend für ein technisches Studium entscheiden. Bei Frauen steigt die Kurve zwar ganz langsam, aber kontinuierlich und ungeachtet der Bedürfnisse der Wirtschaft. "Sie treffen ihre Entscheidungen nach anderen Kriterien", so Wieneke-Toutaoui.

Sie hat sich für eine Karriere im akademischen Bereich entschieden. "Es hat sich so entwickelt", sagt sie. "Ich hätte auch gut in der Industrie arbeiten können. Im Fraunhofer-Institut haben wir ja im Rahmen der anwendungsnahen Forschung immer sehr eng mit Unternehmen zusammen gearbeitet." Aber im öffentlichen Dienst wirken doch andere Mechanismen als in Unternehmen: "Wenn sich das oberste Management in Firmen für eine Frauenförderung entschieden hat, dann bekommt man relativ leicht die notwendige Unterstützung. Im öffentlichen Dienst ist das anders," so Wieneke-Toutaoui. Als Präsidentin der Fachhochschule Brandenburg will sie sich die Frauenfördermaßnahmen näher anschauen und weiter ausbauen. Im Bereich der Verwaltung und der wissenschaftlichen Angestellten sei der Frauenanteil nach einer ersten Bestandsaufnahme in Ordnung. Aber die Hochschule kann und wird frauen- und familiengerechter gestaltet werden.

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academics :: Januar 2014