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Erfolgreiche Bewerbung für einen Wissenschaftspreis

Von Dr. K.P. Christian Späth und Dr. Dieter Herrmann

Wissenschaftspreise spielen für die Laufbahn in der staatlichen und in der industriellen Forschung eine immer größere Rolle. Bei der Bewerbung gilt es, bestimmte Regeln zu kennen und die richtigen Wege zu gehen.

Erfolgreiche Bewerbung für einen Wissenschaftspreis© windys - stock.xchngWelche Puzzleteile sind bei der Bewerbung auf einen Wissenschaftspreis wichtig?
Im verstärkten Wettbewerb der Wissenschaftler/innen untereinander, aber auch zwischen den Forschungseinrichtungen, nimmt das von vielen noch heute unterschätzte wissenschaftliche Auszeichnungswesen einen immer höheren Stellenwert ein. Mittlerweile gibt es für jedes Fachgebiet und für jede Qualifikationsstufe in der Wissenschaft die Möglichkeit, sich für einen Preis zu bewerben. Neben den klassischen wissenschaftlichen Kriterien wie Qualität und Anzahl der wissenschaftlichen Publikationen oder der eingeworbenen Drittmittel haben die Wissenschaftspreise ihren festen Platz als "Qualitätsmerkmal" einer wissenschaftlichen Persönlichkeit. Dies gilt gleichermaßen für die wissenschaftliche Laufbahn an Hochschulen und in der außeruniversitären Forschung als auch für Wissenschaftler/innen in der industriellen Forschung.

Der Stellenwert der Preise für den Wettbewerb der Wissenschaftler wird vielfach noch unterschätzt. Auch die geübte Zurückhaltung bei den vielfältigen Angeboten an Wissenschaftspreisen von der institutionellen zur internationalen Ebene bei Nominierungen ist nicht angebracht. Das sehr gut gegliederte und auf allen wissenschaftlichen Hierarchieebenen angesiedelte System der Wissenschaftspreise lässt Spielraum für jede hervorragende wissenschaftliche Arbeit, eine bestimmte Forschungsrichtung oder ein Lebenswerk. Die Staffelung reicht von der Auszeichnung einer Staatsexamensarbeit bis zum Nobelpreis. Die fachliche Breite geht von der Einengung auf ein spezielles Molekül bis hin zur Bandbreite einer ganzen Wissenschaftsdisziplin.

Diese hunderte von Wissenschaftspreisen werden von der Zielgruppe unterschiedlich in Anspruch genommen. Während Naturwissenschaftler und Ingenieure sich intensiver bewerben, ist bei den Geistes- und Gesellschaftswissenschaftlern nach wie vor eine gewisse Zurückhaltung zu erkennen. Vor allem der wissenschaftliche Nachwuchs bewirbt sich nicht in dem Maße wie möglich. Deshalb sollten häufiger als bisher die Mentoren des wissenschaftlichen Nachwuchses die Initiative zur Nominierung für einen Wissenschaftspreis ergreifen.

Worauf bei der Bewerbung geachtet werden muss

Bei der Bewerbung um einen Wissenschaftspreis werden unnötige Fehler gemacht. Das erste Kriterium ist die Einordnung der wissenschaftlichen Arbeit oder der wissenschaftlichen Leistung in Hinblick auf das Profil des Wissenschaftspreises. Dazu gehört nicht nur der Förderbereich des Preises. Auch die äußeren Rahmenbedingungen sind wichtig. Während beispielsweise der Dissertationspreis einer Hochschule in der Regel keine Themeneingrenzung, sondern nur bestimmte Qualitätsstandards verlangt, sind bei Preisen von Industrie- und Handelskammern anwendungsorientierte Forschungen und Entwicklungen gefragt. Eine konkrete Beschäftigung mit der Ausrichtung des jeweiligen Preises ist deshalb unabdingbar.

Prinzipiell ist die gleichzeitige Bewerbung um zwei unterschiedliche Preise - ggf. mit geringen Modifikationen bei der Antragstellung unter Beachtung der unterschiedlichen Schwerpunkte - nicht grundsätzlich ausgeschlossen und eine häufig geübte Praxis, falls sie nicht durch Formalia ausgeschlossen wird.

Strenge Beachtung finden müssen die formalen Voraussetzungen für Preise. Sind beispielsweise Altersgrenzen angegeben, gibt es hier schon aus formalen Gesichtspunkten keine Ausnahmen. Bezeichnungen wie "für Nachwuchswissenschaftler" ergeben einen Spielraum, der häufig nur durch gezielte Nachfrage bei der verleihenden Institution geklärt werden kann. Als Nachwuchswissenschaftler/in wird in der Regel ein Personenkreis verstanden, der noch keinen Ruf auf eine Professur erhalten hat. Manchmal gibt es hiervon Ausnahmen wie z.B. Juniorprofessoren und jüngere W2/W3-Professoren. Vorgegebene Antragstermine sind ebenso einzuhalten wie die Vorgabe eines bestimmten auszuzeichnenden Personenkreises (männlich/weiblich).

Eigenbewerbung oder Vorschlag durch Dritte

Ansehen und Höhe eines Preises und die Art der Bewerbung (Eigenbewerbung, Vorschlag durch Dritte) sind häufig miteinander verknüpft. Je höher die Bedeutung des Preises, desto seltener ist die Eigenbewerbung möglich und umgekehrt. In der Preisausschreibung sollte die Vorschlagsberechtigung genau beachtet werden. Wird Eigenbewerbung erwartet oder sollte der Vorschlag von der Doktormutter/dem Doktorvater, vom Rektor/Präsident der Hochschule erfolgen? Bei Eigenbewerbung sollte man sich nicht vorschlagen lassen und bei Vorschlag sich nicht selbst bewerben, diese Regel sollte unbedingt eingehalten werden.

Auch wenn Rektoren oder Präsidenten den Vorschlag machen müssen, so geht die Initiative selten von diesem Personenkreis aus. Jeder Rektor/Präsident einer Hochschule freut sich, wenn Preisvorschläge eingehen, da mit dem Preis zwar Personen geehrt werden, aber indirekt auch die Einrichtung, bei der der Geehrte tätig ist.

Da die Hochschulleitung selbst nicht einschätzen kann, wer von der Hochschule am ehesten für eine Preisnominierung in Frage kommt (was besonders für Nachwuchswissenschaftler/innen gilt), ist sie auf Vorschläge angewiesen. Hierbei sollten aber zwei Dinge beachtet werden: Sich nicht selbst für eine Nominierung vorschlagen, sondern den Kollegen darum bitten und den Dienstweg über die Fakultät /den Fachbereich/die Institutsleitung einhalten.

Das Prozedere der Bewerbung

Ob Eigenbewerbung oder Vorschlag durch einen Dritten - die geforderten Unterlagen sind in der Regel eine Antragsbegründung, die Vita des Auszuzeichnenden, die auszuzeichnende Arbeit, einschlägige Veröffentlichungen, Gutachten, und dies alles vollständig und in der vorgeschriebenen Form und Anzahl. Gerade bei Nachwuchswissenschaftlern spielen Gutachten eine zentrale Rolle. Bei Promotionsarbeiten sind dies in der Regel die Promotionsgutachten. Bei anderen Preisen wird häufig nur eine Würdigung durch den Antragssteller und/oder einen fachnahen Vertreter erwartet. Je höher ein Preis in seiner Wertigkeit für das jeweilige Fach ist, umso weniger sind diese Gutachten gefordert, da man davon ausgeht, dass die Vita des Vorgeschlagenen aus sich heraus überzeugt.

Der Antrag muss so gestaltet werden, dass er sowohl die preisstiftende Institution in Form und Inhalt sowie die Gutachter/ die Auswahlkommission überzeugen kann. Vor allem bei Preisen im Rahmen kleinerer Stiftungen ist das Auswahlkomitee nicht nur mit einschlägigen Wissenschaftlern, sondern auch häufig mit wissenschaftlichen Laien oder so genannten Personen des Öffentlichen Lebens besetzt. Der Antrag muss so formuliert werden, dass auch dieser Personenkreis von der Preiswürdigkeit des Antrags überzeugt werden kann. Hierzu tragen der formale Aufbau und das äußere Erscheinungsbild des Antrags genauso bei wie eine allgemein verständliche Zusammenfassung der eingereichten Arbeit.

Manche Nominierung scheitert daran, dass jemand nicht den Mut aufbringt, einen Kollegen zu bitten, ihn vorzuschlagen. Umgekehrt kann auch die falsche Person um einen Vorschlag gebeten werden. Hier gilt es zwei Grundsätze zu beachten: Es sollte sich immer um einen Fachkollegen handeln, von dem am ehesten angenommen wird, dass er weiß, worüber seine Kollegen auf welchem Niveau forschen. Eine Nominierung eines noch so renommierten Wissenschaftlers aus einem anderen Fachgebiet (außer wenn es sich um die Leitung einer Hochschule handelt) erweckt unter Umständen Misstrauen gegenüber dem Vorschlag. Je weiter der Vorschlagende räumlich vom Vorgeschlagenen entfernt lehrt, umso besser. Es sei denn, es handelt sich um eine lokal oder regional begrenzte Ausschreibung.

Wissenschaftler/innen, die seit Jahren gemeinsam in Projekten forschen, sollten sich nur dann gegenseitig vorschlagen, wenn es sich um ein Spezialgebiet handelt, für dass es keine weiteren Experten gibt. Ansonsten ist es sinnvoller, wenn der Vorschlagende von einer anderen Universität kommt. Möglicherweise auch einer Hochschule anderen Zuschnitts, z.B. der Vorgeschlagene ist an einer kleinen neuen Universität tätig, der Vorschlagende an einer großen alten Universität. Das gleiche gilt natürlich auch umgekehrt.

Mut zur Bewerbung - aber kritische Selbsteinschätzung

Von zentraler Bedeutung ist die Einschätzung der wissenschaftlichen Arbeit im Hinblick auf die Hierarchie des Preises. Deshalb wird angeraten, vor jeder Bewerbung die Liste der bisherigen Preisträger dahingehend durchzusehen, ob die eigene wissenschaftliche Arbeit sich auf dem Niveau der ausgezeichneten bewegt. Diese Einschätzung ist vor allem für Nachwuchswissenschaftler/innen sehr wichtig.

Die Frage, inwieweit es sinnvoll ist, sich für einen Preis, für den man nominiert worden ist, aber nicht ausgewählt wurde, bei der nächsten Ausschreibung noch einmal zu bewerben, ist nicht einfach zu beantworten. Hier ist eine kritische Selbsteinschätzung gefragt, wie jemand die Qualität seiner Arbeit relativ zu der des Preisträgers einschätzt. Die Entscheidung für eine Person ist normalerweise keine Entscheidung gegen andere Personen, sondern sollte das Bemühen eines objektiven Gremiums sein, nach Abwägung aller Überlegungen aus dem Kreis hervorragend geeigneter Personen eine Person auszuwählen. Solche Entscheidungen sind häufig sehr knapp und manchmal auch vom Zufall bestimmt. Eine erneute Bewerbung kann nach kritischer Überprüfung durchaus sinnvoll sein, dokumentiert sie doch das Interesse nicht nur an dem Preis, sondern auch an der fördernden Institution.

Mit Wissenschaftspreisen lässt sich normalerweise kein Geld verdienen. Viele Preise sind ideeller Natur und ehren eine wissenschaftliche Arbeit oder eine/n Wissenschaftler/in mit einer Urkunde oder Medaille. Dort wo die Auszeichnung mit Geld verbunden ist, ist es üblicherweise nicht als persönliche Belohnung, sondern als Unterstützung der wissenschaftlichen Forschung gedacht. Bei den meisten mit Geld versehenen Preisen gibt es deshalb eine Zweckbindung, so dass die Mittel nicht für persönliche Zwecke verwendet werden können.

Das zentrale Nachschlagewerk zu den in Deutschland verliehenen Wissenschaftspreisen und Forschungsstipendien und zu ausländischen und internationalen Preisen, für die sich deutsche Wissenschaftler/innen bewerben können, ist das Handbuch der Wissenschaftspreise und Forschungsstipendien. Es enthält aktuell alle diesbezüglichen Auszeichnungen und auch eine große Zahl von Wissenschaftspreisen, die sich vor allem an den wissenschaftlichen Nachwuchs richten.



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