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Erst angelockt, dann weggespart

von MARION SCHMIDT

Ost-Unis könnten durch massive Kürzungen West-Studenten verlieren.

Erst angelockt, dann weggespart© picturedesigner - iStockphoto.comDurch Sparmaßnahmen drohen Ost-Unis, wie hier in Leipzig, die mühsam angeworbenen West-Studenten zu verlieren
Was haben ostdeutsche Hochschulen in den letzten Jahren nicht alles getan, um westdeutsche Abiturienten anzulocken: sie im Trabi nach Leipzig kutschiert, ihnen Professoren zur Privatvorlesung vorbeigeschickt und sie zum Dinner beim Uni-Rektor geladen. 16,3 Millionen Euro hat allein der Bund bislang für derlei Marketingkampagnen ausgegeben. Damit sollen die sich wegen des Geburtenrückgangs leerenden Ost-Unis mit West-Studenten aufgefüllt werden.

Das ist offenbar gelungen: Die Zahl der Wessis in Ost-Hörsälen ist deutlich gestiegen, in Brandenburg etwa auf 26 Prozent, in Sachsen sogar auf 47. An der Uni Leipzig sind in diesem Wintersemester erstmals mehr Studenten aus den alten Bundesländern eingeschrieben als aus den neuen.

Ausgerechnet jetzt, wo die Ost-Unis erfolgreich Studenten angeworben haben, will ihnen die Politik Studienplätze wegkürzen. Sachsen plant, 30 Studiengänge zu schließen. In Thüringen sollen 50 Professuren wegfallen, an der Uni Jena stehen fünf Studiengänge vor dem Aus, in Sachsen-Anhalt sogar ganze Fachbereiche. Das ist ein verheerendes Signal, das alle Bemühungen der vergangenen Jahre zunichtemachen könnte. Auch wirtschaftspolitisch wäre es eine äußerst schlechte Entscheidung.

Damit schreckt man jetzt nicht nur Studenten ab und verzichtet auf deren Kaufkraft - zukünftig fehlen dann auch die gut qualifizierten Fachkräfte, die ebenfalls schwer in den Osten zu locken sind.

Aus DIE ZEIT :: 14.11.2013

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